Kolumne

Seitenblick: Die Tücken von Social Media

Nicht jede Person beherrscht den Umgang mit Social Media. Besonders Politiker tun sich oft schwer damit. Sie sind aber nicht die einzigen.

Gianni Amstutz
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Gianni Amstutz, Redaktor.

Gianni Amstutz, Redaktor.

Bild: PD

Der Umgang mit sozialen Medien will gelernt sein. Damit sind weniger die Brotbackfanatiker gemeint, die ihre Kreationen unter dem Hashtag breadporn posten. Gemeint sind vielmehr Politiker.

Unbedacht werden Posts abgesetzt, als befände man sich am Stammtisch unter Freunden. Immer wieder landen solche verbalen Entgleisungen bei den Medien und erreichen eine breitere Öffentlichkeit als von den Absendern beabsichtigt.

Brennende Zeitungen

Jüngstes Beispiel ist ein Post des Wiler Juso-Stadtparlamentariers Timo Räbsamen. Das Foto einer angezündeten Ausgabe der «Weltwoche» kommentierte er auf Instagram mit den Worten:

«Heute brennt die Weltwoche, morgen dann Roger Köppel.»

Ihm darum einen Aufruf zum Mord zu unterstellen, wie das die Junge SVP des Kantons Luzern tat, ist zweifellos übertrieben. Die Absicht des Posts ist klar. Genauso gut hätte unter dem Bild stehen können: «Wir von der Juso finden die Weltwoche doof.» Das hätte wohl kaum für Aufregung gesorgt.

Nicht nur Jungpolitiker betroffen

Korrekt war die Wortwahl von Räbsamen trotzdem nicht. Wäre der Fall umgekehrt gelagert und ein Jung-SVPler hätte geschrieben: «Heute brennt die WOZ, morgen dann Co-Redaktionsleiterin Silvia Süess», wäre es gut denkbar, dass die Juso derjenigen Person dies angekreidet hätte.

Jungpolitiker sind indes nicht die einzigen, die Mühe mit den sozialen Medien bekunden. Die Kommentare auf Facebook unter dem «Tagblatt»-Artikel über Räbsamen liefern den Beweis. In diesen wird er für seinen Instagram-Post als «Tubel» und «dummer Plauderer» beleidigt und den Kommentierenden fällt nicht einmal die Ironie auf, dass sie damit genau das tun, wofür sie Räbsamen kritisieren: unbedacht etwas in den sozialen Medien schreiben und damit übers Ziel hinaus schiessen.

Da lobt man sich doch die traditionellen Medien, die mit ihrem Namen und ihrer Marke für das Geschriebene bürgen. Das gilt auch für die WOZ oder die «Weltwoche», auch wenn manche solche Publikationen offensichtlich lieber brennen sehen. Wer mit klassischen Medien gar nichts anfangen kann, der kann soziale Medien trotzdem völlig unaufgeregt und ohne die Gefahr eines medialen Echos nutzen. Zumindest, wenn man backen kann: #breadporn