Sechs Bäume mussten Feuerwehrdepot weichen

FLAWIL. Der grosse Nussbaum an der Wilerstrasse ist am Montagnachmittag gefällt worden. Damit das Feuerwehrdepot an diesem Ort gebaut werden kann, wurden zudem fünf weitere Obstbäume beseitigt. Forstwart Markus Scheiwiller beklagt, dass «immer mehr Bäume der allgemeinen Bauwut zum Opfer fallen».

Ives Bruggmann
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Ein Forstarbeiter zerkleinert den eben gefällten Nussbaum an der Wilerstrasse. (Bild: Ives Bruggmann)

Ein Forstarbeiter zerkleinert den eben gefällten Nussbaum an der Wilerstrasse. (Bild: Ives Bruggmann)

Innert Sekunden ist der Nussbaum an der Wilerstrasse 201 zu Boden gefallen. Zwei Förster sorgten dafür, dass dieser fachgerecht auf der Wiese zu liegen kam. Der Baum stand genau dort, wo demnächst das neue Feuerwehrdepot erstellt wird. Auch fünf weitere kleinere Obstbäume mussten dem Bauprojekt Platz machen. Obwohl in diesem Fall keine andere Möglichkeit übrig blieb als den Baum zu fällen, stellt sich die Frage, was die Gemeinde tun kann, um die Natur im Siedlungsraum zu schützen. Offen ist auch, warum solch grosse Bäume nicht unter Schutz stehen.

Ein Prachtexemplar gefällt

Markus Scheiwiller, Forstwart und Naturgartenfachmann aus Wilen bei Niederglatt, nahm das Fällen des Nussbaumes an der Wilerstrasse zum Anlass, seinen Unmut über den Umgang mit der «Dorfnatur» zu äussern. Er sagt: «Eigentlich schade, dass auch dieses Prachtexemplar von einem Nussbaum der allgemeinen Bauwut zum Opfer fällt.» Zudem sei bereits vor einigen Jahren die unter Schutz stehende Silberpappel für die Tankstelle am westlichen Dorfausgang von Flawil unnötig gefällt worden.

Baum stand nicht unter Schutz

René Bruderer, Geschäftsleiter Bau und Infrastruktur Flawil, sagt zu den gefällten Bäumen an der Wilerstrasse: «Bedauerlicherweise mussten diese weichen. Die kleinen Obstbäume, vor allem aber der Nussbaum, standen nicht in der Schutzverordnung. Deswegen war es rein rechtlich auch kein Problem, diese zu fällen.» Unter Schutz stehen gemäss Bruderer «Bäume, die das Orts- und Landschaftsbild prägen». Von ökologischen Zusammenhängen ist in der Schutzverordnung allerdings nichts erwähnt. Eine neue Schutzverordnung sei jedoch in Arbeit, sagt Bruderer. Bei dieser werde neben dem optischen auch der ökologische Aspekt berücksichtigt.

Markus Scheiwiller hingegen fordert noch mehr Massnahmen: «Gerade im Hinblick auf zukünftige Klimakapriolen wäre es höchste Zeit, dass die Gemeinde ein Programm zur Förderung von freistehenden Charakterbäumen in der Landschaft auf die Beine stellt. Ältere Bäume wie der gefällte Nussbaum wären für das ökologische Gleichgewicht sehr wertvoll.» René Bruderer entgegnet: «In diesem Fall war es leider nicht anders möglich als die Bäume zu fällen, denn das Volk hat sich für diesen Standort des neuen Feuerwehrdepots entschieden. Zudem hat die Gemeinde neben der Schutzverordnung, in der einige wichtige Bäume gelistet sind, noch den Richtplan für die räumliche Entwicklung der Gemeinde zu befolgen. Bruderer: «Das Grün im Siedlungsraum ist uns ein wichtiges Anliegen. Wir wollen den Anteil Natur, den wir im Moment haben, möglichst erhalten.» Ein alter Baum sei jedoch nicht eins zu eins zu ersetzen. Trotzdem prüfe die Gemeinde in diesem Fall eine Ersatzpflanzung.

Richtplan schützt auch die Natur

Der Richtplan ist für die Gemeinde verbindlich. Er gibt Ziele vor und setzt einzuhaltende Inhalte fest. Ein Ziel ist unter anderem, dass «eine überdurchschnittliche Aussenraum- und Umgebungsgestaltung unter dem Stichwort <Siedlungsökologie> insbesondere im Siedlungsgebiet erreicht wird». Gemäss Bruderer sei es beispielsweise Pflicht, dass bei Neuüberbauungen immer das Freiraumkonzept und somit auch der ökologische Aspekt berücksichtigt werde.

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