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SCHWARZENBACH: «Man muss nicht allwissend sein»

Im Schulunterricht in der Gemeinde Jonschwil werden Seniorinnen und Senioren eingebunden. Einer von ihnen ist der pensionierte Arzt Paul Germann. Doch die Suche nach weiteren Freiwilligen gestaltet sich schwierig.
Angelina Donati
Pensionär Paul Germann ist ein gefragter Mann: Er hilft zwei Schülerinnen im Informatikunterricht weiter. (Bilder: Angelina Donati)

Pensionär Paul Germann ist ein gefragter Mann: Er hilft zwei Schülerinnen im Informatikunterricht weiter. (Bilder: Angelina Donati)

Angelina Donati

angelina.donati

@wilerzeitung.ch

«Herr Germann, wir haben ein Problem», rufen zwei Mädchen durch das Schulzimmer der 5./6. Klasse. «Bei uns funktioniert es auch nicht», tönt es von einer anderen Ecke während des Informatikunterrichts. Paul Germann eilt herbei und nimmt sich den Schülerinnen an. Heute scheint beim Programmieren nicht alles so zu funktionieren, wie gewünscht – irgendwo liegt der Wurm drin. Doch der 72-jährige Pensionär weiss rasch, was zu tun ist und liefert den Schülern die entsprechende Erklärung. «Mein Glück ist, dass ich mir rund ums Thema Computer seit jeher viel Wissen angeeignet habe», sagt Paul Germann. Bis zu seiner Pension führte er in Schwarzenbach eine Allgemeinpraxis, die danach sein Sohn übernommen hat. Auch seine Dissertation habe er in Informatik abgeschlossen. «Das war 1972 und PCs gab es noch keine», sagt der pensionierte Arzt und schmunzelt. Selbst die Software für seine Arztpraxis habe er selber entwickelt.

Diese Kenntnisse seien aber keine Voraussetzungen, um als Pensionär im Schulunterricht mitzuhelfen, wie Paul Germann betont. «Wichtig ist einzig, dass man Kinder gerne hat und ihnen gerne etwas beibringt.» Bereits seit über einem Jahr besucht der Schwarzenbacher jeden Dienstag für jeweils zwei Stunden die Schulklasse. Anders als die Studenten, die hier regelmässig einen eigenen Unterricht gestalten, werden die Seniorinnen und Senioren als Assistenten der Lehrpersonen eingesetzt. Vorzubereiten brauchen sie sich nicht.

Nur gute Erfahrungen damit gemacht

Schon wieder streckt ein Schüler die Hand in die Höhe und Paul Germann erkundigt sich bei ihm, ob er Hilfe benötigt. Klassenlehrerin Franziska Kamm empfindet das flexible Einspringen des Seniors als wertvolle Unterstützung beim Unterrichten. Nicht zuletzt sei dieses Modell auch eine Entlastung für die Lehrpersonen. Bereits im «Lindenhof» in Wil habe sie ausschliesslich gute Erfahrungen damit gemacht. «Menschen in der dritten Generation bringen eine Erfahrung mit, von der wir alle profitieren können», sagt Franziska Kamm, die sich mit Katrin Pedrazzi das Pensum teilt. «Und er bringt Geduld und Zeit mit.» Die Kinder würden sich jeweils riesig freuen, wenn Paul Germann vorbeischaut. Von Anfang an sei er akzeptiert worden. Dass es sich bei seinem Einsatz um Freiwilligenarbeit handelt, stört Paul Germann nicht. «Die Freude der Kinder und die Wertschätzung sind gross genug.» Ausserdem werde einmal pro Jahr ein Seniorenessen organisiert, auf das er sich ganz besonders freue und den dortigen Austausch mit den Lehrern und Gleichgesinnten schätze. «Wir haben es schön miteinander», fügt Franziska Kamm hinzu.

Als Pensionär ständig auf Achse

Trotz des gegenseitigen Schwärmens harzt es mit dem Generationenprojekt in der Schule in Schwarzenbach. Zwar bestehe seitens der Schule ein grosses Interesse, noch mehr Senioren aufzunehmen. Aktuell sind es Paul Germann, seine Frau und zwei weitere Senioren. Doch die Suche gestaltet sich schwierig. Das weiss auch Paul Germann, der als Mitgründer der IG Aktives Alter Jonschwil, andere Pensionäre laufend auf das Angebot aufmerksam macht. Die Antworten seien oft dieselben: Entweder haben sie keine Zeit, wollen sich nicht auf einen bestimmten Tag festlegen oder haben Angst, nicht zu genügen. «Man kann sowohl die Zeiten wie auch die Klassenstufe wählen», sagt er. «Und man muss nicht allwissend sein.»

Im vergangenen Sommer reiste er mit den Kindern sogar mit ins Lager nach Neuenburg und blickt mit Freuden darauf zurück. Auch könnte er sich durchaus vorstellen, seine Unterrichtszeit auszuweiten. Als Pensionär sei man aber tatsächlich ständig irgendwie beschäftigt, sagt Paul Germann, der zahlreichen Hobbys nachgeht. «Obwohl ich nicht mehr wie früher 70 Stunden pro Woche arbeite, habe ich das Gefühl, heute noch weniger Zeit zu haben», sagt er und schmunzelt. Zu kurz kommen dürfen nämlich auch seine sieben Enkel nicht.

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