Schweizer Fleisch hat Potenzial

UZWIL.Die Schweizer Fleischproduzenten stehen unter Druck – vor allem die Schweinezüchter. Die Preise entwickeln sich konstant nach unten. Doch an der Anicom-Tagung in Uzwil sahen die Referenten auch Lichtblicke und Chancen für den Schweizer Fleischmarkt.

Martin Brunner
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Die Referenten Martin Keller und Walter Mock im Gespräch. (Bild: Martin Brunner)

Die Referenten Martin Keller und Walter Mock im Gespräch. (Bild: Martin Brunner)

«Wir alle haben ein Ziel.» Damit meinte Walter Mock, Präsident des Regionalausschusses der Anicom, alle am Fleischmarkt Beteiligten, vom Produzenten bis zum Verkäufer. «Wir setzen uns für gesundes und nachhaltiges Schweizer Fleisch ein», sagte er an der gestrigen Anicom-Regionaltagung in Uzwil, an der Schweineproduzenten und Munimäster aus der Ostschweiz teilnahmen. «Dabei setzen wir auf Qualität und Wirtschaftlichkeit. Wir müssen die Produktionskosten decken und wollen auch etwas verdienen.»

Nur noch Restgeld-Empfänger

Dass dies nicht immer gelingt, zeigte Paul Steiner anhand der Schweinefleischproduktion. Der Bereichsleiter Ostschweiz wies auf die ständig rückläufigen Preise hin. Das hänge mit der gestiegenen Produktion und der verminderten Nachfrage zusammen. Aktivitäten im Gastrobereich und im Detailhandel hätten die Situation etwas verbessert. Einige Teilnehmer hatten aber kritische Gedanken bereit. Sie wollten wissen, warum sinkende Preise meist sofort an die Produzenten überwälzt würden, steigende Preise aber nur sehr langsam. Einer sagte, dass sie zu Restgeld-Empfängern geworden seien. Steiner erklärte, dass eine gewisse Verzögerung normal sei und der immer höhere Verarbeitungsgrad zusätzliche Kosten verursache. Seine Antwort besänftigte die Votanten nur teilweise. Positiv sieht die Entwicklung bei den Schlachtkälbern, den Munis und den Kühen aus.

Wert des Fleisches

Trotz allem war Steiner überzeugt von den Chancen des Schweizer Fleischs. Es gelte den Mehrwert der inländischen Produktion zu vermarkten. Er nannte dabei die Regionalität, die Swissness, den hohen Standard beim Tierwohl, die Familienbetriebe und den Wert des Fleisches für die Gesundheit. Zudem stiegen mit der Bevölkerung auch der Markt und der Absatz.

Die positiven Seiten sah auch Martin Keller, Geschäftsführer des Landwirte-Unternehmens Fenaco, in seinem Referat «Zukunftschancen für Schweizer Lebensmittel». Eigenschaften wie hohe Produktequalität, schonender Umgang mit Ressourcen, Transparenz und Rückverfolgbarkeit, Stadtnähe oder Vertrauen seien in der Bevölkerung stark verankert.

Vor allem angesichts des Einkaufstourismus erwähnte Keller aber grosse Herausforderungen im Fleischmarkt. Der Konsument erwarte bei sinkenden Lebensmittelpreisen eine immer höhere Qualität. Das erfordere Effizienz entlang der Wertschöpfungskette, die konsequente Steigerung der Qualität, die Balance zwischen Produktivität, Ökologie und Tierwohl sowie eine angemessene Durchsetzung der Preisdifferenzierung für Swissness. Vor allem im letzten Bereich konnte die Fenaco einige Innovationen lancieren.

Dazu gehören die «2er Picknickeier», der Süssmost «Hochstämmer», Snacks aus Schweizer Rindfleisch oder die Schweizer Curry-Wurst. Er freute sich, dass solche Produkte auf dem Markt gut akzeptiert worden sind.