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Sechs gereifte Frauen und Männer

Mit Lauthals lud die MVG Flawiler Kultur am Freitagabend eine spassige Laien-a-cappella-Formation in den Flawiler Lindensaal. Das Publikum freute sich am einsilbigen Humor des gemischten Sextetts vom Ufer des Bodensees.
Michael Hug
Sang- und klangvoll, ein bisschen schräg und ziemlich amüsant: «Lauthals» auf der «Lindensaal»-Bühne. (Bilder: Michael Hug)

Sang- und klangvoll, ein bisschen schräg und ziemlich amüsant: «Lauthals» auf der «Lindensaal»-Bühne. (Bilder: Michael Hug)

FLAWIL. «Hallo – s'is wida amoi so weeit» singen die drei Frauen und die drei Männer. «Wie? Was? Woher kommen die?» fragt sich das Publikum. «Ich dachte, es sind Ostschweizer» meint Franz Dörig, Präsident der MVG Flawiler Kultur, zum Sitznachbarn. Keine Angst, es sind Ostschweizer, genauer Rorschacherinnen und Rorschacher, das wird nach dem bayrisch-niederösterreichisch angehauchten Intro dann doch noch klar. Da begrüsst nämlich Tenor Guido Ritz die Anwesenden im platten St. Galler Dialekt: «Ehr hend üs total überrumplet, denn normalerwiis gömmer abe und gend dene zeh Zueschauer wo amel chömed allne d'Hand.»

Tiefstapelei pur

Das ist natürlich Tiefstapelei pur, die Lauthälse, wenn auch pure Laiensängerinnen und -sänger, sind unter anderem sogar grössere Publikumsheerscharen gewohnt als die rund sechzig Flawilerinnen und Flawiler, die am Freitagabend im Lindensaal aufmarschiert waren. Doch das Sextett weiss auch, dass man so oder so immer alles geben muss, seien da Tausende oder nur ein Dutzend. Man macht also unbeeindruckt weiter, wählt ein Sommerlied der Nils Brothers, die zwar niemand kennt (den Song ebenso wenig), doch damit ist dann Schluss mit fremdlichem Liedgut. Nein, ein exotisches kommt noch, das «Shame & Scandal», 1943 komponiert vom trinidadischen Autor Lord Melody und von den sechs Rorschachern wunderbar eingedeutscht, was den Hintersinn in diesem Song nun endlich für jeden verständlich macht.

In den Nullerjahren waren die Lauthälse in Rorschach noch als fasnächtliche Schnitzelbanksänger namens Haferatze unterwegs. «Als A-cappella-Gruppe haben sie weder Konzept noch Stil. Sie singen, was ihnen gefällt und weil sie es einfach nicht lassen können», deklarieren sie selbst. Man habe nicht den Anspruch, perfekt zu sein, will eigentlich nur zweierlei: Sich selbst und andere unterhalten. So kopieren sie Bestehendes und verpassen ihm mitunter ihre eigenen – meistens schrägen – Ideen. Oft ergibt das nicht viel mehr Sinn als die Texte, für die der originale Urheber Tantiemen erhielt. «Hang on Sloopy» ist so ein Song, in den Siebzigern ein Millionenseller, im Jahr 2016 von den Lauthals zur Erheiterung des Publikums zu «Hang on, Schnuggi» umgedichtet.

Jeder und jede darf mal ran

Weiter geht es mit Einägelige Riissnägeli (Pfannestiel Chammer Sexdeet), mit Liedern aus deutschen Landen, mit Swing, afrikanischem Traditional, Pop und Selbsterarbeitetem. Dazwischen wird geredet, gescherzt und gewitzelt, wobei jeder und jede mal ran darf, so schön basisdemokratisch aufgeteilt ist das am Bodensee. Das ist dann aber Konzept und ein Widerspruch zur Selbstdeklaration, doch der Effekt ist das, was zählt, und nicht die Theorie. Mit ihren schrägen Slapstickelementen und den sympathischen Arrangements machen die sechs Damen und Herren im gereiften Alter (auch eine Selbstdeklaration) den vermeintlichen Rückstand zur professionellen Sänger- und Sängerinnenwelt mehr als wett, ist dieser Rückstand ja ohnehin nur ein eingebildeter.

Zwei verschiedene Schuhe

Auf jeden Fall boten Lauthals und die MVG beste Unterhaltung. Auch wenn in der ersten Hälfte des Abends die Frage, warum Sängerin Susy Alge Locher die ganze Zeit zwei verschiedene Schuhe trug, unbeantwortet blieb.

Der eine Schuh passt nicht zum anderen.

Der eine Schuh passt nicht zum anderen.

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