Sie «brääseleten» zum letzten Mal: Nach über 20 Jahren hören die Flawiler Schnitzelbänkler Brääseli auf

Nach der Chratzbörschte-Verleihung ist Beizenfasnacht. Unterwegs waren die Flawiler Schnitzelbänkler Brääseli und Alliglattohre.

Zita Meienhofer
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Der letzte Auftritt der Flawiler Schnitzelbänkler Brääseli nach über 20 Jahren. Bilder: Zita Meienhofer

Der letzte Auftritt der Flawiler Schnitzelbänkler Brääseli nach über 20 Jahren. Bilder: Zita Meienhofer

Am Schmutzigen Donnerstag 1997 waren die Brääseli erstmals unterwegs. Am Schmutzigen Donnerstag 2020 war Schluss.

Das wärs gsii, mir Brääseli sind nöd tragbar, CO-Zwei Belaschtig wird viel z’höch

Das war der Anfang der letzten Strophe, bildlich dargestellt mit den Brääseli von hinten, die einen Rollkoffer nach sich ziehen und der Aufschrift «Bye Bye». Die Brääseli formierten sich 1996, als in Flawil keine Schnitzelbänkler mehr unterwegs waren und vom Publikum innigst vermisst wurden. Seit Beginn dabei – mit nur einem Jahr Auszeit – ist Walter Frehner. Er erklärt: «Einer hört altershalber auf, die Zeichnerin zieht weg. Nun ist halt Schluss.» Frehner wollte eigentlich damals nach zehn Jahren aufhören, hielt es dann aber nicht aus, auf der anderen Seite zu stehen, seinen Kollegen zuhören zu müssen, und machte weiter.

Die Brääseli «brääselen» nur über Ereignisse, die in Flawil passiert sind. «Es sind jeweils sieben Themen aus dem Dorf, die wir aufnehmen», erklärt Frehner, der für das Schreiben der Verse zuständig ist. Verse zur Melodie von «drobe uf dä Ebenalp», die lustig-bissig sind, die Preis geben, was oft nur einem erlauchten Kreis bekannt war – oder schon längst vergessen. Mit dieser Aussage begann dann auch ihre diesjährige Bank.

Mit sind Brääseli, sind gwundrig und versesse, was z’Flawil s’Johr dör alles so passiert.
Wenn ihr au meinet mir heigets längscht vergesse, isch bi üs scho alles programmiert.
Segs än Fehler vo dä Behörde, segs vom Nochbur ä Beschwerde, bi üs Brääseli wird alles prompt notiert.

Ob es Frehner nächstes Jahr aushält, von der anderen Seite zuhören zu müssen? Wer weiss, vielleicht wird im 2022 wieder «gebrääselet».

Ruhebänke, Erlebnistage und die Badi

Ganz auf einheimische Schnitzelbänkler müssen die Flawiler im nächsten Jahr nicht verzichten. Seit elf Jahren touren die Alliglattohren durch Flawil. Sie sind auch ausserhalb des Dorfes zu hören – die Anzahl ihrer Verse ist deshalb grösser sowie nationaler und internationaler.

Jedes Johr en Klimagipfel.
Läck händ mer die uf de Latte.
Alles chlagt, ‘s wer immer heisser.
Doch statt Tate git’s Debatte.
Einzig Credit Suisse, die handlet
und lot eri Lüt beschatte.
Die Alliglattohre aus Flawil nehmen auch die nationalen und internationalen Themen auf die Schippe.

Die Alliglattohre aus Flawil nehmen auch die nationalen und internationalen Themen auf die Schippe.

Obwohl sich die beiden Schnitzelbankgruppen unterscheiden, werden oft dieselben Flawiler Themen auf die Schippe genommen. Dieses Jahr sind es die Ruhebänke beim Bahnhofplatz, die abgesagten Erlebnistage oder die Badi Flawil. Die Alliglattohren schrieben folgenden Vers.

Mer gönd i d’Badi, fein go esse,
denn go schwimme, fascht elei.
Mer rätslet: Wieso hät’s kei Lüt?.
Guet – d’Raucher blibet all dihei.
Und alli andre sind beschäftigt
mit de Parkplatzsuecherei.

Die Brääseli «brääseleten» über Flawils Badi:

S’neu Konzept vo dä Badi tuet üs fruschte, familienfründlich isch doch Flowil sehr.
Aber leider bringts üs nume Choschte, i d’Badi will vo jetzt a niemmert meh.
Dä Parkplatz zahle nöd vergesse,
rauchfrei Schnellfiggerfrass iefresse und das alls mit Plastikwegwerfgschier.

In 14 Lokalen im Zentrum Flawils waren Schnitzelbänkler, Guggen und andere Formationen zu hören. Auf den Strassen waren verschiedenen Maskierte– alleine oder oft in Gruppen– unterwegs, um die Tradition der Beizenfasnacht in Flawil aufrechtzuerhalten.

Steffi l’Amour Prinz und ihre Zuckerpuppen wussten das Publikum in der «Wunderbar» zu begeistern.

Steffi l’Amour Prinz und ihre Zuckerpuppen wussten das Publikum in der «Wunderbar» zu begeistern.