Sexting, Cybermobbing und Ballerspiele: Wie Wiler Sekschüler mit den Risiken digitaler Medien umgehen

In einem Workshop des Kinderschutzzentrums St. Gallen lernten Jugendliche der Oberstufe Sonnenhof die Risiken im Umgang mit sozialen Medien und Co. kennen.

Gianni Amstutz
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«Digital Natives» kennen sich zwar mit der Nutzung, aber weniger mit den Gefahren von Social-Media-Plattformen aus.

«Digital Natives» kennen sich zwar mit der Nutzung, aber weniger mit den Gefahren von Social-Media-Plattformen aus.

Bild: PD

Für die meisten Kinder und Jugendlichen gehört heutzutage spätestens im Sekundarschulalter ein Smartphone dazu. Diese bieten zwar fast grenzenlose Möglichkeiten, sie gehen aber auch mit gewissen Risiken einher.

Auch Erwachsene sind nicht gefeit vor diesen Gefahren, die im Netz lauern, doch Kinder und Jugendliche sind eine besonders gefährdete Gruppe. Umso wichtiger ist es, ihre Fähigkeit im Umgang mit dem Internet möglichst früh zu schärfen und eine Auseinandersetzung mit dessen Risiken zu ermöglichen.

Zu diesem Zweck führt das Kinderschutzzentrum St. Gallen Workshops an Schulen im Kanton durch. Kürzlich fand ein solcher unter der Leitung von Anna Mähr, Fachmitarbeiterin Weiterbildung und Prävention, in der ersten Klasse der Oberstufe Sonnenhof in Wil von Beat Gächter statt.

Intuitiv im Umgang mit digitalen Medien

Auch hier zeigte sich: Den sogenannten Digital Natives, Personen also, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind, macht kaum jemand was vor, wenn es um die Anwendung von Apps und Co. geht.

Egal ob Streamingdienste, Games oder soziale Medien: Die Schüler gehen intuitiv mit den Möglichkeiten um, die ihnen das Internet bietet. Auch den Risiken sind sie sich bewusst, wie die Übung zeigte, bei denen sie zu Fallbeispielen Lösungen präsentieren mussten.

Dass man Nacktbilder von sich auch nicht der Freundin oder dem Freund schicken sollte – und das auch nicht über Apps wie Snapchat, welche die gesendeten Nachrichten nach einmaligem Anschauen wieder löschen – schien den Jugendlichen klar zu sein.

Ebenso herrschte Einigkeit, dass man Personen, die man nur über Social Media kennt, keine vertraulichen Daten geben und diese nur mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen treffen sollte.

Viele schon mit Risiken in Kontakt gekommen

Es waren aber auch Ansätze von zumindest potenziell problematischen Medienerfahrungen erkennbar. So kamen bereits viele der Schüler in Kontakt mit Gewaltdarstellungen in Filmen und Games. Das ist wenig überraschend. Eine Studie zum Onlineverhalten von Schweizer Jugendlichen zeigt, dass rund 88 Prozent der 13- bis 14-Jährigen mit Risikofaktoren im Internet in Kontakt kommen.

Diese Risiken reichen von Diskriminierung über den Kontakt mit Fremden bis hin zu Cybermobbing. Auch pornografische Inhalte sind für manche der 13- bis 14-Jährigen Teil ihres Medienkonsums – teils ungewollt, teils beabsichtigt.

Pornos als Informationsquelle ungeeignet

Anna Mähr, Fachmitarbeiterin Weiterbildung und Prävention des Kinderschutzzentrums St. Gallen.

Anna Mähr, Fachmitarbeiterin Weiterbildung und Prävention des Kinderschutzzentrums St. Gallen.

Bild: gia

Die Referentin versuchte in ihrem Workshop auf die Lebensrealität der Jugendlichen einzugehen und betonte, wie wichtig es ist, zwischen den Darstellungen in den Filmen und der eigenen Sexualität zu unterscheiden. Dies sei besonders wichtig, da gemäss Studien mehr als die Hälfte aller Jungs und zehn Prozent der Mädchen Pornos als wichtige Informationsquelle zum Thema Sexualität betrachten. Das könne zu einem verzerrten Bild von Sexualität und Geschlechterrollen, aber auch unnötigem Druck führen.

Anna Mähr zeigte auf, dass es bei der Nutzung digitaler Medien – im Rahmen, den das Gesetz vorgibt – schwierig ist, eine klare Trennlinie zwischen richtig und falsch zu ziehen. Sich auf sozialen Netzwerken zu inszenieren und viel Aufmerksamkeit zu wollen, ist beispielsweise völlig normal, für viele «Likes» seine Integrität aufs Spiel zu setzen, hingegen problematisch.

Auch Gamen sei grundsätzlich unproblematisch, solange die Inhalte der Spiele für das Alter der Jugendlichen angebracht seien. Ebenso könne es harmlos sein, wenn die Bildschirmzeit kurzzeitig in die Höhe schnellt. Sorgen mache sie sich, wenn Jugendliche in diesem Alter regelmässig mehr als 20 Stunden pro Woche digitale Medien konsumieren, da dabei der Schlaf, die Schule, Freunde und Hobbys bestimmt zu kurz kommen.

Schwierig, Gelerntes praktisch umzusetzen

Vieles von dem, worauf man bei der Nutzung des Internets Acht geben muss, das wussten die Schüler einzuordnen. Bisweilen wirkte es aber so, als versuchten sie, möglichst die Musterantwort über das angebrachte Verhalten zu geben. Dies in der Realität umzusetzen, dürfte manchen schwieriger fallen, als die richtige Antwort in der Theorie zu kennen.

Das weiss auch Anna Mähr:

«Die Auseinandersetzung mit dem Thema kann aber dabei helfen, dass Jugendliche richtig handeln, wenn sie in eine kritische Situation kommen.

Zudem sinke die Schwelle, sich Hilfe von Erwachsenen zu holen.»

Oft braucht es aber nicht viel, bis jemand in die Fallen des Internets tappt. Das zeigten auch Fallbeispiele, von denen Anna Mähr aus ihrer Arbeit im Kinderschutzzentrum berichtete. Ein unbedacht versendetes Bild kann später ernste Probleme auslösen, das private wie auch das berufliche Leben negativ beeinflussen.

Mähr zeigte auf, dass man im Internet nicht nur schnell zum Opfer werden kann, sondern auch zum Täter. Denn wer sich an Cybermobbing beteiligt, anderen unter 16-Jährigen Pornos zeigt oder verschickt, der macht sich strafbar.

Alle Beteiligten sensibilisieren

Ein Präventionsworkshop reicht natürlich nicht aus, um allen Risiken des Internets vorzubeugen. Deshalb bindet das Kinderschutzzentrum St. Gallen nicht nur die Schülerinnen und Schüler ein, sondern schult auch die Lehrpersonen und Eltern.

Für alle Beteiligten sei Medienerziehung eine grosse Herausforderung, sagt Mähr. Sie seien froh um den Austausch untereinander und mit Fachpersonen. Vielen helfe es, zu wissen, dass es in der Medienerziehung viel mehr um Beziehungsarbeit und Interesse an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen geht, als um technisches Know-how.

«Wenn sich Eltern, Lehrpersonen und Jugendliche aber alle mit der Thematik auseinandersetzen, können die Risiken der digitalen Medien minimiert werden.»