Schwierige Situation für Flawil

FLAWIL. Die St.Galler Regierung bedauert den Entscheid der Firmenleitung der Flawa AG, ab 2014 etwa 100 Arbeitsplätze nach Polen zu verlagern. Sie bringt aber auch zum Ausdruck, es handle sich um einen unternehmerischen Entscheid.

Hans Suter
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Bei der Firma Flawa kommt es zu einem Aderlass. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bei der Firma Flawa kommt es zu einem Aderlass. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Mit Bestürzung nahm die Öffentlichkeit die Botschaft zur Kenntnis, dass die Firma Flawa in Flawil einen Grossteil der Produktion nach Polen verlegen wird», halten die beiden Flawiler SP-Kantonsräte Daniel Baumgartner und Peter Hartmann fest. Sie richteten am 29. Januar eine Einfache Anfrage mit acht Fragen an die St. Galler Regierung. Nun liegen die Antworten vor.

Regierung bedauert

«Am 23. Januar informierte die Flawa AG das Volkswirtschaftsdepartement und tags darauf die Öffentlichkeit darüber, dass sie beabsichtige, ab Frühjahr 2014 einen Teil der Produktion nach Polen zu verlegen. Damit geht ein schrittweiser Abbau von bis zu 100 Stellen einher», bestätigt die Regierung in ihrer Antwort. Und kommentiert: «Die Regierung bedauert den Entscheid der Firmenleitung, Arbeitsplätze nach Polen zu verlegen, ausserordentlich und ist sich bewusst, dass damit Arbeitnehmende und ihr persönliches Umfeld vor einer ungewissen Zukunft stehen.» Sie räumt aber auch ein, diese Verlegung von Arbeitsplätzen sei ein nach längerer Evaluation erfolgter unternehmerischer Entscheid.

Die SP-Kantonsräte Daniel Baumgartner und Peter Hartmann wünschten von der Regierung überdies zu wissen, wie sie das Stellenangebot im Kanton St. Gallen für Arbeitnehmende mit wenig Qualifikation beurteilen, welche Auswirkungen die Schliessung für Flawil habe und wie aktiv die Wirtschaftsförderung sei.

Beurteilung der Situation

Die Lohn- und Preiskonkurrenz mit Produkten aus Billiglohnländern ist in den Augen der Regierung eine lange andauernde Entwicklung, die im Kanton tatsächlich zu einem stetigen Strukturwandel geführt habe. «In unserem Kanton war davon insbesondere die Textilindustrie betroffen. Mit der raschen Schwächung des Euro hat sich diese Situation in den letzten zwei Jahren akzentuiert», schreibt die Regierung. «Unser Wirtschaftsstandort wird deshalb bei einfacheren und kostenintensiven Tätigkeiten vermehrt herausgefordert sein.» Dennoch sei die Regierung überzeugt, dass mit einer konsequenten Ausrichtung auf die langjährigen Erfolgsfaktoren Innovation und Internationalisierung in neue Märkte auch Arbeitsplätze für weniger qualifizierte Mitarbeitende am Standort gesichert werden und auch neue entstehen können.

Auswirkungen auf Flawil

Für die Politische Gemeinde Flawil ist die Beurteilung und Einschätzung möglicher Auswirkun-gen auf die Gemeinde nach Auffassung der Regierung «sehr schwierig». Auswirkungen seien davon abhängig, wie viele der vom Stellenabbau betroffenen, in Flawil wohnhaften Mitarbeitenden eine neue Arbeitsstelle finden würden. «Je mehr Betroffene keine neue Stelle mehr finden können, desto stärker wird die kommunale Sozialhilfe betroffen sein», räumt die Regierung ein. Ob und wie weit sich aus dieser Entwicklung weniger Steuereinnahmen ergeben, sei davon abhängig, ob eine Kompensation durch erwerbstätige Neuzuzügerinnen und Neuzuzüger erfolge.

AWA-SG bietet Unterstützung

Das Amt für Wirtschaft (AWA) unterstütze ansässige Unternehmen bei vielfältigen Fragestellungen, schreibt die Regierung weiter. «Dessen Hauptabteilung <Standortförderung> ist 2010 bezüglich der Ausbauplanung mit der Flawa AG in Kontakt gewesen.» Ebenso im Januar 2013, als der Kanton über die Verlagerungsabsicht informiert worden sei. «Wird die Massnahme effektiv umgesetzt, wird die Standortförderung dem Unternehmen und der Gemeinde für die Evaluation einer neuen Nutzung der Räume eine Unterstützung anbieten.»

Aktionsplan in Auftrag gegeben

Dass es für Personen mit wenig Qualifikation oft schwierig ist, eine adäquate Berufstätigkeit zu finden, ist der Regierung bewusst. Zur Umsetzung der wirtschaftspolitischen Ziele ihrer Schwerpunktplanung hat sie die Ausarbeitung des Aktionsplans «Wirtschaftsstandort 2025» in Auftrag gegeben. Dieser soll unter anderem auch Akzente betreffend der Verfügbarkeit von tiefer qualifizierten Stellen setzen. «Zu diesem Ziel tragen auch immer wieder Ansiedlungen neuer Unternehmen bei, die tiefer qualifizierte Arbeitsplätze nach sich ziehen – z. B. Aldi Suisse in Schwarzenbach, unweit von Flawil» – schreibt die Regierung. Ebenso trage die Förderung des Tourismus dazu bei, dass in den Bereichen Gastronomie oder Reinigung ein Bedarf an weniger qualifizierten Arbeitskräften bestehen bleibe. Stellen ohne spezifische Berufsanforderungen indes sind gemäss Statistik relativ rasch besetzt.

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