Interview

Schwierige Zeit für Messebaubranche – Beat Müller, Geschäftsführer der Syma aus Kirchberg: «Wir leben in einer Zeit mit unsicheren Perspektiven»

Die Coronapandemie stellt Messebau-Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Wie sich die Lage für die Branche darstellt, erklärt Beat Müller, Geschäftsführer der Syma-System AG, am Beispiel der Kirchberger Firma.

Fabio Giger
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Beat Müller führt die Kirchberger Syma-System AG durch eine turbulente Zeit.

Beat Müller führt die Kirchberger Syma-System AG durch eine turbulente Zeit.

Bild: Benjamin Manser (3. Mai 2020)

Wann dürfen wir wieder an Messen gehen?

Beat Müller: Wenn es nach mir ginge, sofort. Mit der aktuellen Pandemieentwicklung und den geplanten Schutzkonzepten für Messen, wäre dies meiner Ansicht nach auch umsetzbar. Leider kann ich das aber nicht selber bestimmen. Wir als Unternehmen, aber auch unsere Mitarbeiter, würden gerne wieder das tun, wofür wir da sind und was wir gut können.

Was sagt Ihnen Ihr Gefühl?

Es gibt verschiedene Faktoren, die da reinspielen. Zuerst muss die Regierung das Veranstaltungsverbot aufheben. Aber auch wenn das geschieht, ist der Herbst noch längst nicht gesichert.

Wieso nicht?

Auch der Veranstalter muss sich Gedanken machen: Führe ich eine Messe durch oder nicht? Der Aufwand, die Hygienemassnahmen umzusetzen, ist nicht zu unterschätzen. Auch die Aussteller müssen teilnehmen wollen und ganz am Schluss dürfen auch die Besucher nicht ausbleiben. Bei internationalen Messen kommt es zudem auf die Einschränkungen beim Reisen an.

Vor zwei Monaten hat sich gezeigt: Der ganze Messe-Frühling fällt ins Wasser. Jetzt stehen auch die Messen vom Herbst und damit die wichtigste Saison für Ihre Branche auf der Kippe.

Wir leben tatsächlich in einer Zeit mit unsicheren Perspektiven. Die aktuelle Entwicklung stimmt uns aber positiv und wir sind zuversichtlich, dass nicht der komplette Messe-Herbst ins Wasser fällt. Die Branche ist aber angewiesen auf die Aufhebung des Verbots für Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen.

Was macht der Chef einer Messebaufirma, wenn keine Messen stattfinden?

In erster Linie muss ich dafür sorgen, dass das Unternehmen trotz der Ausnahmesituation, so gut es geht, läuft. Das heisst zum Beispiel: mit neuen Produkten Umsätze machen, die Massnahmen zum Schutz der Mitarbeiter umsetzen, die Digitalisierung vorantreiben, uns vorbereiten auf ein optimales Hochfahren des Betriebs und einiges mehr. Zum Glück stehe ich aber nicht alleine da und darf auf meine Kolleginnen und Kollegen zählen, die das Unternehmen wertvoll unterstützen. Es bietet sich nun aber auch Zeit, Projekte anzugehen, für welche bei gewöhnlichen Wirtschaftsbedingungen keine Zeit vorhanden ist. Wir beschäftigen uns aber auch stark mit strategischen Themen und Innovationen und treiben Produktentwicklungen voran.

Inwiefern?

Seit kurzer Zeit vertreiben wir Desinfektionsmittelspender, die ein Kernteam der Syma entworfen hat. Die Nachfrage nach diesen Spendern ist relativ gross und wird nicht so schnell abbrechen. Unser aktuelles Kerngeschäft ist aber der Vertrieb oder Verleih von Trennwänden. Solche werden jetzt in Restaurants zwischen Tischen gestellt. Allerdings fehlt den Gastrobetrieben das Geld oder sie wissen sich anderweitig zu helfen – der Absatz ist entsprechend noch ausbaufähig.

Vereinzelte Messen im Ausland sind notgedrungen auf Digital-Events umgestiegen. Gibt es Bestrebungen, mehr auf digitale Lösungen zu setzen?

Digital-Events sind ein aufstrebendes Konzept, ganz klar. Unsere Kernkompetenz ist aber die Livekommunikation. Wir glauben, dass die physische Messe nicht durch ein digitales Format ersetzt werden kann. Aber eine Kombination der Formen ist schon lange zu beobachten und wird durch die Krise vorangetrieben.

Sehen Sie auch Lichtblicke aus der Messebranche?

In Deutschland wurden gerade kürzlich erste Messen bestätigt und können durchgeführt werden. Seit dem 30. Mai ist es jedem Bundesland freigestellt, ob Fachmessen und -kongresse bewilligt werden können. Anfang September wird in Düsseldorf beispielsweise der Caravan-Salon stattfinden oder im Oktober die Expo Real in München. Diese Zeichen stimmen mich zuversichtlich, auch für Messen hierzulande.

Werden Aussteller nach der Krise überhaupt noch Geld in die Hand nehmen, um an Messen zu gehen?

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass Messen auch in Krisen ein wichtiges Marketinginstrument sind, obwohl die Budgets stark unter Druck geraten. Syma kann hier auf ein breites Produktportfolio zurückgreifen und relativ rasch auf neue Ausgangslagen reagieren, auch dank der Flexibilität unseres Systems. Zudem haben unsere Kunden bestätigt, dass sie Messen auch weiterhin als Marketingplattformen nutzen möchten. Wie die Pläne kurzfristig für diesen Herbst aussehen? Das ist für Aussteller wie für uns sehr schwierig zu beurteilen.

Denken Sie da auch an die Olma?

Die Olma ist ein ganz wichtiger Partner für uns. Sie gehört aber auch weit über die Region hinaus schon fast zu einer Kultur und ist bei vielen Leuten fester Bestandteil in der Agenda. Eine Absage wäre für alle Beteiligten sehr schade. Für die Bevölkerung, unsere Branche, aber auch die Veranstalter. Ich freue mich für alle Beteiligten, wenn sie durchgeführt werden kann, hätte aber auch Verständnis für eine Absage.