Schwelgen in höchsten Tönen

In der Alten Zwirnerei spielte das bewährte Trio um Otto Horsch Perlen der Romantik. Auf dem Programm standen Werke von Schumann und Brahms. Die leidenschaftliche Musik wurde durch den Vortrag von themenverwandten Gedichten ergänzt.

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Konzentriert im romantischen Hexenkessel der Gefühle: Philip Horsch (Violine), David Sonder (Piano) und Otto Horsch (Cello). (Bild: pd)

Konzentriert im romantischen Hexenkessel der Gefühle: Philip Horsch (Violine), David Sonder (Piano) und Otto Horsch (Cello). (Bild: pd)

BAZENHEID. Einmal mehr führte der Kirchberger Musiker Otto Horsch seine schon fast zur Tradition gewordene noble Geste weiter, wie Stiftungsratspräsident Jürg Aeschlimann bei der Begrüssung sagte. Seit einigen Jahren nämlich feiert Otto Horsch seinen Geburtstag und den fast damit zusammenfallenden seines Sohnes Philip mit einem öffentlichen Konzert in der Alten Zwirnerei. Wie schon beim Konzert vom vergangenen Sommer sass auch diesmal wieder Pianist David Sonder mit auf dem Podium.

Hexenkessel der Gefühle

Es standen zwei Schlüsselwerke der Romantik im Zentrum. Mit Robert Schumanns Erstem Klaviertrio (op. 63) und dem H-Dur-Trio von Johannes Brahms (op. 8) befand man sich auch entstehungsgeschichtlich im Herzen der Romantik. Philipp Horsch, Otto Horsch und David Sonder, alle drei der klassischen Musik in unserer Region verbunden, intonierten die zu Recht als «schwierig» geltenden Werke mit grosser Hingabe.

Schumann schrieb sein Klaviertrio op. 63 im «Kammermusikjahr» 1842, in einer Zeit, als er sich kompositorisch intensiv mit Bach auseinandersetzte. Die ersten drei Sätze mögen etwas davon spüren lassen, dass Schumann sie «in einer Zeit düsterer Stimmungen» schrieb: Leidenschaftliche Unruhe dominiert den ersten Satz und das Scherzo. Auch das Adagio in a-Moll, der einzige langsame Satz, ist in seiner Rhythmik noch von der Unruhe geprägt, die das gesamte Trio charakterisiert. Das triumphale Finale erklang sehr kräftig und wirbelte sich am Schluss höchst intensiv, fast explosionsartig in die Luft. Der Satz ist zu Recht von Schumann «Mit Feuer» überschrieben, und mit Feuer wurde er auch intoniert, stellenweise ein wahrer Hexenkessel.

Jugendwerk mit Reifespuren

Etwas anders liegen die Dinge bei Brahms' opus 8, für viele ein Schlüsselwerk der Romantik und für Brahms überhaupt. Er hat es in jungen Jahren hingeschrieben und 1854, als 21-Jähriger, dem ersten Notenkonvolut zugesellt, den sein Verleger Simrock als Werke des jugendlichen Wunderkindes veröffentlichte. In den Jahren der Reife hat Brahms sein Jugendopus 1889 noch einmal überarbeitet, mit zum Teil weitgehenden Veränderungen. Die drei Musiker gaben auch hier alles und loteten die Leidenschaftlichkeit und den gereiften Formwillen des Komponisten aus. Bei den oft fast schmerzvoll intensiven Tönen in den höchsten Lagen, hervorgerufen von einer entfesselten Violine und einem furiosen Piano, empfand man die seelenvoll gespielten ruhigeren Passagen des Violoncellos als wohltuend.

Die musikalische Gefühlssprache wurde durch textuelle ergänzt. In einem Gedichtvortrag mit kommentierenden Passagen trug Germanist Peter Küpfer zunächst zwei «Programmgedichte» der deutschen Romantik vor, Brentanos «Eingang» und Eichendorffs «Mondnacht», das von Schumann in seiner Liedfassung um die ganze Welt ging. Peter Küpfer erinnerte an den Zwiespalt der deutschen Romantiker, die gerade auch durch die Kunst den tiefen Graben überwinden wollten, welcher das Materielle von der geistigen Sphäre trennt. Wie er ausführte, ist dieser Graben auch heute noch höchst aktuell. Den Schluss des Vortrages machte Hans Carossas beruhigendes Gedicht «Der alte Brunnen», welches das Leben als Wanderschaft fasst, in dem wir Wanderer auch immer wieder auf einen uns erfrischenden Brunnen oder ein gastliches Dach hoffen dürfen. (pd)