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Seitenblick: Glampen versus campen – Die Spannweite in Sachen naturnaher Übernachtung ist gross

In Zeiten von Corona erleben Campingplätze einen regelrechten Ansturm von Schweizer Gäste. Doch das Campen auf dem Zeltplatz ist nicht die einzige Form der einigermassen naturnahen Übernachtung.

Tobias Söldi
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Schlafen am Wasser: Campingplätze machen es möglich.

Schlafen am Wasser: Campingplätze machen es möglich.

Bild: Nicole Nars-Zimmer

Am oberen Ende der Bequemlichkeitsskala befinden sich die sogenannten Glamper. Sie frönen dem Glamping, dem glamourösen Campieren in schicken, fertig eingerichteten – und nicht immer günstigen – Unterkünften wie Baumhäusern oder Jurten. Es ist einer der neueren Trends in der Reisebranche.

Bequem ist das Glampen in jeder Hinsicht, und der morgendliche Cappuccino nach dem Besuch der Sanitäranlagen ist auch nicht zu verachten. Aber irgendwie auch widersinnig: Denn macht nicht gerade der Verzicht auf den üblichen Luxus, der direkte Kontakt mit der Natur den Reiz des Campieren aus? Da kann man ja gleich zu Hause bleiben.

Kontakt mit der Natur

Das denken sich wohl hart gesottene Wildcampierer, und schauen mit abschätziger Miene auf die Glamper herab. Sie sind die wahren Camper, denken sie sich, die unerschrockenen Abenteurer, die sich furchtlos Wind, Wetter und allem, was kriecht und fleucht, aussetzen. Bepackt mit Mätteli und Schlafsack, marschieren sie los und übernachten irgendwo im Wald oder auf einer Wiese unter freiem Himmel, während der Glamper sein Rollköfferchen allerhöchstens über einen Kiesweg zieht.

Nur für geübte Schläfer

Ein unvergessliches Erlebnis ist eine Nacht im Freien auf alle Fälle: die Stille, der Mond, die ersten Sonnenstrahlen am Morgen. Aber erholsam? Man muss schon ein geübter und sorgloser Schläfer sein, dass einem das Rascheln im Gebüsch oder das nicht immer sanfte Rauschen des Windes nicht den Schlaf raubt.

Mehr Sicherheit und Schutz bietet da das Zelt, sozusagen die gutschweizerische Kompromisslösung. Während sich der Wildcampierer im Zelt wohl von der Natur abgeschnitten fühlt, graust es dem luxusverwöhnten Glamper allein schon beim Gedanken daran, es mitzuschleppen und dann auch noch aufzustellen. Für alle anderen bleibt der Kompromiss am Ende vielleicht doch die bevorzugte Wahl.

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