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Sexistische Meteorologen

Seitenblick
Gianni Amstutz

Sind Meteorologen alles Sexisten? Diese Frage stellt sich einem zwangsweise, wenn man die Namen der Stürme betrachtet, die über die Schweiz hinweggefegt sind. Auf Burglind (ja, das ist tatsächlich ein Frauenname) folgten mit Evi und Friedericke zwei weitere Winterstürme mit weiblichen Namen. Sie alle brachten Zerstörung. Zwar in unterschiedlichem Ausmass, und doch dürften die Namen bei vielen Menschen nicht in guter Erinnerung bleiben.

Unfair, ja gar diskriminierend, könnte man meinen, bringen doch Hochdruckgebiete häufig gutes Wetter, wohingegen Tiefdruckgebiete meist mit schlechten Wetterverhältnissen einhergehen. Wer jetzt aber denkt, hinter dieser Namensgebung verberge sich ein, mit der Frauenwelt auf Kriegsfuss stehender, misogyner Meteorologe, liegt falsch. In diesem Jahr haben tatsächlich alle Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen. Das liegt jedoch nur daran, dass es sich 2018 um eine gerade Jahreszahl handelt. In solchen Jahren erhalten Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen, Hochdruckgebiete hingegen werden nach Männern benannt.

Das geht auf einen Entschluss des Meteorologischen Instituts der Freien Universität Berlin zurück, welches für die Namensgebung verantwortlich ist. Es führte einen jährlichen Wechsel zwischen den Geschlechtern von Hoch- beziehungsweise Tiefdruckgebieten ein. Dabei können die Namen der Wetterlage seit einigen Jahren im Sinn einer Patenschaft gekauft werden.

Es zeigt sich: Nicht etwa verlassene Männer, die den Namen ihrer Ex-Freundin in den Dreck ziehen wollen, zeichnen für die Namensgebung verantwortlich. Oft, wie beispielsweise bei Burglind, Evi oder Friedericke, sind es tatsächlich Frauen mit solchen Namen, die ein Tiefdruckgebiet nach sich selbst benennen. Selbstliebe sieht wahrlich anders aus. Vereinzelt findet sich auf der Liste der Paten aber doch ein Männername. Christopher etwa lässt eine Schlechtwetterphase nach Ursula benennen, Benny widmet Julia einen Sturm. Ob aus Groll über eine verlorene Liebe oder um, im wahrsten Sinne des Wortes, «frischen Wind» in die Beziehung zu bringen, bleibt jedoch offen.

Gianni Amstutz

gianni.amstutz@wilerzeitung.ch

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