Sechs Millionen Franken für die Sanierung der Uzwiler Eishalle

Die Uzwiler Eishalle soll saniert werden. Am 23. August befindet die Bürgerschaft über den Kredit an der Urne. Die Parteien stellen sich hinter das Vorhaben.

Philipp Stutz
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Mit der geplanten Sanierung der Fassade wird auch der Energiebedarf in der Uzehalle markant gesenkt.

Mit der geplanten Sanierung der Fassade wird auch der Energiebedarf in der Uzehalle markant gesenkt.

Bild: Philipp Stutz

Seit 1959 gibt es die Kunsteisbahn an der Sportstrasse in Niederuzwil, jetzt soll sie saniert werden. Die Anlage, damals als offenes Eisfeld gebaut und betrieben, hatte Pioniercharakter: Sie war die erste Kunsteisbahn der Ostschweiz und damals sogar dem Zürcher «Tages-Anzeiger» einen Bericht wert gewesen.

Während die Eishalle der Gemeinde gehört, steht der Boden im Eigentum der zur Firma Bühler gehörenden Uze AG. Die Gemeinde besitzt ein Baurecht, das Ende 2058 abläuft. «Die Sanierung passt auf die Laufzeit dieses Baurechts», ist im Gutachten nachzulesen.

Eishockey, Schlittschuhlaufen und Eistanz

Die Uzehalle dient Vereinen und Bevölkerung. Durch konsequentes Handeln scheint der EHC Uzwil, der nunmehr in die 3. Liga «abgetaucht» ist, die finanzielle Schieflage in den Griff zu bekommen. Der Verein zählt derzeit acht Mannschaften mit rund 150 Spielern, davon über 110 Junioren.

Der Eisclub (EC) Uzwil führt jährlich 140 bis 150 Kinder in die Kunst des Schlittschuhlaufens ein. Daneben betreut er 40 aktive Eiskunstläuferinnen und -läufer. Zudem verfügt die Eistanzsparte des EC Uzwil über 30 erwachsene Läuferinnen und Läufer.

Die Förderung des Nachwuchses ist beim EHC Uzwil wichtig. Lange galt der Verein als Talentschmiede.

Die Förderung des Nachwuchses ist beim EHC Uzwil wichtig. Lange galt der Verein als Talentschmiede.

Bild: Hannes Thalmann

Referendumskomitee setzte sich durch

1985 wurde das offene Eisfeld überdacht. 1988 entstand die Sitzplatztribüne als Gemeinschaftswerk von Arbeitgeber-, Industrievereinigung und Gemeinde. 1998 investierte die Gemeinde erneut in die Anlage. Sie erhielt eine neue, isolierte Eispiste, die Kälteanlage wurde erneuert und mit einer Wärmerückgewinnung ausgestattet. Unter der Stehrampe entstand ein neuer Garderobentrakt.

Die damals neue Zu- und Abluftanlage eliminierte die vorher starke Kondenswasserbildung in der Halle. 2010 wurde das alte Restaurant für 1,5 Millionen Franken ersetzt – notabene gegen den Willen des Gemeinderates. Ein Referendumskomitee hatte sich für einen Neubau eingesetzt.

Investition belastet Gemeindehaushalt nicht

Nun stehen erneut Sanierungen bevor, und zwar von Fassade und Dach. «Die 35-jährigen Fassadenelemente sind brüchig und am Ende der Lebensdauer. Und die Halle hat Handlungsbedarf, um den Energieverbrauch zu reduzieren», informiert der Gemeinderat.

Die neue, isolierte Fassade, das neue, gedämmte Dach und die Umrüstung auf energieeffiziente LED-Beleuchtung bilden zusammen mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach das Rückgrat der Vorlage. Letztere dürfte nach Angaben der Gemeinde einen Jahresertrag von ungefähr 3'530'000 kWh erreichen, was dem Energieverbrauch von 80 bis 90 Haushaltungen entspreche. Mit dem so gewonnenen Strom werden Eis- und Curlinghalle sowie während des Sommers das Schwimmbad versorgt. «Diese Kombination ist ideal», schreibt Gemeindepräsident Lucas Keel im Gutachten. Wobei anzumerken ist, dass die Curlinghalle dem Curling Club Uzwil gehört und auf eigene Rechnung betrieben wird.

Die Investition von 5,78 Millionen Franken wird zu Lasten der Spezialfinanzierung Energie finanziert. Und belastet laut Gutachten weder den Gemeindehaushalt noch den Steuerfuss.

Sanierung senkt den Energiebedarf markant

Die Kunsteisbahn ist ein kostenintensiver, defizitärer Betrieb. Der jährliche Betriebsaufwand beläuft sich auf brutto etwa eine halbe Million Franken, ohne Kapitaldienst. Davon können lediglich rund 100'000 Franken aus dem Betrieb finanziert werden. Rund 400'000 Franken verbleiben netto zu Lasten des Gemeindehaushaltes.

Genehmigen die Uzwiler Stimmberechtigten den Baukredit, soll die Uzehalle von April bis September 2021 saniert werden. Es entsteht eine dreifach verglaste, luftdichte und wärmegedämmte Fassade, welche den Energieverbrauch für die Kühlung der Eisfläche markant senkt. Die heute geschlossene Fassade zum südlich vorgelagerten Sportplatz erhält eine neue, grossflächige Fluchttüre. Zusätzlich werden zwei Elemente der Südfassade durch Tore ersetzt. Durch diese Verbindung zum Umgelände werde die Halleninfrastruktur bei Grossveranstaltungen einfacher nutzbar, heisst es im Gutachten.

Parteien dafür, teils mit Vorbehalt

Auch die Uzwiler Ortsparteien haben sich mit der Abstimmungsvorlage befasst. «Unser Grundtenor ist eindeutig positiv», sagt Bruno Cozzio, Vizepräsident der CVP. Es handle sich um eine Investition in die Zukunft und erhöhe die Attraktivität Uzwils. Auch im energetischen Bereich würden wichtige Massnahmen getroffen. Eissport habe in Uzwil Tradition, sagt Cozzio. Und erwähnt den EHC und EC Uzwil. «Ausserdem eignet sich die Halle für Mehrfachnutzung wie etwa das Fest der Nationen.» In diesem Bereich sei durchaus noch Potenzial vorhanden.

Auch Marco Baumann, Präsident der SVP, tritt mit Überzeugung für die Vorlage ein. Die Eishalle sei in Uzwil eine feste Institution und diene Kindern und Erwachsenen als Ort, wo sie vor allem im Winter ihre Freizeit verbringen. Zudem dürften viele junge Eishockeytalente von einer Karriere träumen. Auch wenn die meisten dieses Ziel nicht erreichen, trage der EHC Uzwil wie auch der Fussballclub zur Integration von Migrationskindern bei. «Das Vorhaben ist zwar nicht günstig», räumt Baumann ein. Da aber die finanziellen Mittel bereits vorhanden seien, belaste die Investition die Gemeinderechnung nicht. Die laufenden Kosten würden bereits heute vom Steuerzahler berappt.

Die SP wird sich am 6. August an einer Parteiversammlung treffen und eine Parole fassen. «Ohne dieser Diskussion vorgreifen zu wollen, kann ich mir vorstellen, dass wir das Projekt befürworten», sagt Burkhard Erne, Präsident der SP Uzwil. Die Uzehalle sei gut ausgelastet und biete Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung.

Auch die FDP befürwortet die Vorlage. «Es handelt sich um einen gesellschaftlichen Nutzen, der Mehrwert bringt», sagt Präsident Yves Beutler. Es sei aber eine hohe Investition, die jetzt getätigt werden müsse. Die Anlage sollte optimal ausgelastet werden, fordert der FDP-Präsident, räumt aber gleichzeitig ein: «Allerdings muss man in Betracht ziehen, ob die Kosten der defizitären Anlage in Zukunft auch von umliegenden Gemeinden mitgetragen werden sollen, da die Anlage raumübergreifend genutzt wird.» (stu)

Das Dach erhält einen neuen Aufbau und wird gedämmt. Innen erhält es einen Kältestrahlungsschutz. Dieses Element reduziert den Energiebedarf für die Eiserzeugung. Die veralteten starren Banden werden ersetzt.

«Der Gemeinderat hat das Sanierungsprojekt lange aufgeschoben. Jetzt soll es angepackt werden», schreibt Lucas Keel im Gutachten. Neben der Sanierung der Eishalle stehen in der Gemeinde Uzwil in den nächsten Jahren weitere grosse Investitionen bevor. So etwa der Neubau des Werkhofs und die Schulraumerweiterung im Herrenhof.

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