SCHWARZENBACH: «Schnellschuss» versus «Kompromiss»

Die Rentenreform 2020 ist umstritten. Das zeigte sich an einer Veranstaltung der SP Jonschwil-Schwarzenbach, an der die Vorlage diskutiert wurde. Auf dem Podium standen sich Arber Bullakaj (SP) und Erich Baumann (FDP) gegenüber.

Philipp Stutz
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Philipp Stutz

philipp.stutz@wilerzeitung.ch

Die Altersvorsorge in der Schweiz steht vor einer düsteren Zukunft. Die Lebenserwartung steigt, und das Alterskapital wirft weniger Zins ab als früher. Die Rentenreform 2020 reagiert auf diesen Wandel und will AHV und berufliche Vorsorge bis 2030 auf eine sichere Basis stellen. Roland Bischof, AHV-Revisor und Präsident der SP Oberuzwil, leitete am Mittwoch eine Podiumsdiskussion zu diesem Thema. Als Befürworter gab sich Arber Bullakaj (SP), Unternehmer und Stadtparlamentarier in Wil, zu erkennen. Erich Baumann (FDP), Bankangestellter und Kantonsrat aus ­Flawil, vertrat den ablehnenden Standpunkt. Das Publikumsinteresse an dieser Veranstaltung war bescheiden.

«Rentenreform ist ein guter Kompromiss»

Roland Bischof hatte sich gut auf die Diskussion vorbereitet, Daten und vor allem Zahlen zur Rentenreform auf einem Informationsblatt festgehalten. Dabei wurde schnell klar, dass es sich hier um eine äusserst komplexe Materie handelt. «Die AHV betrifft uns alle, es handelt sich um eine wichtige Vorlage», sagte Arber Bullakaj. Als klarer Befürworter bezeichnete er die Rentenreform als guten Kompromiss. Eine Revision sei zwar dringend nötig, aber nicht mit dieser Vorlage, entgegnete Erich Baumann. «Wir müssen flexibler werden, die Rentensituation ist statisch geworden, das Geld fehlt.» Die Pensionskassen rentierten nicht mehr im gleichen Ausmass wie früher. Neurentner sollen gemäss Vorlage 70 Franken mehr AHV-Rente pro Monat erhalten, Ehepaare 140 Franken. Der Plafond für Ehepaare wird dabei von 150 auf 155 Prozent erhöht. Damit steigt die Ehepaarrente um maximal 226 Franken.

Nochmals über die Bücher gehen

Baumann erachtet diesen finanziellen Anreiz als verfehlt. «70 Franken für Neurentner flächendeckend auszugeben, ist verschenktes Geld. Es handelt sich um einen Schnellschuss.» Bullakaj sagte, mit der Revision würden Ungerechtigkeiten verringert und Bürger mit tiefen und mittleren Einkommen profitierten. Die dritte Säule ermögliche steuervergünstigtes Sparen, werde aber massiv vernachlässigt, kritisierte Baumann: «Wir müssen wieder sparen lernen.» Ein Votant vertrat die Meinung, dass die dritte Säule für schlecht Verdienende schlicht nicht erreichbar sei.

«Es gilt, die soziale Gerechtigkeit voranzutreiben und die erste Säule zu stärken», sagte Bullakaj. Und die zweite Säule sollte für alle erschwinglich sein. «Mein Bauchgefühl geht dahin, Nein zu stimmen», sagte Baumann. Die Vorlage sei nicht ausgereift und daher abzulehnen. Danach müsse man nochmals über die Bücher gehen.