Sie arbeiten da, wo andere wohnen

Leben und arbeiten im Wohn- und Pflegeheim (12) – Zum Heimleitungsteam gehören Paul Seifert, Bernadette Schläpfer und Patric Koller. Sie erzählen, wie sie für Bewohnende sowie die Mitarbeitenden ein optimales Umfeld schaffen.

Beatrice Oesch
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Für das Heimleitungsteam Bernadette Schläpfer, Patric Koller und Paul Seifert (von links) stehen Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. (Bild: Beatrice Oesch)

Für das Heimleitungsteam Bernadette Schläpfer, Patric Koller und Paul Seifert (von links) stehen Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt. (Bild: Beatrice Oesch)

FLAWIL. «Es ist eine grosse Herausforderung, ein Privileg und sehr spannend, dort zu arbeiten, wo Menschen wohnen», sagt Paul Seifert, Heimleiter des WPH Flawil, und die zwei anderen Mitglieder der Heimleitung stimmen ihm zu. Bernadette Schläpfer ist Leiterin der Hotellerie, Patric Koller Leiter der Pflege und Betreuung. Für unsere Zeitung formulieren sie im Bistro des WPH die wichtigsten Aspekte ihrer Arbeit: «Im WPH Flawil sind inklusive Lernende 131 Mitarbeitende angestellt.

Ihr Arbeitsplatz ist gleichzeitig ein Ort, wo rund 110 Menschen wohnen. Diese ungewöhnliche Konstellation funktioniert nur, wenn die Wechselbeziehung zwischen den Bereichen stimmt, denn in erster Linie geht es um Menschen, die sich hier wohl fühlen sollen.»

Wurzeln in Irland

Seit zehn Jahren ist Paul Seifert Heimleiter des WPH Flawil. «Was ich hier besonders schätze, ist die Möglichkeit, miteinander etwas zu erreichen und Visionen umzusetzen – wie zum Beispiel unsere Abteilung für Menschen mit Demenz», sagt er. «Voraussetzung dafür ist nicht nur das Schaffen eines guten Umfelds und einer möglichst optimalen Infrastruktur, sondern auch das stets offene Ohr des Stiftungsrates.» Paul Seifert ist als Quereinsteiger ins WPH gekommen und vermisst seine vorherige Beschäftigung als Buchhalter nicht.

«Menschen sind spannender als Zahlen», sagt er schmunzelnd. Er ist Vater von drei bereits ausgeflogenen Kindern, wohnt mit seiner Frau in Buchs und liebt es zu kochen, zu backen und Gäste zu bewirten. Seine Reisen führen ihn vor allem an biblisch-historische Orte in Israel oder nach Irland, wo er bis zu seinem sechsten Lebensjahr daheim war.

Tanzen und Open Airs

«Der erste Eindruck ist massgebend – das gilt nicht nur für Begegnungen», sagt Bernadette Schläpfer mit Überzeugung. Deshalb legt sie viel Wert auf saisonal wechselnde florale Dekorationen, nicht nur im Eingangsbereich des WPH, sondern im ganzen Haus. «Besonders viel Freude macht mir das Organisieren von Anlässen, die den Bewohnenden sowie auch ihren Angehörigen die Möglichkeit geben, zusammen zu feiern», ergänzt sie lächelnd. Für die Mitarbeitenden arrangiert sie jedes Jahr Gesundheitswochen mit einem vielfältigen Kursangebot. Seit acht Jahren arbeitet Bernadette Schläpfer zu 70 Prozent im WPH Flawil. Sie lebt mit ihrer Familie in Herisau; von drei erwachsenen Söhnen wohnen zwei noch zu Hause. Ihren Ausgleich findet die Naturfreundin bei sportlichen Aktivitäten draussen und beim Tanzen. Konzerte und Open-air-Veranstaltungen besucht sie gerne, und auch Ferien im Ausland – vor allem in Griechenland – stehen jedes Jahr auf ihrem Programm.

«Für viele Menschen, die in eine Institution wie das WPH Flawil eintreten, ist die Übergangszeit eine riesige Umstellung, die auch Ängste auslösen kann. Um ihnen sowie auch ihren Angehörigen diesen Schritt zu erleichtern, schöpfen wir jede Möglichkeit aus», erklärt Patric Koller.

Bergab auf dem Einrad

«Sehr hilfreich sind schon vor dem Eintritt Besuche, Gespräche und Informationen über den Alltag und die verschiedenen Aktivitäten, die wir anbieten.» Patric Koller arbeitet seit acht Jahren im WPH und ist seit Anfang dieses Jahres Bereichsleiter Pflege und Betreuung in einem 90-Prozent-Pensum. Er wohnt mit seiner Familie in Oberuzwil und bezeichnet das Familienleben mit zwei Kindern im Teenageralter als idealen Ausgleich zur Arbeit. Er singt in einem Männerchor, wandert und fährt Velo.

Sein Fahrrad benutzt er auch für den Arbeitsweg nach Flawil. Zudem liebt er Ausflüge in die Natur. «Meine Tochter hat mich aufs Einradfahren gebracht, und mittlerweile fahre ich damit sogar den Berg hinunter», verrät er verschmitzt.

Mit diesem Beitrag endet die Serie «Leben und Arbeiten im Wohn- und Pflegeheim». In zwölf Folgen berichtete die Wiler Zeitung über die Menschen im WPH Flawil.