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Serviceclubs finden trotz zeitintensivem Engagement Mitglieder

Rotary, Kiwanis, Lions – das sind Serviceclubs, die trotz zeitintensiver Mitgliedschaft, Zuspruch finden. Lucrezia Meier-Schatz, eine der wenigen Frauen, die einen Club präsidiert, weiss weshalb.
Zita Meienhofer
Soziales Engagement: Der Rotary Club Neckertal gestaltete die Grillplätze des Baumwipfelpfades. (Bild: PD)

Soziales Engagement: Der Rotary Club Neckertal gestaltete die Grillplätze des Baumwipfelpfades. (Bild: PD)

Lucrezia Meier-Schatz präsidiert dieses Jahr den Rotary Club Neckertal. Einer der Rotary Clubs, der zu Beginn der 2000er-Jahre auch für Frauen zugänglich wurde. Eine Aufnahmeprüfung oder ein Eintrittsgeld muss nicht bezahlt werden. Wer Mitglied eines Rotary Clubs ist, der wurde von einem anderen Mitglied – einem Götti, einer Gotte – empfohlen.

So erging es auch Lucrezia Meier-Schatz im Jahr 2008. Während sie wegen ihrer politischen Tätigkeit bis Ende 2015 wenig Zeit fand, um dem Clubleben intensiv nachzukommen, tut sie dies seit dato umso mehr. Sie nimmt an den wöchentlichen Meetings teil, engagiert sich für die freiwilligen Projekte, nimmt ihre Pflichten als Präsidentin wahr und fühlt sich dabei – vielleicht – in ihre frühesten Jugendjahre zurückversetzt. Damals, als sie als Pfaderfinderin ehrenamtliche Arbeit leistete, freiwillig der Gesellschaft einen Beitrag erwies und viel Spannendes und Wertvolles erlebte.

«Die spannenden Erlebnisse» sind es auch, die Lucrezia Meier-Schatz motivierten, Mitglied eines Serviceclubs zu sein. Ebenso schätzt sie, dass weder Beruf, Politik noch die Person selber im Vordergrund stehen. «Es geht immer um das soziale Engagement», so Lucrezia Meier-Schatz. Sie verneint aber auch nicht, dass Mitglieder durch das gegenseitige Vernetzen, durch die Vielfalt der Berufe profitieren können. Politisch sei sie jedoch nie aktiv geworden bei den Rotariern, so die ehemalige Nationalrätin, ein Serviceclub sei kein Club für Seilschaften.

Den elitären Charakter, der an diesen Clubs hängt, bezeichnet sie als überholt. Sie fügt an: «Das war einmal, als die Mitglieder vom wöchentlichen Meeting am Mittag erst am Abend zurückkehrten, heute sind die beruflichen Herausforderungen andere und die Meetings dauern bis maximal zwei Stunden, also nicht mehr als eine leicht verlängerte Lunchpause.» Die Mitgliedschaft ist für sie heute viel mehr ein Signal der Bereitschaft zum gesellschaftlichen Engagement und somit auch offen für alle Menschen.

Zusammenhalt durch gemeinsames Engagement

Über Zuwachs kann sich der Rotary Club Neckertal nicht beklagen. «Im Gegenteil», sagt die Präsidentin, «wir konnten kürzlich vier neue Mitglieder begrüssen.» Das waren eine Frau und drei Männer zwischen 40 und 50 Jahren. Sie wurden empfohlen, passen zu den weiteren Rotary-Mitgliedern. Der Rotary Neckertal, der 1992 gegründet wurde, zählt nun 39 Aktivmitglieder. «Eine ideale Grösse», findet Lucrezia Meier-Schatz. Dass von diesen 39 Mitglieder momentan nur fünf Frauen sind, bedauert sie zwar, aber sie weiss, dass Frauen durch ihr vielfältiges Engagement in Familie und Beruf andere Akzente setzen oder sich in Frauennetzwerken wie Lyzeum oder BPW Club (Business and Professional Women) engagieren. Die Rotarier im Neckertal zahlen pro Jahr 500 Franken. Ein Grossteil dieses Betrags sowie der Erlös aus weiteren Aktionen kommt den verschiedenen Projekten, die der Rotary Club Neckertal unterstützt, zugute. Das sind Projekte in Bulgarien, Indien, in der Ukraine, aber auch regionale wie «der Stein des Anstosses», welcher junge Personen mit guten Leistungen im kulturellen oder sportlichen Bereich auszeichnet oder wie das Gestalten der Grillplätze im Baumwipfelpfad in Mogelsberg.

Wiler Lions Club möchte Frauen an Bord holen

Etwas tun für die Allgemeinheit, der Gesellschaft etwas zurückgeben: dieses Motiv teilen viele Mitglieder der Serviceclubs. Die bekanntesten drei, Rotary, Lions und Kiwanis, zählen zusammen rund 30000 Mitglieder in der Schweiz. Gemäss der «Neuen Zürcher Zeitung» ist die Anzahl Mitglieder der Clubs in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen. Beispielsweise wurden 1997 schweizweit rund 200 Lions Clubs gezählt, 2016 waren schon etwa 280.

Von einem konstanten Wachstum spricht auch Marcel Bucher, bis vor wenigen Tagen Präsident des Lions Clubs Gossau-Fürstenland. Wie bei den Rotariern werden die Neuen von Clubmitgliedern empfohlen und die Versammlung muss letztlich diese Empfehlung gutheissen. Pro Jahr seien es etwa ein bis zwei neue Mitglieder, die in den Lions Club Gossau-Fürstenland aufgenommen werden. Ihm gehören rund 40 – ausschliesslich – Männer an. Die Frauenfrage wurde intern diskutiert, es bleibt jedoch vorerst beim reinen Männerclub. Marcel Bucher weist darauf hin, dass viele Anlässe mit den Frauen der Mitglieder stattfinden.

Es war das Kollegiale, das interessante Beziehungsnetz, die Pflege der guten Freundschaften, die Bucher vor acht Jahren zu einer Mitgliedschaft motivierte. Auch der Lions Club Gossau-Fürstenland ist für sozial Benachteiligte tätig. Da ist die «Dreamnight at the Zoo»: Für einen Abend öffnet der Walter Zoo die Türen exklusiv für Kinder und Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen und deren Familien. Die Mitglieder des Lions Clubs helfen an diesem Abend aktiv mit, damit die jeweils über 1000 Gäste das Showprogramm und das Drumherum geniessen und sich wohlfühlen können. Da ist der Fonduestadel. Der Erlös des unter anderem vom Lions Club organisiert und durchgeführt Anlasses kommt lokalen Hilfsprojekten zugute.

Eine Verjüngung der Mitglieder strebt der Lions Club Wil an, wie Präsident Jean-Pierre Emery erklärt. Der ebenfalls reine Männerclub, der etwa 40 Mitglieder zählt, möchte zudem die «Frauen an Bord» holen. Das sei jedoch nicht ganz einfach, so Emery, erst müsse eine Frau gefunden werden, die das Eis breche. Emery, der seit sieben Jahren dem Serviceclub angehört, schätzt die Vielfalt der Clubmitglieder, die interessanten Gespräche, die sich ergeben. Dies, die Pflege des Netzwerks und der Freundschaften bewog ihn, dem Lions Club beizutreten.

Einen gemischten Club im Hinterthurgau

47 Mitglieder gehören dem Kiwanis Club Wil an. «Wir wollen nicht übermässig wachsen. Ein moderates Wachstum ist allerdings erwünscht, um Abgänge ausgleichen zu können. In diesem Jahr durften wir bereits zwei neue Kiwanis-Freunde aufnehmen», erklärt Marco Ellena, Präsident des Clubs, der vor zehn Jahren zum Kiwaner wurde. Zum Wiler Club gehören nur Männer. Da ein stabiler Mitgliederbestand erwünscht sei, werden nur wenige Neumitglieder aufgenommen, so Ellena. «Um einen bestehenden Club neu durchmischen zu können, sodass sich auch Frauen wohlfühlen, bedarf es einer gleichzeitigen Aufnahme von mindestens fünf Frauen. Somit wird der Kiwanis Club Wil auch in den nächsten Jahren ohne Frauen auskommen müssen.» Gemäss Ellena ist geplant, einen gemischten Kiwanis Club Hinterthurgau zu gründen, bei dem die Wiler Paten sein werden.

Ellenas Motivation, ein Kiwaner zu werden, war die Kombination von sozialem Engagement, Freundschaften und Networking. Ein Mitglied kann wohl vom Netzwerk profitieren, sollte allerdings den zeitlichen Aufwand nicht vergessen. Im Kiwanis Club Wil wird jede zweite Woche ein obligatorisches Meeting mit Referat oder einer Vorstellung organisiert. «Diese Anlässe sind Pflicht und eine genau definierte «Attendance» soll erfüllt werden. Zudem sind alternierend diverse Chargen zu besetzen».

Judith Krähenmann gehört wie Lucrezia Meier-Schatz zu den wenigen Frauen, die einen gemischten Serviceclub präsidieren. Sie wurde vor etwa sechs Jahren angefragt, dem Kiwanis Club Uzwil beizutreten. Diese Anfrage war für sie Motivation genug. «Zudem fehlten im Club die Frauen», erklärt sie. Heute sind die Hälfte der 35 Uzwiler Mitglieder Frauen. «Allerdings», so Judith Krähemann, stagniere die Anzahl Mitglieder. Neben Job und Familie fehle oft die Zeit für ein Engagement in seinem Serviceclub, weiss sie.

Was ist ein Serviceclub?

Ein Serviceclub – auch Gesellschafts oder Wohltätigkeitsclub – ist eine formal organisierte Gruppe von Menschen, die auf der Grundlage gemeinsamer Werte freundschaftliche Beziehungen innerhalb des Clubs pflegen und sich gleichzeitig gemeinsam für das Wohl Anderer einsetzen; dieser Einsatz bezieht sich auf humanitäre, soziale, medizinische, kulturelle oder Bildungszwecke. Serviceclubs sind weder religiös noch politisch gebunden; sie sind nationalitätenübergreifend und unterstreichen Wert und Bedeutung internationaler Freundschaft. Die bekanntesten und grössten weltweit sind: Lions Club (gegründet 1917, 1,43 Millionen Mitglieder), Rotary (gegründet 1905, 1,2 Millionen Mitglieder), Kiwanis (gegründet 1915, 550000 Mitglieder). (pd)

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