Kolumne

Seitenblick: Kriegsgebiet Fürstenland

Die friedlichen Strassen des Lockdowns sind passé, der Waffenstillstand aufgehoben. Wer aus Wil raus und durchs Fürstenland will, muss in den Verkehrskrieg ziehen.

Dinah Hauser
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Dinah Hauser, Redaktorin «Wiler Zeitung»

Dinah Hauser, Redaktorin «Wiler Zeitung»

Bild: Ralph Ribi

Auf Wils Strassen herrscht Krieg. Das sagte schon die Mutter und mied die Äbtestadt wenn immer möglich. Der Waffenstillstand, der während des Coronalockdowns herrschte, ist wieder aufgehoben. Nun lässt sich nur noch von den friedlichen Strassen dieser Zeit träumen, die, kaum vorbei, schon eine Ewigkeit her zu sein scheint.

Wer kurz nach 17 Uhr losfährt kommt genau richtig für die Schlacht. Will man im Stau auf den Vordermann aufschliessen, fetzt schon ein Velofahrer zwischen den Wagen hindurch. Das geistige Auge hat ihn schon auf der eigenen Motorhaube liegen gesehen. Der Adrenalinspiegel steigt.

Wie war das nochmal mit der ersten Hilfe?

Am Schwanenkreisel dann kommt von links ein Velofahrer an. Ein Autofahrer meint, er müsse diesen überholen und gleichzeitig den Kreisel verlassen. Das Gehirn rekapituliert unterdessen, was man im Erste-Hilfe-Kurs vor Jahren gelernt hat und wo das nötige Material zur Behandlung im Auto verstaut ist: unter dem Sitz, dort wo auch Warnweste und Pannendreieck liegen.

Auch nach der Rudenzburgkreuzung staut es immer noch; in die Gegenrichtung mehr als Richtung Autobahn. Eine Frau streckt den Kopf zum Fenster eines Lieferwagens raus. Doch halt! Die Dame steht ja mitten auf der Strasse, weit entfernt vom Fussgängerstreifen.

Keine freie Fahrt auf der Autobahn

Wer meint, auf der Autobahn, die sich durchs Fürstenland schlängelt, sei der Friedensvertrag unterschrieben, der täuscht sich. Die Ausfahrt nach Wil ist verstopft, der Pannenstreifen wird als Einspurstreifen missbraucht.

Derweil verlangsamt sich auch der Verkehr in Richtung St.Gallen. Einem weissen Kombi kann es nicht schnell genug gehen – er überholt rechts, nur um festzustellen, dass es doch nicht schneller vorwärts geht. Derweil betätigt der Hintermann nervös die Lichthupe.

Um einige Nahtoderfahrungen reicher und erleichtert, dass im Verkehrskrieg nichts passiert ist, parkiert man am Rand von St.Gallen. Für den Rest der Strecke gibt es schliesslich Busse. Das nächste Mal lieber direkt mit Maske in den ÖV. Dazu müsste der Passagier aber erstens pünktlich sein und zweitens Maske und Desinfektionsmittel dabei haben.