Schwingen
Hartes Training und viel Teamwork: Das steht am Ursprung des Überraschungssiegs von Damian Ott

Am Samstag wurde in sämtlichen Medien in der Schweiz von Damian Ott aus dem Toggenburg gesprochen. Der Sennenschwinger des Schwingklubs Wil gewann als Überraschungsmann des Tages den Bergklassiker auf dem Weissenstein und wurde plötzlich national bekannt. Doch wer ist eigentlich dieser Damian Ott?

Pascal Schönenberger
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Damian Ott (links) gewann am Samstag überraschend den 70. Weissenstein-Schwinget.

Damian Ott (links) gewann am Samstag überraschend den 70. Weissenstein-Schwinget.

Bild: Marcel Bieri / KEYSTONE

Am Freitag, 28. Januar 2000, erblickte Damian Ott als jüngster von acht Kindern das Licht der Welt. Die Eltern Romi und Oskar Ott betreiben im 400-Seelen-Dorf Dreien, welches zur Gemeinde Mosnang gehört, einen Landwirtschaftsbetrieb, wo der Weissenstein-Sieger auch aufwuchs.

Bereits mit sechs Jahren absolvierte er als Jungschwinger sein erstes Schwingtraining im Schwingkeller in Wil. Sein Bruder Raphael Ott motivierte ihn für den Schwingsport und mit viel Freude und Leidenschaft übte er den Schweizer Nationalsport aus. Hans Trummer war sein erster Jungschwingerleiter beim Schwingclub Wil und unter ihm wuchs auch der inzwischen zurückgetretene Daniel Bösch zu einem Spitzenschwinger heran.

Als Sennenschwinger bestritt Ott seine Jungschwingertage, konnte diverse Festsiege beim Nachwuchs feiern und reiste fast immer mit dem Zweig nach Hause. Die erfolgreichen Jungschwingertage waren Motivation, um immer besser zu werden.

Verbunden mit den Traditionen

Nicht nur der traditionelle Schwingsport macht dem 21-jährigen Mann Spass. Er ist auch Mitglied beim lokalen Treichlerverein. Die Traditionen liegen dem «Dreier» am Herzen. So suchte er sich auch ein Beruf mit Tradition aus und absolvierte bei der Firma Müller in Wil die Lehre als Zimmermann, welche er vor einigen Jahren erfolgreich abschloss.

Noch heute arbeitet er in dieser Firma. Irgendwie passt alles zusammen. Holz, Sägemehl und Traditionen: ein richtiger Schwinger also. Auch am Schwingfest pflegt Ott das Traditionelle, kleidet er sich doch jeweils in der Toggenburger Tracht und nimmt so den Kranz entgegen.

Schon früh Talent gezeigt

Dass er Gespür und Talent für das Schwingen hat, wurde bereits bei den Jungschwingern klar. Dank seiner Grösse von über 1,95 Metern und einem Gewicht von knapp 100 Kilogramm ist er für seine Kontrahenten ein unangenehmer Gegner. Bereits im Jahr 2017 sicherte er sich seinen ersten Kranz am St.Galler Kantonalschwingfest im Eisstadion von Rapperswil. Darauf folgte im Jahr 2018 der erste Teilverbandskranz am NOS Schwingfest in Herisau. Und dank der guten Saison 2019 qualifizierte er sich für das Eidgenössische Schwingfest in Zug.

Sei es mit Standschwüngen oder auch am Boden: Ott hat seine Technik im Griff und möchte sie ständig verbessern. Die konsequente Bodenarbeit und harte Arbeit waren am Samstag das Erfolgsrezept für den Sieg am Weissenstein-Schwinget. Dank diesem Willen absolvierte er auch in Zug die acht Gänge am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest.

Bereits 2019 konnte er den Sertig-Schwinget in Davos gewinnen und Anfang dieser Saison den Rüfeli-Schwinget in Untervaz. Nebst den zwei Rangfestsiegen gehören sechs Kränze zu seinem Palmarès.

Hartes Training und gutes Team machen sich bezahlt

Das junge Toggenburger Team, dem auch Damian Ott angehört, pusht sich zurzeit so sehr, dass sich der Erfolg von Fest zu Fest mehr einstellt. Für diese Erfolge sind jedoch viele Faktoren nötig. Die Schwinger wie Werner Schlegel, Marcel Räbsamen, Lars Rotach, Damian Ott oder Pascal Heierli motivieren sich gegenseitig.

So absolvieren sie zusammen sechs Trainings in der Woche. Zweimal wöchentlich stehen Konditionstrainings bei Robin Städler, dem ehemaligen Konditionstrainer von Schwingerkönig Jörg Abderhalden, auf dem Programm. Städler arbeitet äusserst professionell mit den jungen Schwingern und adaptiert das Konzept aus den Zeiten mit Jörg Abderhalden. Der Erfolg zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Städler trainierte schon mit Sara Meier, Jonas Hiller oder dem HC Davos auf ihre sportlichen Erfolge.

Aber nicht nur das Konditionstraining spielt eine Rolle, sondern auch das Training im Sägemehl. Der ehemalige Spitzenschwinger Urban Götte steht jede Woche mit dem Toggenburger Team im Sägemehl und führt die Trainingseinheiten. Insgesamt absolviert Ott vier Schwingtrainings in der Woche – und am Wochenende noch Schwingfeste. Ein absolutes Monsterprogramm nebst seinem 100-Prozent-Job als Zimmermann. Im Hintergrund sind aber auch Roman Bleiker und die weiteren ehemaligen Spitzenschwinger wie Jörg und Beat Abderhalden mitverantwortlich für die optimale Betreuung von Ott und Co.

Für den 21-jährigen Toggenburger war der Sieg auf dem Weissenstein ein erster Schritt in Richtung Spitze des Schwingsports. Er möchte sich stetig verbessern und sein Niveau von Fest zu Fest und von Saison zu Saison steigern. Mit einem solchen Willen und Biss darf man sich von dieser neuen Generation rund um Damian Ott noch viel erhoffen.