Sechs Wochen rechnen für eine Wetterprognose

Rund die Hälfte seiner «Amtszeit» als Botschafter der Stadt Wil hat SRF-Meteorologe Jürg Zogg bereits hinter sich. Am Mittwochabend war er wieder einmal in der Heimat und tat im Rahmen eines Finanzanlasses das, was er gerne tut: Über das Wetter reden. Er erläuterte, wieso eine 14-Tages-Prognose nicht seriös ist.

Simon Dudle
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Meteorologe Jürg Zogg über das Wetter von gestern und morgen. (Bild: Simon Dudle)

Meteorologe Jürg Zogg über das Wetter von gestern und morgen. (Bild: Simon Dudle)

WIL. Wetter und Finanzen sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Trotzdem passte es gut, dass der Wiler Botschafter des Jahres ausgerechnet an einem Anlass der Raiffeisenbank Wil in seiner Heimatstadt auftrat. Inhaltlich ging es um das Thema «Prognosen erstellen», womit der gemeinsame Nenner gefunden war. Während den rund 200 anwesenden Gästen im ersten Teil des Abends aufgezeigt wurde, dass Finanzprognosen weniger oft eintreffen als Wettervorhersagen (siehe Kasten rechts), ging es danach tatsächlich um das Wetter.

Jürg Zogg konnte dabei aus dem Nähkästchen plaudern – und liess den Blick auch in die Vergangenheit schweifen. Zum Beispiel ins Jahr 1878, als in der «Neuen Zürcher Zeitung» erstmals in der Schweiz ein Wetterbericht veröffentlicht worden war. Dieser war noch äusserst rudimentär. Der Anstoss für immer genauere Vorhersagen war damit aber gegeben. Der Weg sollte aber ein noch langer sein. Im Jahr 1917 wollte der britische Mathematiker Lewis Fry Richardson das Wetter für die nächsten sechs Stunden vorhersagen – und hat dafür sechs Wochen gerechnet. «Schliesslich lag er komplett daneben, da er schlechte Ausgangsdaten hatte», sagte Zogg.

«Ein chaotisches System»

Auch zur Gegenwart und nahen Zukunft machte Zogg manch interessante Aussage. «Eine 14-Tages-Prognose zu betrachten ist wertlos. Da kann man sich die Zeit sparen oder ein Buch über das Klima lesen», sagte der Wiler Botschafter. Das liege daran, dass die Meteorologie ein «chaotisches System» sei, bei dem kleinste Änderungen grosse Auswirkungen haben. «Eine 6-Tages-Vorhersage ist meistens verlässlich, jene für 10 Tage ein Trend», sagte Zogg.

Der dritte Botschafter

Das kurzweilige, rund 30minütige Referat im Pfarreizentrum war erst der zweite Auftritt des Meteorologen in Wil seit seiner Ernennung zum Botschafter des Jahres Mitte April – als Nachfolger von Fussballer Fabian Schär und des Winterthurer Kabarettisten Viktor Giacobbo. Ende Juli hatte Zogg an der Hofchilbi in der Altstadt das Bierfass angestochen.

Am Mittwochabend war es an der Zeit, auf das erste halbe Jahr zurückzublicken. Zahlreiche Leute hätten ihm für diese Auszeichnung gratuliert, «obwohl es ja gar keine Leistung ist». Mehr Reaktionen hätten wohl seine Eltern erhalten, die im Gegensatz zu ihm noch in Wil leben.