Kolumne

Seitenblick: In der Schweiz ist sogar das Wandern föderalistisch angelegt

Ob man den Züri-Oberland-Höhenweg oder den Toggenburger Hohenweg wandert, auf einer Etappe ist die Strecke identisch.

Ruben Schönenberger
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Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter.

Bild: Ralph Ribi

Die Schweiz ist ein Wanderland, die Wege sind entsprechend gut dokumentiert. Es ist ein Leichtes, eine geeignete Route für die nächste Wanderung zu finden. Auch für eine Gruppe, in der ich mich diese Woche wiederfand.

Vorgeschlagen wurde eine Route, deren zugestellte Beschreibung so tönte: «Von der Hulftegg auf Bergpfaden zum Schnebelhorn, dem höchsten Zürcher Berg. Überblick über die tausendhügelige Moränenlandschaft bis zum Bodensee und Alpenkranz mit Säntis. Weiter über Gratwege mit vielen Buchen zur Chrüzegg.»

Toggenburg oder Zürcher Oberland?

Ich freute mich, meine Wandergruppe entschied sich für eine Wanderung im Toggenburg, obwohl ich der einzige Toggenburger in dieser Runde war. Meine Gruppe sah das freilich etwas anders: Das sei der Züri-Oberland-Höhenweg, dessen dritte Etappe wir hier bewandern würden.

Ich insistierte: Von der Hulftegg zur Chrüzegg, das ist durch und durch Toggenburger Gebiet, allerhöchstens Grenzgebiet. Umstimmen konnte ich niemanden. Dafür habe ich sogar ein wenig Verständnis. Schliesslich müssen die Zürcher sogar ihren höchsten Berg, das Schnebelhorn, mit uns teilen. Der Gipfel liegt auf der Kantonsgrenze.

Vielleicht geht es einfach um die Richtung

Unter Umständen ist der Name aber auch nur ein Ausdruck unseres Föderalismus. Genauso wie der von Kirchberg nach Rickenbach fliessende Altbach an der Kantonsgrenze plötzlich zum Alpbach wird, reklamieren die Zürcher den zugegeben in ihrem Kanton startenden Höhenweg als den ihrigen, auch wenn dessen dritte Etappe einfach Etappe 5 des Toggenburger Höhenwegs ist.

Vielleicht geht es aber auch nur um die Richtung. Während sich die Zürcher Wanderer von der Hulftegg zur Chrüzegg hochquälen, nehmen wir Toggenburger die fünfte Etappe des Toggenburger Höhenwegs zwar auf der gleichen Route, aber in umgekehrter Richtung in Angriff. Da geht’s zwar auch auf und ab, aber nicht zum Schluss nochmals hoch. Die Aussicht ist die gleiche, geniessen kann man sie aber unbeschwerter.

Der Züri-Oberland-Höhenweg würde nach der Chrüzegg übrigens weiter nach Rapperswil führen. Wie sehr das nun «Züri» ist oder nicht, dürften nicht alle gleich beantworten.

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Mails, Anrufe, Begegnungen – die Redaktorinnen und Redaktoren des «Toggenburger Tagblatts» erleben viel, das normalerweise keinen Eingang in die Berichterstattung findet. Einiges davon ist aber dennoch erzählenswert. Wie zum Beispiel der Bach, der von Kirchberg nach Rickenbach fliesst.
Ruben Schönenberger