Kolumne

Seitenblick: Unterstützung von der «First Lady» – was beim Wahlkampf in Amerika besser läuft als in unseren Gemeinden

Die Wahlen stehen vor der Tür, doch von Wahlkampf ist in viele St.Galler Gemeinden wenig zu spüren.

Sabine Camedda
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Sabine Camedda

Sabine Camedda

Bild: Urs Jaudas

In zwei Wochen wird in den St.Galler Gemeinden gewählt. Sie wissen das natürlich, denn Sie lesen ja auch unsere Zeitung und sind darum informiert. Aber wissen es die anderen?

Sie haben zwar die Wahlunterlagen zugeschickt erhalten. Aber viele von ihnen werden den Umschlag mit einem gemurmelten «Hat ja noch Zeit» auf einen Papierstapel gelegt haben. Und vergessen.

Auf dem Land sind keine Köpfe an den Strassenrändern zu sehen

Einen Wahlkampf entlang der Strassen scheint es aber kaum zu geben. In den Städten und in grösseren Orten lächeln einem zwar Herr und Frau Kandidatin an. Aber auf dem Land? Nichts. Die anstehenden Abstimmungen sind wohl weit wichtiger. Schade eigentlich. Denn mich interessiert schon, wer in den nächsten vier Jahren die Zügel meiner Wohngemeinde in den Händen hält.

Da blicke ich schon fast neidisch nach Amerika. Das «Land der unbeschränkten Möglichkeiten» hat auch keine Grenzen, was den Wahlkampf betrifft. Die Parteien führen tagelange Konferenzen durch. Prominente treten auf und legen breit und sehr emotional dar, warum es Herr Trump respektive Herr Biden richten soll. Oder warum der eine oder andere absolut nicht gewählt werden soll. Sogar die First Lady tritt ans Rednerpult und lobt ihren Mann in den höchsten Tönen.

First Lady bei den Kommunalwahlen

Warum gibt es das in unseren Gemeinden nicht? Warum treten die Partnerinnen und Partner unserer Gemeindepräsidenten nicht an die Öffentlichkeit und versichern dem Stimmvolk, wie ernst der Amtsträger seinen Job nimmt. Natürlich dürfte, wie beim Auftritt von Melania Trump, der Glamour nicht fehlen. Ein dezentes Kleid, hochhackige Schuhe und ein perfektes Make-up müssten die Damen schon haben. Den Männern würde ich eine sportlich-legere Kleidung zugestehen. Ein dunkler Anzug scheint mir übertrieben und ein Edelweisshemd muss es nun wirklich nicht sein. Garantiert würde so der Inhalt der Rede zur Nebensache verkommen.

In einer Sache bin ich aber froh über unsere gute alte Schweizer Demokratie, die nicht so funktioniert wie die Demokratie in Belarus. Gewählt ist derjenige, der am meisten Stimmen erhalten hat. Dies jedenfalls ist meine Hoffnung.