Glosse
Seitenblick: Eine kleine Wiler Posse

In Wil nehmen manche Dinge ihre eigenen Wege. Das kann da und dort schon mal zu etwas Verwunderung führen. Mehr aber auch nicht.

Hans Suter
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Hans Suter, stv. Redaktionsleiter Wiler Zeitung und Toggenburger Tagblatt.

Hans Suter, stv. Redaktionsleiter Wiler Zeitung und Toggenburger Tagblatt.

Bild: PD

Es war einmal ein kleines Städtchen im Fürstenland. Genau genommen ist es mit 24000 Einwohnerinnen und Einwohnern eine stattliche Stadt – ganz genau genommen gar die drittgrösste im Kanton St.Gallen. Das erfüllt so manch Wiler Herz mit Stolz. Wenngleich anzumerken ist, dass man in Wil nicht immer alles so genau nimmt. Zum Beispiel, wenn es um die Organisation des Stadtfestes geht.

Das Wiler Stadtfest ist beliebt, obwohl es mit Gründungsjahr 2005 noch keine grosse Tradition hat. Das heisst etwas in Wil. Gemessen am Bestehen der Wiler Tüüfel oder der Stadtschützen, die auf Jahrhunderte zurückblicken, ist es noch ein Kleinkind, das sich in die Hosen macht. Ist aber halb so schlimm. Da die Schweizer Mundart nicht mal ein Wort für «riechen» kennt, stört das niemanden. Aber das nur nebenbei. Zurück zum Thema. Das Wiler Stadtfest ist nicht nur beliebt, es ist auch wichtig. Deshalb ist die amtierende Stadtpräsidentin oder seit Juni der Stadtpräsident ad interim in persona Präsident des Organisationskomitees. Der Bedeutung des Anlasses entsprechend, sitzt zusammen mit ihm rund ein Dutzend Fachleute in diesem OK. Angefangen bei der Verwaltung über den Werkhof und den Sicherheitsverbund bis hin zu Polizei und Kultur, einem Finanzchef und einem Anzeigenfachmann für die Öffentlichkeitsarbeit ist so ziemlich alles vertreten, was von Nutzen oder Nöten ist.

Eines Tages wurde in ebendiesem OK beschlossen, dass das Stadtfest 2021 wenn immer möglich trotz Covid-19 stattfinden soll. Mehr noch: Es wurde auch beschlossen, dass Uzwil die Gastgemeinde sein soll. Freudig wurde die Botschaft über die lokalen Medien verkündet. Und siehe da, das Echo blieb nicht aus. Da und dort resultierte aber auch Verwunderung. Ganz besonders im OK: Die meisten OK-Mitglieder wussten gar nicht, dass sie das beschlossen hatten. Allen voran der Verantwortliche für den Bereich Medien und Marketing, der die Botschaft verblüfft in den Medien las.

Es war ein peinliches Versehen, wie sich herausstellte. Genauso wie die Tatsache, dass man den OK-Mitglidern mitzuteilen vergass, dass die meisten von ihnen nicht länger dem OK angehören. So fragt man sich mit leichtem Unwohlsein im Bauch, ob man in Uzwil schon weiss, wer Gastgemeinde am Wiler Stadtfest 2021 ist.