Kolumne

Seitenblick: Tunnelblick im Toggenburg

Nun, da Bütschwil umfahren werden kann, sehen Reisende ins Obertoggenburg vor allem eines: Tunnels.

Ruben Schönenberger
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Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Bild: Ralph Ribi

Seit Donnerstagabend können Autofahrerinnen und Autofahrer das Bütschwiler Dorfzentrum umfahren.

Endlich kein Wettrennen mehr zur zweiten Barriere, nachdem beim ersten Bahnübergang am Dorfeingang der Zug schon für eine Zwangspause gesorgt hatte. Endlich keine waghalsigen Manöver von entnervten Mosnangern mehr, die von Dietfurt herkommend bei der «Sonne» endlich abbiegen möchten. Endlich keine um die scharfen Kurven in Dietfurt zirkelnden Lastwagen mehr.

Ein einsames Highlight

Umfahrungen haben aber eine Kehrseite. Dabei geht es nicht darum, dass sie zwar den Verkehr verlagern, oft aber auch neuen generieren. Vielmehr ist gemeint: Wer von Wil ins Toggenburg fährt, sieht vor Wattwil kaum etwas von diesem. Nach dem Stelz fährt man am ZAB vorbei in ein Tunnel, durch eine Senke, in ein weiteres Tunnel und kommt dann beim Bräägg wieder raus.

Nach Lütisburg-­Station fährt man links weg in ein Tunnel, am Bahnhof vorbei, in ein weiteres Tunnel und wechselt nach Dietfurt gleich auf die nächste Umfahrung, wo man wieder von Tunnel zu Tunnel fährt. Das einsame Highlight der neuen Alle-Dörfer-Umfahrungsstrecke: die Lütisburger Holzbrücke.

Demnächst ein zweites Highlight

Wenn dereinst die zweite Etappe der Umfahrung Wattwil auch fertig ist, sieht man zwar bis Nesslau kaum was vom Toggenburg, hat dafür mit der Brücke über die Bahngleise am Wattwiler Dorfausgang immerhin ein zweites Highlight. «Über diese Brücke müsst du gehen, um das Toggenburg dann doch mal noch zu sehen», würde Peter Maffay trällern.

Wer von Wil über den Ricken fährt, sieht grad gar nichts vom Toggenburg. Nach der Umfahrung Lichtensteig kommt ein weiteres Tunnel, ein Kreisel und dann die Passstrasse. Immerhin dort wird es etwas idyllischer. Vorderer Hummelwald, das tönt doch schon nach Sehenswürdigkeit.

Streit und Baustellen als Ablenkung

Keine Frage, in den Dörfern ist es ohne Durchgangsverkehr ruhiger. Damit es nicht zu ruhig wird, streitet man sich in Bütschwil über die flankierenden Massnahmen im Zentrum und aus Wattwil macht man gleich eine Komplettbaustelle. Zum Glück. Sonst steht im Stelz bald ein Schild mit der Aufschrift: «Fahren Sie weiter, hier gibt’s nichts zu sehen.»

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