Seitenblick: Virtuelles Anstehen ohne Erfolg

Redaktorin Andrea Häusler wollte ihre Lebensmittel online bestellen. Und scheiterte an fehlenden Transportkapazitäten.

Andrea Häusler
Merken
Drucken
Teilen
Andrea Häusler, Redaktorin.

Andrea Häusler, Redaktorin.

Bild: PD

Online-Shopping, über Jahre als Jobkiller und Totengräber der stationären Läden gescholten, ist binnen weniger Wochen zum Rettungsring jener geworden, die zum Schutz vor Coronaviren zu Hause bleiben sollen: ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen.

Internetaffinität hin oder her – ein Hexenwerk ist der Lebensmitteleinkauf in den virtuellen Läden der orangenen Riesen tatsächlich nicht. Zumindest nicht technisch.

Keine freie Liefertermine

Der Selbstversuch bei der Migros-Tochter LeShop macht es anschaulich: Registrieren, Artikel in den Warenkorb legen, Lieferservice anklicken und das Lieferdatum wählen. 99 Franken beträgt der Mindestbestellwert. Also: Ein Zopf fürs Wochenende, Milch für einige Wochen, Kaffee, ein Netz Orangen, Waschpulver, natürlich Toilettenpapier und Grillfleisch für die familieninterne Grillparty zu Ostern.

Dass es für den Sonntagszopf nicht mehr reicht, wird beim Bezahlvorgang klar: kein freier Liefertermin. Verständlich, die Shops werden derzeit halt buchstäblich überrannt.

Auch an Ostern kein freies Fenster

Der virtuelle Einkaufskorb wandert also weiter. Die Wahl fällt auf den 9. April – der Ostern wegen. Doch auch hier heisst es: «Ausgebucht.» Vielleicht klappts ja am 19. April, an dem Tag, an dem der Bundesrat möglicherweise die verschärften Coronamassnahmen lockert. Ein Klick, ein Hinweis, ein Déjà-vu – «Ausgebucht». Am 23. April endet die Skala der Lieferdaten. Ein letzter Versuch:

«Ausgebucht.»

Die Hamsterkäufer hatte man belächelt, sich darauf verlassen, dass die Lager voll und genügend Lebensmittel vorhanden sind. Dabei aber ausser acht gelassen, dass niemand versprochen hatte, dass diese auch jederzeit jenen zugänglich sind, die sich an den selbstverordneten Hausarrest halten.

Ware vorhanden, Transport ausgebucht

Die Ware ist tatsächlich vorhanden, nur transportiert sie keiner. Ein Problem, mit dem nicht nur LeShop, sondern auch Coop@home kämpft. Man kann sich fragen, weshalb es die grössten der Branche über Wochen nicht schaffen, ihre Logistik anzupassen oder sein Glück proaktiv in einem kleineren Shop versuchen.

Ohnehin lohnt es sich aber, die Erfahrung mit in die coronafreie Zukunft zu nehmen und sich dann zu erinnern, wenn einer dieser (ach so nervigen) Last- oder Lieferwagen den Strassenverkehr behindert.