Seitenwechsel: Lehre mal anders

UZWIL. Im Rahmen eines Pilotprojekts tauschen zwei Lernende der Raiffeisenbank Regio Uzwil und des Hotel Uzwil während zwei Tagen ihren Arbeitsplatz. Wenn alles gut geht, soll der Blick hinter fremde Betriebskulissen ausgebaut werden.

Donat Beerli
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Die angehende Bankkauffrau Chiara Keil schlägt sich für einmal mit Gläsern herum. Servicefachangestellte Theresia Benz unterstützt sie. (Bild: bilderwerk)

Die angehende Bankkauffrau Chiara Keil schlägt sich für einmal mit Gläsern herum. Servicefachangestellte Theresia Benz unterstützt sie. (Bild: bilderwerk)

Der Tag beginnt für Theresia Benz ein wenig später. Normalerweise hat die Lernende im Hotel Uzwil um 9 Uhr bereits das Zmorgebuffet aufgetischt und wieder abgeräumt, Kaffee und Tee serviert, und die ersten Vorbereitungen für den Mittagstisch getroffen. Nicht heute. Stattdessen sitzt sie im adretten Bank-Outfit vor einem 30-Zoll-Bildschirm der Raiffeisenbank Regio Uzwil und lässt sich von der Lernenden Chiara Keil in das Bankenwesen einführen.

Getauschte Rollen

Im Rahmen des Projekts «Seitenwechsel» lernt Theresia Benz während zwei Tagen die Arbeit der angehenden Bankkauffrau Chiara Keil kennen. Davor war umgekehrtes Programm: Chiara Keil wurde im Hotel Uzwil von der lernenden Restaurationsfachfrau in ihre Tätigkeiten eingeführt. «Es war sehr spannend», sagt die 18jährige Niederhelfenschwilerin über die Erfahrungen, die sie gesammelt hat. «Neun Stunden auf den Beinen zu stehen, ist aber schon nicht ganz ohne.» Von Anfang an habe sie mit anpacken können, sagt Chiara Keil: Gäste bedienen, Teller in die Küche bringen, Buffet auftischen. «Man hat mich ins kalte Wasser geworfen.»

Vom Service an den Schalter

Auch Theresia Benz gefällt die neue Idee. Der Tag ist noch jung, aber bereits jetzt weiss sie, was sie hier mag: «Endlich kann ich meine Haare offen tragen», sagt die Oberbürerin lachend. Im Verlauf des Tages soll sie in die Arbeit am Schalter eingeführt werden, und am zweiten Tag wird sie bereits selber Bankkunden bedienen. «Eine solche Möglichkeit bekommt man normalerweise nicht», sagt sie. Das sei einmalig. «Wenn man irgendwo schnuppern will, muss man sich ja immer zuerst bewerben.»

Das Projekt ist Teil des Lernendenkonzepts der Raiffeisenbank Uzwil und wird zum ersten Mal durchgeführt. «Es ist ein Probelauf», sagt Aldo Kopp, Vorsitzender der Bankleitung. Wenn alles gut gehe, wolle man in Zukunft mehr Zeit für den Austausch einplanen.

Die Raiffeisenbank wolle den Lernenden die Möglichkeit geben, über das eigene Berufsbild hinwegzuschauen und etwas auszuprobieren, das für sie nicht alltäglich ist. Die Aussicht, während der Lehre eine solche nichtalltägliche Erfahrung machen zu können, soll vor allem auch angehende Lernende anziehen. Man wolle nun mal die am besten geeigneten Lernenden, und ein solches Angebot trage sicher nochmals zur Attraktivität einer Lehrstelle bei der Raiffeisenbank Regio Uzwil bei, erklärt Kopp.

Auf der Suche nach einem passenden Partnerbetrieb hat die Raiffeisenbank das Hotel Uzwil angefragt. «Für uns war wichtig, dass der andere Betrieb nicht zu nahe an unserem Beruf ist», sagt Marketingleiterin Sabine Willi, die für den Austausch verantwortlich ist. Auch beim Hotel Uzwil ist man vom Konzept überzeugt. «Wir werden das Ganze definitiv weiterführen», sagt René Meier, Director Food & Beverage.

Gelerntes anwenden

Unterschiede und Gemeinsamkeiten hat auch Chiara Keil in den zwei Tagen im Hotel Uzwil ausgemacht. Der Kundenkontakt sei in beiden Berufen da, aber er finde auf andere Art statt. Sie habe diesen lockerer gefunden, sagt die lernende Bankkauffrau und hofft, dass sie davon auch in Zukunft profitieren kann. «Ich denke, diese Lockerheit kann auch im Kontakt mit Bankkunden von Vorteil sein.»

Chiara Keil zeigt Theresia Benz in der Bank die Arbeit am Computer. (Bild: Donat Beerli)

Chiara Keil zeigt Theresia Benz in der Bank die Arbeit am Computer. (Bild: Donat Beerli)

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