Seitenblick
Ein Hoch auf die Pfader

In der vergangenen Woche war von den Mitarbeitern der Räumungsdienste ein grosser Einsatz nötig, damit das Leben in der Region nicht stillstand.

Simon Dudle
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Simon Dudle, Redaktionsleiter

Simon Dudle, Redaktionsleiter

Bild: Urs Bucher

Wenn es den ganzen Winter über keinen Schnee hat wie vor Jahresfrist, ist die Welt aus den Fugen und die Apokalypse nah. Und wenn es plötzlich 60 Zentimeter der weissen Pracht an zwei Tagen im Ostschweizer Mittelland hinwirft wie vergangene Woche, dann sowieso.

So kommt es einem zumindest vor, wenn man die Reaktionen auf den Rekordschnee reflektiert. Auch nach zwei Tagen nicht geräumten Trottoirs: Geht gar nicht. Unbestimmt verspätete Züge: Darf nicht sein. Die Zeitung am Freitagmorgen nicht geliefert: unerhört. Keine Briefe in der Post: schlicht und einfach Wahnsinn.

Reaktionen wie diese mussten sich die Werkhofmitarbeiter, Zeitungsmacher und Pöstler auch in der Region Wil noch und nöcher anhören. Das Telefon glühte an diesen kalten Tagen heiss mit Reklamationen. Natürlich: Jeder Abonnent hat selbstverständlich das Recht auf die geschätzte Tageszeitung. Natürlich ist es auf den Trottoirs für gewisse Bevölkerungsgruppen zum Teil richtig gefährlich, wenn Schnee liegt. Natürlich ist es unangenehm, wenn Busse auf verengten Strassen nicht mehr kreuzen können und dann der Anschluss am Bahnhof verpasst wird.

In der Schweiz gehört Schnee ganz einfach dazu

Aber sehen wir es in der Relation. Wir leben im Alpenland Schweiz – und sind stolz darauf. Schnee gehört ganz einfach dazu. Im Winter sind alle auf Schnee vorbereitet. Die weisse Pracht war angekündigt, und man konnte sich auf einen längeren Arbeitsweg samt rutschigem Untergrund einstellen. Da die Flocken immer seltener bis ins Flachland fallen, kann es nicht erstaunen, dass die Werkhöfe nicht unendlich Personal zur Verfügung haben und überfordert sind, wenn es Rekordmengen hinlegt.

Den Mitarbeitenden der Werkhöfe, der ÖV-Betriebe, der Post und allen anderen mit Reklamationen eingedeckten Personen gebührt an dieser Stelle ein grosses Dankeschön, dass sie es mit dem Rekordschnee aufgenommen haben.

Die fleissigen Pfader haben sich um 4 Uhr morgens – spätestens – in die Kälte aufgemacht, um die Hauptverkehrsachsen und die ÖV-Strecken freizubekommen. Ein Hoch auf alle, die Sonderschichten geschoben haben, um im Dienste der Öffentlichkeit tätig zu sein. Dank ihnen wurde die drohende Apokalypse einmal mehr abgewendet.