Kolumne

Seitenblick: Was feiern wir eigentlich?

Der 1. August wird erst zum 129. Mal gefeiert, obwohl 1291 schon 729 Jahre her ist. Kein Grund für getrübte Festfreude. Das ist auch das Coronavirus nicht, es verlagert das Fest bloss.

Hans Suter
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Hans Suter

Hans Suter

Bild: PD

Am Samstag ist 1. August. Zum 729. Mal seit 1291. Die Jahreszahl 1291 ist fest im Gedächtnis der meisten Schweizerinnen und Schweizer verankert. Viele wissen sogar recht genau, was sie der Sage nach zu bedeuten hat. «Männer aus den drei Kantonen Uri, Schwyz und Nidwalden besiegelten ‹am Anfang des Monats August 1291› einen ewigen Bund, in dem sie sich gegenseitige Hilfe und Unterstützung gelobten.»

Das Bündnis war vor allem gegen die Habsburger gerichtet, die zu jener Zeit ihren Einfluss auf die Gebiete am Zugang zum Gotthard zu verstärken suchten. So zumindest wird das den Interessierten auf der Plattform von Schweiz Tourismus erklärt.

Am 129. Fest wird der 729. Geburtstag gefeiert

Allerdings feiern wir diesen Geburtstag nicht zum 729. Mal, sondern erst das 129. Mal. Dies, weil dieser Tag erstmals am 1. August 1891, also 600 Jahre nach dem berühmten Rütlischwur, gefeiert wurde. Seit 1899 wird er in der gesamten Schweiz jährlich wiederholt. Aber erst seit 1993 ist er ein gesetzlicher Feiertag. Zuvor konnten die Kantone machen, was sie wollten: arbeiten, feiern oder beides je zur Hälfte.

Und was ist daraus geworden? In der Region Fürstenland-Toggenburg finden landauf landab Bundesfeiern statt, kleinere und grössere, meist organisiert von Behörden oder Vereinen. Es gibt Musik, Bratwürste und Cervelats, Bier und Wein, Lampions, Feuerwerk – und einen 1.-August-Funken, der seinen Ursprung im Höhenfeuer hat, das in alter Zeit dem Alarmieren diente, wohl aber aus dem 14. und nicht wie der Rütlischwur aus dem 13. Jahrhundert stammt.

Für einmal ist nichts so wie sonst

Dieses Jahr ist alles anders. Wegen der Coronapandemie könnte die Schweizer Geburtstagsfeier retrospektiv ein vorgezogenes Leidmahl gewesen sein, weshalb an vielen Orten vorsichtshalber darauf verzichtet wird. Stattdessen lebt die Gartenidylle auf.

Zuvor aber geht es noch zu den Habsburgern nach Bregenz und den Germanen nach Konstanz zum Einkaufen. Die haben am 1. August nichts und nach dem 750-Milliarden- Euro-Rettungspaket der EU auch sonst nicht mehr viel zu feiern und halten die Läden offen. Zurück in der Eidgenossenschaft, wird nach Kräften gegessen, getrunken und gefeuerwerkt, bis dem Nachbarn die Pferde durchbrennen. Am 1. August wird eben heute noch Geschichte geschrieben.

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