Seine Salti werden fehlen

Eine Zeitung besteht aus Buchstaben, Worten, Sätzen. Und vor allem: Aus vielen, ja sehr vielen Buchstaben, Worten und Sätzen. Es ist also nichts anderes als ein Naturgesetz, dass diejenigen Formulierungen, die abgenutzt sind, die zigtausendmal verwendet wurden, nicht mehr überraschen.

Mario Fuchs
Merken
Drucken
Teilen

Eine Zeitung besteht aus Buchstaben, Worten, Sätzen. Und vor allem: Aus vielen, ja sehr vielen Buchstaben, Worten und Sätzen. Es ist also nichts anderes als ein Naturgesetz, dass diejenigen Formulierungen, die abgenutzt sind, die zigtausendmal verwendet wurden, nicht mehr überraschen. Umso grösser ist das Verdienst jener in der schreibenden Zunft, die es immer wieder schaffen, wie ein Delphin aus dem Buchstabenmeer herauszuspringen, um im Kopf des Lesers, der Leserin einen Rückwärtssalto zu zeigen. Das ist Kunst, Schreibkunst, und Rolf Bollinger gehört bis heute zu denen, die sie beherrschen. Doch wie das mit dem Handwerk so ist: Es braucht nicht nur Kraft im Kopf, sondern auch Kraft im Körper. Da kommt ein lästiger Gefährte wie ein gewisser Parkinson ungelegen. Bitten lässt sich der aber nicht, man hat sich mit ihm zu arrangieren. Für Rolf Bollinger heisst das, künftig keine Rückwärtssalti auf dem Papier mehr schlagen zu können. Wir, die Redaktion, und wohl auch Sie, die Leserinnen und Leser, werden seine wortakrobatischen Einlagen vermissen. Uns bleibt, was dem Publikum am Ende einer grossartigen Vorstellung bleibt: Aufstehen, klatschen. Danke, Gallestei!