Kolumne
Seitenblick: Auch nach der Krise sollten wir anstehen wie die Briten

Gewisse Verhaltensänderungen, die wir uns in der Krise angeeignet haben, sollten wir nicht wieder aufgeben.

Ruben Schönenberger
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Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt» und «Wiler Zeitung».

Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter «Toggenburger Tagblatt» und «Wiler Zeitung».

Bild: Ralph Ribi

Die Coronakrise hat uns nach wie vor fest im Griff. Noch geraume Zeit werden wir mit Einschränkungen leben müssen. Doch immer mehr wird nun auch in den Fokus rücken, was wir in der Krise gutgemacht haben und was nicht. Und damit auch: Was können wir vielleicht nach der Krise gleich so beibehalten?

Mundschutzmasken beim Coiffeur? Gerne beibehalten. Das würde meine Unfähigkeit, Smalltalk zu betreiben, kaschieren. Zwei Meter Abstand im öffentlichen Verkehr? Sehr gerne. Zwei Meter Abstand beim Feierabendbier? Nicht unbedingt. Homeoffice? Vielleicht ein Mittelding?

Die Engländer würden neidisch werden

Vor allem eines aber sollten wir unbedingt für immer beibehalten: das geordnete Anstehen. Seit in vielen Räumlichkeiten die Zulassung eingeschränkt wurde, entstehen vor den Türen Schlangen. Die zwei Meter Abstand, die auch dort eingehalten werden sollen, führen zu Warteschlangen, die jeden Engländer neidisch werden lassen.

Zugegeben, ich habe ein so grosses Flair für Grossbritannien, dass die fehlende Möglichkeit, auf die Insel zu fliegen, eine meiner grösseren Sorgen in der aktuellen Krise ist. Aber trotzdem darf man die Anstehetikette der Briten ganz objektiv als der unsrigen überlegen bezeichnen.

Anstehen ohne Grund

Während sich in der Schweiz vor Eingängen zu diversen Lokalitäten im Alltag Menschentrauben bilden, stehen die Briten nahezu immer in einer schönen Reihe an. Das gilt für den Eingang zum Parkhaus nach einer Theateraufführung genauso wie für den Einlass zu einem Fussballspiel. Das geht so weit, dass ein gebräuchlicher Witz besagt, dass sich Briten in eine Warteschlange einreihen, sobald sie eine sehen. Selbst dann, wenn sie gar nicht wissen, wofür man gerade ansteht.

So weit müssen wir natürlich nicht gehen. Und auch die zwei Meter Abstand zwischen den einzelnen Wartenden müssen wir hoffentlich nicht mehr allzu lange einhalten. Aber in der Reihe stehen statt Menschentraube, das wäre eine gute Zukunftsvorstellung.

Und wenn wir gleich dabei sind: Die Sache mit der Milch im Tee, die könnten wir auch übernehmen. Wer, wenn nicht die Briten, sollte da am besten Bescheid wissen.

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