SENIOREN-WG: Wohngemeinschaft mit Betreuung

Mit ihrer neuen Wohngemeinschaft im Dorf erweitert die Stiftung Säntisblick in Degersheim ihr Angebot. Erstmals gründet sie eine WG, in der ausschliesslich ältere Menschen mit Beeinträchtigungen ein neues Zuhause finden und 24 Stunden betreut werden.

Michael Hug
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Strahlende Gesichter in der neuen WG: Leo Hasler und Kaspar Tarnutzer (Bewohner), Caroline Parpan (Leitung Dorfgruppen), Margrith Gobbo (Bewohnerin) und Sarah Ziegler (Gruppenleiterin). (Bild: Michael Hug)

Strahlende Gesichter in der neuen WG: Leo Hasler und Kaspar Tarnutzer (Bewohner), Caroline Parpan (Leitung Dorfgruppen), Margrith Gobbo (Bewohnerin) und Sarah Ziegler (Gruppenleiterin). (Bild: Michael Hug)

Michael Hug

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«WG Poststrasse» heisst das neue Domizil für drei ältere Bewohner der Stiftung Säntisblick. Da und dort fehlen noch Kleinigkeiten, muss noch ein Bild aufgehängt werden oder das Schuhgestell seinen Platz finden. Die drei «Neuen» in der WG strahlen, bald wird der Umzug vorbei sein, Ruhe einkehren am neuen Ort, und bald werden sie sich in ihre neue Umgebung eingewöhnt haben. Sie spüren es: Mit diesem Umzug beginnt für sie – die sich gegenseitig schon bestens kennen, aber bis dahin noch nicht in einer WG zusammengewohnt haben – ein neuer Lebensabschnitt.

Zwei Wohnungen zusammengelegt

Die neue Wohngemeinschaft ist im obersten Stockwerk des neuen Mehrfamilienhauses oberhalb des Degersheimer Bahnhofs eingezogen. Die Stiftung Säntisblick konnte schon in der Bauphase ihre Bedürfnisse umsetzen lassen. Jean-Luc Villing, Institutionsleiter, konkretisiert: «Wir haben mit wenigen Änderungen am Grundriss sechs Schlaf- und zwei Wohnzimmer erhalten. Dazu war eine Verbindungstüre nötig und die zweite Küche liessen wir weg.»

Die Doppelwohnung wird von fünf Bewohnern und einer Betreuungsperson belegt werden. Caroline Parpan, Mitglied der Institutionsleitung und Verantwortliche für die Wohngemeinschaften im Dorf: «Zurzeit haben sich drei Personen für diese Wohnform entschieden. Es kamen nur Personen in Betracht, die den Umzug auch wollten. Wir platzieren nicht nach unseren, sondern in erster Linie nach den Bedürfnissen unserer Bewohnerinnen und Bewohner.»

Verschiedene Bedürfnisse

Solche Entscheidungsprozesse brauchen Zeit, sagt Parpan. Für manche Bewohnerinnen oder Bewohner sei eine neue Wohnsituation eine grosse Herausforderung, die auch Angst machen kann. Manche würden sich an ihrem angestammten Ort wohlfühlen und sähen keinen Grund, umzuziehen. Kommt dazu, dass das im Konzept vorgesehene altersdurchmischte Wohnen meistens funktioniere: «Die Vorstellungen und Bedürfnisse von älteren und jungen Menschen sind manchmal verschieden.» Mit ­seinen Aussenwohngruppen im Dorf, alle unweit vom Zentrum und den beiden Werkstätten, wo die Bewohnerinnen und Bewohner arbeiten oder einer Beschäftigung nachgehen, bleibt die Leitung der Stiftung ihrer Philosophie treu, Caroline Parpan: «Das Leben in familiären WGs kommt dem Leben von uns Menschen ohne Beeinträchtigung sehr nahe. Jedes Mitglied der WG lernt hier, Verantwortung zum Wohl aller zu tragen. Das gibt ­ihnen Selbstbewusstsein und ist zudem auch ein Anliegen der UN-Behindertenrechtskonvention, die diesen Menschen ein Leben möglichst wie wir es führen zugesteht.»

Nachfrage besteht

Der UN-BRK hat sich auch die Schweiz verpflichtet. Das Stichwort darin heisst soziale Inklusion. Es bedeutet, dass jeder Mensch in seiner Individualität von der Gesellschaft akzeptiert wird und demzufolge die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an ihr teilzuhaben oder teilzunehmen. Mit ihren vier bestehenden Wohngemeinschaften im Dorf hat die Stiftung Säntisblick seit deren Bestehen sehr gute Erfahrungen gemacht. In den beiden Heimen Waldegg und Säntis­strasse wohnen diejenigen, die mehr Betreuung brauchen, sagt Parpan: «In den WGs sind die Selbstständigeren. Sie kochen und essen gemeinsam, reinigen die Wohnung selber und unternehmen manchmal etwas miteinander. Und sie gehen selbstständig an ihre Arbeit und kommen am Feierabend zurück.»

Betreuung auch während der Nacht

Ganz ohne Betreuung sind aber auch die WGs nicht, so Parpan weiter: «Mindestens eine Betreuungsperson ist tagsüber und bei Bedarf immer da.» In der neuen Wohngemeinschaft an der Poststrasse ist die Betreuungsperson auch während der Nachtstunden anwesend. Die zwei derzeit noch nicht belegten Plätze sollen in den nächsten Monaten besetzt werden. Das hat Konsequenzen für die beiden Wohnheime. ­Parpan: «Dort werden dadurch Plätze frei. Die Nachfrage dazu besteht jedoch, darum werden diese wohl bald auch wieder belegt sein.»

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