Sekundenkleber und kleine Seifenblasen

Mit einer Brille in der Hand betritt Clown Pic die Bühne. «Die einen sagen mir, ich soll endlich die Brille weglegen. Andere glauben, ich hätte eine Macke, weil ich die Brille immer in der Hand habe», erklärt er. Die Wahrheit liegt ganz anderswo: «Ich kann meine Brille nicht ablegen.

Ramona Cavelti
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Zwischen der Lesung präsentierte Clown Pic im «Rössli» Mogelsberg die schrillen Töne seines Sopranino-Saxophons. (Bild: Ramona Cavelti)

Zwischen der Lesung präsentierte Clown Pic im «Rössli» Mogelsberg die schrillen Töne seines Sopranino-Saxophons. (Bild: Ramona Cavelti)

Denn ich wollte den einen Bügel wieder ankleben – mit dem neuen Sekundenkleber.» Clown Pic ist erstaunt darüber, dass der Leim wirklich in Sekunden hält, schliesslich habe sein Chef auch ab und an gesagt, «eine Sekunde» – gewartet habe er dann aber meist eine Stunde.

Auftritt in Mogelsberg

An diesem Samstagabend meldet sich der Winter zurück, Mogelsberg liegt unter einer weissen Decke und es schneit unaufhörlich weiter. «Man könnte meinen, morgen sei Weihnachten», sagt eine Besucherin zu ihrem Mann. Sie sitzen im warmen Saal im Restaurant Rössli, in dem Clown Pic mit einer szenischen Lesung auftritt. Ihn freue es, dass die Besucher trotz des Schnees den Weg zu ihm gefunden haben, sagt er lächelnd und beginnt sogleich mit einem Erlebnis aus seiner Zeit mit dem Circus Roncalli.

Tänzerinnen im Thermalbad

So habe er einst vor der Premiere das Thermalbad besucht. Dabei sei ihm eine Gruppe junger Frauen in Bikinis aufgefallen – «der Stoff war extrem knapp». Plötzlich hätten die Mädchen in seine Richtung gewinkt. Ob die wohl ihn meinten? «Ich hab mich extra umgedreht, doch hinter mir stand nur eine Säule», erzählt Pic. Kurz darauf sei ihm klar geworden, dass dies die Tänzerinnen der neuen Balletteinlage sein müssen. Darauf hätten sie gemeinsam im Thermalbad geplaudert. «Und das Beste: Die Saison hatte gerade erst begonnen.»

Lustig und nachdenklich

Clown Pic erzählt Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten. Die Themen variieren stark: von Zahnschmerzen zu Kioskfrauen, die im Kiosk keine Toilette haben und so den ganzen Tag den Harndrang unterdrücken müssen, bis zu Scheidungen und Heimweh. Er arbeitet mit Gestik und Mimik und bringt das Publikum damit zum Lachen, regt aber auch zum Nachdenken an. Zwischendurch spielt er Saxophon, und natürlich darf auch dazu eine Geschichte nicht fehlen. Schliesslich handelt es sich um ein ganz spezielles Instrument: das Sopranino-Saxophon.

Schrille Töne

Das Sopranino-Saxophon stamme aus Paris, habe Baujahr 1943, erzählt Clown Pic. Bereits die beiden vorgängigen Besitzer des Instruments hätten damit gekämpft, denn es sei schwierig zu spielen – die Töne seien hoch und schrill. Auch er habe damit seine Mühe gehabt. «Jedes Jahr hoffe ich, das Sopranino-Saxophon in einen Theaterabend einbauen zu können. Bis heute ist es nie dazu gekommen», sagt Pic und nimmt das Instrument zur Hand. So präsentiert er dem Publikum die schrillen Töne, die «eigentlich für die Öffentlichkeit ungeeignet sind», wie er anmerkt. Kurz darauf dürfen auch die Besucher ihre Gesangskünste zum Besten geben und mit Clown Pic verschiedene Strophen dichten.

Winzige Seifenblasen

Zum Schluss der Lesung dürfen natürlich seine berühmten Seifenblasen – die kleinsten der Welt – nicht fehlen. Bereits in seiner ersten Theateraufführung habe er diese präsentiert. So lässt er auch in Mogelsberg winzige Seifenblasen durch die Luft schweben, bevor er das Radio auf seiner Bühne einschaltet, zur Musik winkt und von der Bühne verschwindet.