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Showdown beim EC Wil: Präsident Roger Dietschweiler gewinnt Machtkampf gegen Frauenteamgründer Marcel Herzog

Die Querelen um das Wiler Frauenteam haben am Freitagabend ihren Höhepunkt erreicht. An der HV des EC Wil hat Marcel Herzog den Präsidenten zum Rücktritt aufgefordert. Doch dazu kam es nicht: Zu gross war der Rückhalt unter den Mitgliedern für Roger Dietschweiler.
Tim Frei
Präsident Roger Dietschweiler nimmt an der Hauptversammlung zu den Geschehnissen rund ums Frauenteam Stellung. (Bilder: Michel Canonica / TAGBLATT)

Präsident Roger Dietschweiler nimmt an der Hauptversammlung zu den Geschehnissen rund ums Frauenteam Stellung. (Bilder: Michel Canonica / TAGBLATT)

Marcel Herzog versuchte nochmals alles. Dass die 138. Hauptversammlung des EC Wil zweieinhalb Stunden gedauert hatte, lag vor allem an ihm. Höhepunkt war seine über 20 Minuten dauernde Brandrede, welche die Entwicklung des von ihm gegründeten Teams über die vergangenen drei Jahren beinhaltete – vor allem aber Vorwürfe an die Adresse des Präsidenten Roger Dietschweiler. Das Spektakel folgte am Schluss seiner Rede:

«Ich fordere Sie, Herr Dietschweiler, auf: Seien Sie ein Mann und treten Sie hier mit Stil zurück.»

Marcel Herzog gab in seiner Brandrede nochmals alles.

Marcel Herzog gab in seiner Brandrede nochmals alles.

Dietschweiler reagierte umgehend. «Ich und der gesamte Vorstand stellen uns einer solchen Abstimmung, wenn das von den Mitgliedern gewünscht ist.» Und:

«Will die Hauptversammlung meinen Rücktritt, treten wir geschlossen zurück.»

Mitglieder sprechen sich für Präsidenten aus

Mehrere Personen ergriffen daraufhin das Wort. Eine meinte: «Da übernimmt der Präsident unser sinkendes Schiff, bringt es wieder auf Kurs. Und dann greift man ihn dermassen und mit purer Arroganz an. Die Frauen möchten doch einfach ihrem Hobby nachgehen. Gehen wir doch zurück zum Wesentlichen!» Eine anderes Mitglied sagte:

«Wir können dankbar sein, dass die neue Führung unseren Verein gerettet hat. Zwei Herren haben ein Problem miteinander – sie sollen das doch untereinander lösen.»

Eine weitere Person fand: Ob erste Mannschaft, Frauenteam, Nachwuchs oder zweite Mannschaft – man sei doch ein Verein. «Was in den vergangenen Wochen vorgefallen ist, war schlecht für den EC Wil. Jetzt gilt es, vorwärtszuschauen.»

Lars-Kevin Spillmann, Captain der ersten Mannschaft, spricht sich für den Präsidenten aus.

Lars-Kevin Spillmann, Captain der ersten Mannschaft, spricht sich für den Präsidenten aus.

«Es war eine rein sportliche Entscheidung»

Gemeinsam war diesen Voten, darunter jenem von Lars-Kevin Spillmann, Captain der ersten Mannschaft: Sie waren ein deutliches Bekenntnis zu Präsident Dietschweiler. Und sie waren jeweils gefolgt von einem grossen Applaus einer schon fast überlegenen Mehrheit. Aus diesem Grund wurde schliesslich auch auf eine Abstimmung über Herzogs Forderung verzichtet – zu aussichtslos wären die Erfolgschancen des Frauenteamgründers gewesen.

Auch eine Spielerin, Torhüterin Karin Dietrich, meldete sich zu Wort: «Für uns war es eine rein sportliche Entscheidung, auf das Angebot des Präsidenten, ohne Herzog und Frauenteamleiter Sandro Brasi wieder für den EC Wil zu spielen, einzugehen. Uns ging es einfach darum, dass wir mit dieser Mannschaft spielen und unserem Hobby nachgehen wollen.» Und sie betonte: Es sei keine Entscheidung zwischen Dietschweiler und Herzog gewesen.

«Verlierer sind wir alle»

Vor der Rede hatte Dietschweiler zu den Geschehnissen rund ums Frauenteam Stellung genommen. So sagte er, dass es weder um die Person Dietschweiler noch die Person Herzog gehe. «Verlierer sind wir alle – gewonnen hat niemand.»

Präsident Dietschweiler (ganz rechts) erklärt sich. Die anderen Vorstandsmitglieder (von links) hören gespannt zu: Nachwuchsverantwortlicher Jürg Müller, Finanzchefin Gabriela Hasler und Marketingchef Daniel Knecht.

Präsident Dietschweiler (ganz rechts) erklärt sich. Die anderen Vorstandsmitglieder (von links) hören gespannt zu: Nachwuchsverantwortlicher Jürg Müller, Finanzchefin Gabriela Hasler und Marketingchef Daniel Knecht.

Mit dem Ehrenmitglied Marcel Herzog und Brasi habe er kein Problem, sagt Dietschweiler. «Auch nicht mit Rolf Herzog.» Rolf habe von sich aus den Rücktritt bekanntgegeben. «Ob ich ihn dazu gedrängt habe? Das ist sein Empfinden», sagte Dietschweiler über das Ehrenmitglied.

Marcel Herzog und Brasi hätten schon länger den Rücktritt gegeben. Herzog dagegen betonte, dass er im Frühjahr nur als Trainer zurückgetreten sei, nicht aber als Mitglied des Frauenstaffs. «Beide waren so vom Vorstand nicht mehr eingesetzt», sagt Dietschweiler. Im Vorfeld des 30. April, der Meldefrist für den Meisterschaftsbetrieb, hätte der Vorstand von den zwei Personen um Teamlisten gebeten. «Da wir keine erhielten und uns auch keine Verträge vorlagen, bestand zu diesem Zeitpunkt aus unserer Sicht gar kein Team.»

«Wir haben also eine Anmeldung zurückgezogen und kein Team.»

«Präsident hat Schwächen in der Kommunikation»

Herzog kritisierte in seiner Rede insbesondere die Kommunikation des Präsidenten. Obschon er Dietschweiler über das geplante Budget fürs Frauenteam bereits Ende Januar informiert habe, sei es erst zwei Wochen nach der Anmeldefrist – also Mitte Mai – zur ersten Sitzung über das Budget gekommen.

Dazu Dietschweiler: «Wenn Sie bei ihrem Antritt Schulden von über 64'000 bei der Stadt haben und gleichzeitig einen Budgetvorschlag, was zahlen Sie dann zuerst?» Fakt ist jedoch, dass zwischen Ende Januar und Mitte Mai mehrere Monate liegen.

Vorschlag von Herzog findet kein Gehör beim Präsidenten

In der erwähnten Sitzung im Mai machte Herzog dem Präsidenten einen Vorschlag. Dieser sah vor, dass der Frauenstaff über 30'000 Franken selber finanzieren würde und der Verein nur für 7000 Franken aufkommen müsste, dieser Betrag wäre laut Herzog für Schiedsrichter- und Lizenzkosten fällig gewesen.

«Dietschweiler hat dazu gesagt, er könne das nicht entscheiden. Und das obschon vier von sechs Vorstandsmitgliedern anwesend waren.»

Zudem hätte sich Peter Wittwer das vorstellen können, so Herzog weiter. Doch dieser Vorschlag sei vom Präsident im Keim erstickt worden.

Herzog hatte sechs Minuten Zeit, sein Team über Rückzug zu informieren

Der Höhepunkt der kommunikativen Schwächen Dietschweilers sei in der Woche nach der Sitzung erfolgt, so Herzog. Am Nachmittag des
24. Mai hätten er und Brasi vom Präsidenten erfahren, dass das Team zurückgezogen werde. Nur sechs Minuten später sei die Öffentlichkeit mit einer Medienmitteilung informiert worden, die nur an ein Medium ging, an die «Wiler Zeitung» zum Beispiel nicht. «In sechs Minuten schafft man es nicht, das ganze Team zu informieren», sagt Herzog.

Der Hauptvorwurf des Präsidenten an Herzog war, dass dieser ausserhalb seiner Kompetenzen dynamisch gehandelt hätte. Herzog sagt:

«Wir haben unsere Kompetenzen in keiner Weise überschritten.»

Der Frauenteamgründer bezieht sich dabei auf eine Vorstandssitzung vom März 2018, die fast ein Jahr vor Dietschweilers Amtsantritt stattfand. In dieser Sitzung seien die Kompetenzen des Frauenbetreuerstabs definiert und protokolliert worden. «Wir bewegten uns stets innerhalb dieser Kompetenzen.» Wenn Dietschweiler die Spielregeln ändere, müsse er dies ihm mitteilen, so Herzog.

Zwei sofortige Rücktritte im Vorstand

Dietschweiler informierte schliesslich an der Hauptversammlung vom Freitag darüber, dass Vizepräsident Marco Fiorina und Aktuar Peter Wittwer per sofort zurücktreten. Bei Wittwer waren gesundheitlich Gründe ausschlaggebend. «Er hatte einen Nervenzusammenbruch aufgrund des Shitstorms auf Social Media, der nach den Presseberichten in den vergangenen Tagen und Wochen entstand», sagte Dietschweiler.

«Fiorina kehrt dem EC Wil den Rücken, weil seiner Meinung nach gegen Vorstandsmitglieder auf Social Media verbal ausgeteilt worden sei und in der Presse Dinge verdreht worden seien», so der Präsident weiter.

Damit besteht der Vorstand aktuell nur aus vier Personen: Roger Dietschweiler (Präsident), Daniel Knecht (Marketingchef), Gabriela Hasler (Finanzchefin) und Jürg Müller (Nachwuchsverantwortlicher). Dietschweiler will die zwei Abgänge so schnell wie möglich ersetzen. An der Versammlung meldete sich auf Nachfrage vorerst niemand.

Der aktuelle Vorstand (von links): Jürg Müller, Gabriela Hasler, Daniel Knecht und Roger Dietschweiler.

Der aktuelle Vorstand (von links): Jürg Müller, Gabriela Hasler, Daniel Knecht und Roger Dietschweiler.

Décharge noch nicht erteilt

Vor der grossen Diskussion ums Frauenteam sorgte auch die Rechnung 2018 für viel Gesprächsstoff. Wiederum war es Herzog, welcher das Ganze auslöste. Er wollte wissen, weshalb der Materialaufwand mit rund 424'000 Franken veranschlagt wurde – beziehungsweise, was in diesem Posten alles enthalten sei.

Restlos erklären konnte dies der Vorstand nicht. «Aus unserer Akteneinsicht ist dies nicht möglich», so seine Antwort. Und damit auch nicht, weshalb der Aufwand insgesamt um rund 50'000 Franken über dem Budget liege. Nur alleine an den Zahlungen an den Verband für Ausbildungsentschädigungen könne das nicht liegen, sagte Christian Herzog, Ehrenmitglied und Bruder von Rolf und Marcel Herzog. Diesbezüglich sei lediglich ein Defizit von 4000 Franken entstanden.

Jahresrechnung wird extern überprüft

Dietschweiler machte deshalb den Vorschlag, dies extern zu überprüfen. Er sprach sich für eine Rechnungsprüfung der vergangenen drei Jahre aus. Die Hauptversammlung einigte sich nach einem weiteren Votum schliesslich auf nur ein Jahr.

Ein Mitglied forderte schliesslich eine ausserordentliche Hauptversammlung, an der über die überprüfte Rechnung befunden werden solle. Dies erhielt Zustimmung. An dieser wird dann auch über das Budget abgestimmt. Momentan ist bezüglich Frauenteam noch eine Null budgetiert. Das müsse man natürlich korrigieren, meinte Dietschweiler.

Verein soll kein Darlehen erhalten haben

Wann die ausserordentliche Hauptversammlung stattfindet, ist noch unklar. Aufgrund der bevorstehenden Rechnungsprüfung und weil die Versammlungseinladung drei Wochen im Voraus verschickt werden muss, geht der Vorstand von einem Termin frühestens im August aus.

Weiter wollte Herzog vom Vorstand wissen, ob der Verein ein Darlehen erhalten habe. Dazu Dietschweiler: «Unseres Wissens nicht.»

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