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SCHWARZENBACH: Der Zauber der orangen Kamera

Bereits als Zehnjährige war sie mit der Kamera unterwegs. Damals wohnte das Mädchen Schweizer Auswanderer in Kanada. Nun lebt Sharon Holenstein in Zuckenriet und fotografiert leidenschaftlicher als je zuvor.
Zita Meienhofer
Sharon Holenstein-Mettler hielt viele Augenblicke ihres Alpsommers fest. (Bild: Sharon Holenstein)

Sharon Holenstein-Mettler hielt viele Augenblicke ihres Alpsommers fest. (Bild: Sharon Holenstein)

Ausschlaggebend war die orange Plastikkamera in einer Happy-Meal-Verpackung. Die damals zehnjährige Sharon Mettler aus Tomahawk, Provinz Alberta, Kanada, war fasziniert von diesem Gerät, knipste Bild um Bild und entdeckte das Fotografieren. Bald wurde daraus Leidenschaft. Die orange Kamera begleitete sie während Jahren, ebenso der Umstand, die Filme zum Entwickeln in ein Fotofachgeschäft zu bringen. Später, im Highschool-Alter, gehörte sie dem Jahrbuch-Team ihrer Schule an, fotografierte, layoutete und schuf sich an eine Kompaktkamera an.

Die Kamera aus Kanada fiel in den Bodensee

Mit 17 Jahren verliess sie Kanada, um ein Jahr in dem Land zu verbringen, aus dem ihre Eltern stammten. Im Gepäck auf der Reise in die Schweiz fehlte ihre Kamera nicht. Diese fiel ihr später, während eines Aufenthalts am Bodensee, in Wasser. «Ich hatte sofort eine neue angeschafft und weiter geknipst», sagt Sharon Holenstein-Mettler. Geknipst sagt sie mit Bestimmtheit, denn im Vergleich zu heute sei es damals einfach ein Knipsen gewesen. Das erste Jahr in der Schweiz war schnell vergangen. Es folgten zwei, drei, vier weitere. Je länger sie in der ehemaligen Heimat ihrer Eltern weilte, umso mehr wurde ihr bewusst, dass sie nicht mehr nach Kanada zurückkehren wollte. «Ich fühlte mich hier zu Hause.» Als sie in Wattwil arbeitete, kaufte sie sich die erste Spiegelreflexkamera und brachte ihre Filme ins Fotofachgeschäft, das gleich um die Ecke stand. Dort bewarb sie sich auch für eine Lehrstelle, scheiterte jedoch an den Deutschkenntnissen. «Dann machte ich halt, was ich konnte und besuchte einen Kurs, um Englisch zu unterrichten». Anschliessend erwarb sie an der Dolmetscherschule das Übersetzer-Diplom, übersetzte und unterrichtete Englisch.

Ein Amerikaner lehrte sie die Akt- und Modelfotografie

Die Kamera begleitete die 38-Jährige jedoch weiterhin überall hin. In der Zwischenzeit lebte sie in Zuckenriet mit ihrem Mann und den zwei Töchtern. Ihre Tätigkeit als Hausfrau und Mutter erlaubte ihr, sich vermehrt der Fotografie zu widmen. Zumal ihr Mann, Albert, als Landwirt tätig ist und die Kinder oft bei ihm draussen auf dem Hof sind. «Ich verbrachte vorerst Stunden im Internet, schaute mir Filme über die Techniken des Fotografierens an», so die Autodidaktin. Ebenso besuchte sie Kurse – allerdings immer in englischer Sprache. Dieser Umstand führte dazu, dass sie öfter die Chance hatte, professionellen Fotografen aus den USA, die in der Schweiz waren, über die Schulter zu schauen. Durch ihre Spontanität schuf sie sich ein breites Netzwerk in Fotografenkreisen und knüpfte persönlichen Kontakt zu Mark Velasquez. Er lebt in den USA und ist vor allem in der Modelszene tätig. «Mark wurde zu meinem persönlichen Mentor. Er war schon einige Male in Zuckenriet und ich mit meiner Familie bei ihm in den USA», sagt Sharon Holenstein-Mettler. «Von ihm habe ich so viel gelernt, auch wie die Modelszene funktioniert». Er war es, der ihr im vergangenen Jahr die Möglichkeit bot, die Aktfotografie kennen zu lernen. Aus diesem Shooting entstand Sharon Holensteins erster Akt-Kalender. Daraufhin meldeten sich Frauen aus der Region zu einem Akt-Shooting. Die Fotografin ist heute noch begeistert von den Fotos dieser Frauen. «Mich freut es immer, dass Frauen und vor allem auch Mütter, sich getrauen, ihren Körper von ihrer sinnlichen Seite zu zeigen.» An der Akt-Fotografie hatte Sharon Holenstein sehr schnell Freude gefunden, diese Art des Fotografierens hatte es ihr angetan.

Den Sommer auf der Alp auf Papier festgehalten

Noch lieber ist ihr das fotografische Begleiten von Hochzeiten. «Ich liebe das wegen der Details. Bei jeder Hochzeit spielt ein anderes Detail eine Hauptrolle.» Neben den Hochzeitsreportagen und der Akt-Fotografie widmet sich Sharon Holenstein der Natur. Wunderbar hat sie die Feinheiten auf der Wiese, im Wald und in den Bergen eingefangen. Sind es Tiere in einer speziellen Position oder Landschaften, die sie aus einem besonderen Blickwinkel sieht, sie macht aus dem Alltäglichen Aussergewöhnliches. Das ist ihr auch während ihres Aufenthaltes im Sommer 2015 auf der Alp Hasliberg gelungen. Da ihr Cousin dort arbeitete, weilte sie immer wieder im Berner Oberland, ebenfalls zum Arbeiten. Im Gepäck hatte sie die Kamera. Unzählige Fotos entstanden. Dass sie die Bilder einst für die Öffentlichkeit zugänglich machen wird, wusste sie damals noch nicht. So wie sie als Zehnjährige die Bedeutung dieser orangen Kamera nicht kannte.

Hinweis

Sharon Holenstein stellt ihre Bilder zum Thema «Ahornblatt und Edelweiss» seit gestern bis zum 29. Juni in der Geschäftsstelle Schwarzenbach der Raiffeisenbank Regio Uzwil aus. Die Ausstellung kann von Montag bis Freitag zwischen 9 und 11.30 Uhr sowie 14 und 17 Uhr besucht werden. Vernissage ist morgen Donnerstag, 3. Mai, um 18 Uhr.

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