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Schwule müssen weiter kämpfen: In Wil diskutierten Politikerinnen und Politiker über Gleichberechtigung

Homosexualität löst in unserer Gesellschaft immer noch Kontroversen aus. Das zeigte ein Podium im Hof zu Wil.
Rolf Hürzeler
Die Diskussionsteilnehmer waren sichtlich bemüht, kontroverse Fragen nicht zu dramatisieren. (Bild: PD)

Die Diskussionsteilnehmer waren sichtlich bemüht, kontroverse Fragen nicht zu dramatisieren. (Bild: PD)

Der St.Galler Stadtparlamentarier Gallus Hufenus will sich «einfach nur wohl fühlen». Dies fällt ihm zuweilen schwer, weil er noch immer bedrohliche Augenblicke erfährt, wenn er mit seinem Partner Philipp Schönbächler unterwegs ist. Sie kandidieren für den Nationalrat; Hufenus auf der SP-Liste, Schönbächler als kantonaler Vizepräsident der Grünliberalen.

Die beiden nahmen am Donnerstagabend im Hof zu Wil an einem Podiumsgespräch mit dem Titel «Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans-, und Intersexuellen 50 Jahre nach Stonewall» teil, organisiert von der «Network»-Regionalgruppe Ostschweiz. Vor dem Lokal Stonewall in New York kam es 1969 zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Schwulen, die der LGBT-Bewegung heute als Signal für ihren Kampf gegen Diskriminierung gilt.

Kontroverse Fragen zaghaft diskutiert

Unter der Leitung von Stefan Millius, Chefredaktor «Die Ostschweiz», diskutierten auch die für den Nationalrat Kandidierenden Monika Scherrer, Gemeindepräsidentin von Degersheim (CVP), Lisa Leisi, Präsidentin der EDU Kanton St.Gallen, sowie der Wiler FDP-Stadtparlamentarier Jigme Norbu Shitsetsang. Nach einem engagierten Plädoyer von Scherrer für eine «Ehe für alle» setzte Lisa Leisi andere Akzente. Für sie ist «die Ehe ausschliesslich eine Verbindung zwischen Mann und Frau, die sich nicht beliebig ausweiten lässt». Sie wunderte sich, dass die Ehe für viele heute «aus durchsichtigen Gründen plötzlich wieder attraktiv ist, einzig damit Schwule Kinder adoptieren können».

Andernorts hätte diese Meinungsäusserung allenfalls zu Protest geführt. Nicht so an diesem Podiumsgespräch, an dem sich alle Teilnehmer mit grossem Respekt begegneten. Man war sichtlich bemüht, die kontroversen Fragen nicht zu dramatisieren. Monika Scherrer brachte verschiedene Formen der Diskriminierung aufs Tapet, die heute noch verbreitet seien, «zum Beispiel unbedachte Witze» über Schwule:

«Was soll daran lustig sein?»

Leisi kritisierte dagegen eine «umgekehrte Diskriminierung von Christen, die das Wort Gottes ernst nehmen». Diese sähen sich heute zusehends mit Denk- und Redeverboten konfrontiert, wenn sie sich beispielsweise für Therapiemöglichkeiten für Homosexuelle einsetzten, die sich heterogen ausrichten möchten. Spätestens jetzt bekam man im Publikum den Eindruck, dass sich alle irgendwie diskriminiert fühlen können.

Die sexuelle Orientierung spielt keine Rolle

Moderator Millius stellte die Frage, ob LGBT-Menschen ihrerseits allenfalls für zu viel Aufmerksamkeit sorgten, etwa mit einer Gay-Pride-Parade in Zürich. Hufenus und Schönbächler räumten ein, dass eine solche öffentliche Veranstaltung tatsächlich irritieren könne.

«Aber vorderhand brauchen wir sie noch, solange unsere Lebensform nicht überall selbstverständlich ist.» Das ist sie tatsächlich nicht, wie die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann zu Beginn der Veranstaltung in ihrem Grusswort sagte. Sie brachte dabei vorab den wichtigsten Aspekt der persönlichen sexuellen Orientierung präzise auf den Punkt: «Mir ist es egal.»

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