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Schwierige Zeiten: Kino City in Uzwil beisst sich durch

Verändertes Freizeitverhalten, Konkurrenz und seit Frühling auch noch anhaltend schönes Wetter: Die Voraussetzungen für Kinopächter Pascal Nussbaumer könnten schlechter nicht sein. Er malt sich für das Kino City keine rosige Zukunft aus.
Angelina Donati
Pascal Nussbaumer ist Herr des Kinos City in Uzwil. Rund 40 Prozent aller Filme zeigt er in 3D, wofür dem Gast eine spezielle Brille ausgehändigt wird. (Bilder: Angelina Donati)

Pascal Nussbaumer ist Herr des Kinos City in Uzwil. Rund 40 Prozent aller Filme zeigt er in 3D, wofür dem Gast eine spezielle Brille ausgehändigt wird. (Bilder: Angelina Donati)

Es ploppt im Kessel der Popcornmaschine im Retro-Design. Der Berg an puffigen Körnern wächst und wächst. Ein feiner Duft strömt durch den Eingangsbereich des Kinos City in Uzwil. Pächter Pascal Nussbaumer ist in seinem Element und bereitet sich auf die ersten Kinobesucher dieses Nachmittags vor. Ein Knopfdruck hier, ein Kontrollblick da und zu guter Letzt schliesst er vorsichtig die Türen der beiden Säle. Jetzt heisst es: Film ab für «Mein Freund, die Giraffe» und «Hotel Transsilvanien 3».

Die Besucher, die sich bei diesen sommerlichen Temperaturen ins Kino «verirrt» haben, wie man beinahe sagen könnte, lassen sich an zwei Händen abzählen. «Der Sommer trocknet nicht nur die Flüsse und Seen aus, sondern auch das Kino», sagt Pascal Nussbaumer. Er nimmt auf einem Stuhl im Foyer Platz, stets mit dem Blick auf einen der Bildschirme. «Seit drei Monaten fehlt uns das Publikum.» Genau genommen sinke die Zahl der Besucher bereits seit März. Ein Rückgang, der bedenklich ist. «Im Sommer steht und fällt unser Geschäft mit dem Wetter», begründet Nussbaumer und fügt gleich hinzu: «Das betrifft aber nicht nur uns als kleines Kino, sondern alle, also auch die grossen.» Neu sei diese Erkenntnis zwar nicht, dennoch ist es dieses Mal anders. Denn ein Sommer wie dieser, mit lang anhaltend hohen Temperaturen, sei selten.

Hinzu kommt, dass das Uzwiler Kino genau ab diesem Jahr auf eigenen Füssen hätte stehen sollen. Es ist das dritte Jahr in den Händen Nussbaumers. Die beiden Jahre zuvor habe er mit seinem anderen Kinobetrieb in Wetzikon quersubventionieren können. Dort aber brach der harte Konkurrenzkampf auf demselben Raum dem kleinen Kino das Genick. Nussbaumer musste es schliesslich auflösen.

Verlässlich sein und konstant bleiben

Das Kino City hat auch im Sommer wie gewohnt geöffnet.

Das Kino City hat auch im Sommer wie gewohnt geöffnet.

Während dem Kinobesitzer in Zürich gerade wegen der Konkurrenz beim Kauf der Filmrechte oft die Hände gebunden waren, hat er immerhin hier in Uzwil freie Hand. Denn nur mit Filmen, die richtig ziehen, könne das Geschäft funktionieren. «Der Mix muss stimmen», sagt Pascal Nussbaumer und zeigt auf das aktuelle Programm: Von Animationsfilmen, Trickfilmen über romantische Geschichten bis hin zum Film über den Papst – für jedes Alter und jeden Geschmack hat es etwas dabei.

Um den Kinobesuchern auch gleich einen nächsten Film schmackhaft zu machen, stimmt Nussbaumer jeden einzelnen Trailer und jede eingeblendete Werbung auf das entsprechende Zielpublikum ab. «Solche Anreize bieten die Chance, dass die Besucher bald wieder vorbeischauen», sagt er. Bildlich gesprochen seien Kinobesucher wie Surfer auf einer Welle – und genau diese Wellenbewegung gelte es, so lange wie nur möglich beizubehalten.

Eine wohl einfache Sache wäre es, den Betrieb während der Sommermonate zu schliessen oder zumindest zu reduzieren. Für Pascal Nussbaumer ist das keine Option. Er gestalte das Programm stets so, als wären es Regentage. «Man muss verlässlich sein und darf die Leute nicht auflaufen lassen.» Natürlich könne der Betrieb nicht rentieren, wenn lediglich eine oder zwei Personen im Saal sitzen. «Wer einmal vor geschlossenen Türen steht, sich aber extra den Nachmittag freigenommen hat, wird es nicht ein zweites Mal probieren.»

Sparen und doch versuchen, sich abzuheben

Die doch sehr schwierige Situation bedingt, dass mit den Finanzen äusserst haushälterisch umgegangen werden muss. Will heissen, dass für den gesamten täglichen Betrieb jeweils nur noch eine Person eingesetzt wird. Ausserdem wurde die Zahl der Zeitungsinserate heruntergeschraubt. Und auch bei den Lebensmitteleinkäufen wird mit Bedacht gewählt.

Ein Eyecatcher ist die Popcorn-Maschine im Retro-Design.

Ein Eyecatcher ist die Popcorn-Maschine im Retro-Design.

Was nicht heissen will, dass das Sortiment klein gehalten wird – ganz im Gegenteil. Die Auswahl an Getränken und Snacks im Kino City in Uzwil ist riesig. Hier möchte sich Pascal Nussbaumer klar von der Konkurrenz abheben. Wie auch mit einem speziellen, sogenannten aktiven 3D-System. Dieses ist im Unterhalt zwar um einiges teurer, die Sehqualität und somit das Filmerlebnis ist dafür umso grösser.

Weitermachen und die positive Einstellung bewahren
All die äusseren, ja unaufhaltbaren Faktoren, etwa auch das veränderte Freizeitverhalten der Leute, die dem Kinobetrieb das Leben schwer machen, nennt Pascal Nussbaumer «part of the game». Auch betont er, dass davon nicht nur das kleine Kino in Uzwil betroffen ist, sondern die ganze Branche damit zu kämpfen hat. «Entweder man ‹händelt› es, oder man hört auf», sagt Nussbaumer unumwunden. Ende Jahr möchte er das laufende Jahr mit den äusserst schlecht besuchten Sommermonaten genau unter die Lupe nehmen und analysieren.

Fakt ist bereits jetzt, dass vor drei Jahren die Zuschauerzahlen noch leicht angehoben werden konnten und sie nun wieder beginnen zu sinken. Ins Bockshorn jagen lassen will er sich deswegen nicht. «Ganz klar habe ich es mir einfacher vorgestellt. Doch man muss vorwärts schauen.» Rosig malt er sich die Zukunft für die Kinobranche dennoch nicht aus. «Kinos wie dieses werden mittelfristig von der Bildfläche verschwinden.»

Das Rezept Nussbaumers ist, weiterzumachen, und zwar mit der positiven Grundeinstellung wie bis anhin. «Das Wichtigste überhaupt ist doch, dass man seinen Job gerne macht.» Für den Filmkenner und Liebhaber sei es das Grösste, die Filme auszuwählen, sie ganz alleine im grossen Kinosaal auf sich wirken zu lassen und gleichzeitig den passenden Abschnitt für die Pause zu bestimmen.

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