Sein Ziel ist der «Eidgenosse»: Michael Rhyner strebt in Zug den Kranz an

Der Flawiler Michael Rhyner gehört Mitte August am Eidgenössischen in Zug zu den Teamstützen der Nordostschweizer Delegation. Daran hat auch der Rückschlag des
34-Jährigen am Zürcher Kantonalen nichts geändert.

Urs Huwyler
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Michael Rhyner (unten) war in Fehraltorf am Zürcher Kantonalen gegen Roger Rychen in der Defensive, gewann den Kampf aber schliesslich. (Bild: Lorenz Reifler)

Michael Rhyner (unten) war in Fehraltorf am Zürcher Kantonalen gegen Roger Rychen in der Defensive, gewann den Kampf aber schliesslich. (Bild: Lorenz Reifler)

Das kam auch für Michael Rhyner überraschend: Der für den SC Flawil schwingende Athlet verpasste zuletzt am durchschnittlich besetzten Zürcher Kantonalen in Fehraltorf den Kranz, obwohl er nach drei Gängen mit dem Punktemaximum in Führung gelegen und den Eidgenossen Roger Rychen aus Mollis platt besiegt hatte.

Später setzte es für den temporären Leader jedoch ein Unentschieden und zwei Niederlagen ab. Eine im vierten Gang gegen den Winterthurer Samir Leuppi, dem damit die Revanche für die Niederlage aus dem Vorjahr gelang. Rhyner, der in Wilen bei Wil wohnt, schloss schliesslich mit 55.75 Punkten auf Rang 9f ab.

Ein Ausrutscher, mehr nicht

56,25 hätten es für den Kranz sein müssen. Der 36-fache Kranzsieger sagt:

«Es passte nach der Mittagspause nichts mehr zusammen. Ich habe weder schlecht gegessen noch mich verletzt. Hoffentlich gibt es nicht mehr solcher Nachmittage.»

Was der 34-Jährige drauf hat, bewies er 2018 am Zürcher Kantonalen mit Rang drei hinter den diesmal abwesenden Samuel Giger und Armon Orlik. Der Auftritt bei den Nachbarn war demnach ein Ausrutscher, mehr nicht.

Dienstags trainiert er gegen Kaliber wie Daniel Bösch

Am Training und Formaufbau hat er im Vergleich zu den Vorjahren nichts geändert. Und um nicht nur gegen Vereinskollegen zu schwingen, trifft sich dienstags eine Zwilchhosen-Gruppe in Wil zum Hosenlupf auf hohem Niveau. Der Zuzwiler Daniel Bösch, einzelne Toggenburger oder St. Galler nützen die Chance ebenfalls.

2018 gewann der Flawiler das Toggenburger Verbandsschwingfest in Bichwil. (Bild: Beat Lanzendorfer)
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Rhyner ballt am Schwägalpschwinget 2018 die Faust. (Bild: Janine Kid/schaererphotographs.ch)
Schenkten sich im vergangenen Jahr am 118. Thurgauer Kantonalen in Lengwil nichts: Rhyner (links) und der Thurgauer Beni Notz. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)
Michael Ryhner ist 1,90 m gross und 105 kg schwer. (Bild: Werner Schaerer/schaererphotographs.ch).

2018 gewann der Flawiler das Toggenburger Verbandsschwingfest in Bichwil.
(Bild: Beat Lanzendorfer)

Wer dort besteht, gehört an jedem Fest zu den Kranzanwärtern. «Wobei wir uns teilweise fast zu gut kennen», sagt Rhyner. Inzwischen wisse jeder, wie der andere schwingt, so dass man sich darauf einstellen kann.

Klares Ziel vor Augen

Für den 1,90 m grossen und 105 kg schweren Möbel-Monteur dreht sich diese Saison alles um das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Zug, das rund 60000 Zuschauer im Stadion verfolgen werden. Ist das Spektakel inzwischen nicht zu gross geworden? Das sei schwierig zu sagen, so der 2016 nach sechs Gängen ausgeschiedene Senn.

«Wir Schwinger konzentrieren uns auf den Sport. Irgendwie ist es aber für jeden Aktiven eine Auszeichnung, vor einer solchen Kulisse schwingen zu dürfen.»

Über die Zielsetzung muss nicht lange diskutiert werden. Der Lorbeer-Kopfschmuck soll es sein. Schon deutlich tiefer eingestufte Schwinger wurden mit dem nötigen Wettkampfglück Eidgenossen und damit «böse».

Ein Freund der grossen Worte war er noch nie

Bei seinem grössten Triumph, dem Erfolg am Nordostschweizer Teilverbandsfest 2015, bezwang Rhyner im Schlussgang den Appenzeller Marcel Kuster, der sich ein Jahr später den eidgenössischen Kranz sicherte. «Möglich ist vieles. Auch der Kranz», sagt Realist Rhyner, der noch nie ein Freund von grossen Worten war.

Rhyner jubelt nach seinem Triumph über Marcel Kuster am 120. Schwingfest des Nordostschweizer Verbandes Wald am 28. Juni 2015. (Keystone/Nick Soland)

Rhyner jubelt nach seinem Triumph über Marcel Kuster am 120. Schwingfest des Nordostschweizer Verbandes Wald am 28. Juni 2015. (Keystone/Nick Soland)

Müsste ein Fussballtrainer ein Team zusammenstellen, würde er dieses – auf die Szene des Nordostschweizer Schwingverbandes übertragen – um das Favoriten-Duo Giger/Orlik bauen. Weitere offensiv eingestellte Teamstützen wären Bösch und Michael Bless, während Dominic Schneider, Rychen, Raphael Zwyssig, Leuppi und Rhyner in der zweiten Reihe eher eine defensive Aufgabe bekämen.

Rhyner bildet die nächste Generation aus

Doch Rhyner relativiert die Aufstellung: Von hinten würden talentierte Nachwuchsleute mit Jahrgang 2000 und jünger nachrücken.

«Sie dürfen nicht unterschätzt werden. Aber ich sollte noch mithalten können.»

Seit 13 Jahren trainiert der in Nassen aufgewachsene Gewinner des vergangenen Toggenburger Verbandsschwingens und diesjährige Zweiter als Vorstandsmitglied des SC Flawil die Jungschwinger, die ihm später vielleicht gefährlich werden könnten. Das nähme er locker und entspannt hin.

Harte Brocken am St. Galler Kantonalen erwartet

Beim St. Galler Kantonalen in Widnau im Rheintal werden dem 34-Jährigen am Samstag – wiederum in Abwesenheit von Giger/Orlik – nicht aufstrebende Talente, sondern andere Brocken vorgesetzt. Der Grund: Rhyner wird seit Jahren als Nicht-Eidgenosse wie ein Eidgenosse eingeteilt. Auch dies ist eine Auszeichnung und spricht für seine Leistungsstärke.