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SCHWARZENBACH: Chauffeure und ihre schwere Last

Heute drücken 64 Strassentransportfachleute der Camion Transport AG die Schulbank: Fortbildung steht an. Der Beruf hat sich gewandelt, die Anforderungen sind gestiegen. Und es mangelt an Nachwuchs.
Andrea Häusler
Die Weiterbildung, aber auch die Ausbildung von Lernenden in sämtlichen Berufen, in denen in Schwarzenbach Personal beschäftigt ist, haben bei der Camion Transport AG eine hohe Priorität. (Bild: Andrea Häusler)

Die Weiterbildung, aber auch die Ausbildung von Lernenden in sämtlichen Berufen, in denen in Schwarzenbach Personal beschäftigt ist, haben bei der Camion Transport AG eine hohe Priorität. (Bild: Andrea Häusler)

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Sie sind die Sündenböcke auf Rädern. Zumindest aus Sicht vieler Automobilisten. Vor den PW sind sie nervig, dahinter bedrohlich – darüber hinaus zu langsam, zu träge, zu gross und zu laut. Daran ändert auch nicht, dass der Chauffeur möglicherweise ein ganz netter, die Fahrerin eine Charmante ist. Sie befinden sich ausserhalb des automobilistischen Blickfelds, hoch über der Strasse in ihrer Kabine.

Roland Wagner ist einer von ihnen, weiss um die «Beliebtheit» der Brummis im Strassenverkehr. Seit vierzig Jahren sitzt er für die Camion Transport AG hinter dem Lenkrad. «Es ist hektischer geworden auf der Strasse», sagt er im Rückblick auf sein bisheriges Berufsleben. Dies unabhängig von der frappanten Zunahme der Fahrzeuge in den vergangenen Jahren. Viele Leute seien auf den letzten Drücker unterwegs, planten keine Verzögerungen ein – auch nicht bei Schneefall. Wagner wünschte sich mehr Verständnis, mehr Toleranz: «Ja, ich habe ein grosses Auto aber zum Spass bin ich nicht unterwegs. Ich habe einen Auftrag, mache meinen Job.»

Nachsicht und Geduld lassen sich nicht schulen. Obwohl Gelassenheit in schwierigen Situationen vieles einfacher macht. Davon ist Roland Wagner überzeugt. Dem Ärger sichtbar Luft machen, ausflippen, das liegt nicht drin. Denn mit dem Lastwagen fährt er auch den Namen seines Arbeitgebers durch das Land. Wagner ist sich bewusst: «Ich repräsentiere eine Firma, eine ganze Branche».

Weiterbildung ist nicht freiwillig

Dies ist, neben gesetzlichen Vorgaben, mit ein Grund dafür, dass die Verantwortlichen der Camion Transport AG der Schulung ihrer 180 Mitarbeitenden am Standort Schwarzenbach, insbesondere auch den 115 Fahrerinnen und Fahrern – tatsächlich sind 15 Prozent der Strassentransportfachleute weiblich – einen hohen Stellenwert beimisst. Heute wird in den Räumen der Larag in Wil ein sogenannter CZV-Kurs durchgeführt. Denn der Führerausweis allein genügt nicht, um gewerbsmässig Güter transportieren zu dürfen. Hierfür ist zusätzlich ein Fähigkeitsausweis («Ausweis 95») nötig. Dieser ist fünf Jahre gültig. Für dessen Erneuerung sind fünf Weiterbildungstage innert der fünfjährigen Frist Voraussetzung. So sieht dies die Chauffeurzulassungsverordnung (CZV) vor.

«Die meisten Weiterbindungskurse bieten wir zum Jahresbeginn an», sagt Claudia Zemp, welche die Kursmodule für die Chauffeure der Camion Transport AG zusammenstellt. «Wir eruieren jeweils, wo ein Bedarf besteht.» Denn es dürfen, nebst den von der Vereinigung der Strassenverkehrsämter (asa) vorgegebenen Schwerpunkten, auch betriebsspezifische Elemente einfliessen. Behandelt werden Themenbereiche wie Ladungssicherung, ökologisches Fahren, Notfallsituationen, Luftfrachtsicherheit etc. «Die Kurse sind praxisbezogen», wie Claudia Zemp betont. Der theoretische Teil mache lediglich ca. 50 Prozent der Module aus. «Wir nehmen die Weiterbildung sehr ernst», fügt Fredy Würzer, Niederlassungsleiter in Schwarzenbach, hinzu. Dies spiegele sich auch darin, dass die Kurse vom Unternehmen bezahlt werden und die Mitarbeitenden diese innerhalb der Arbeitszeit absolvieren können.

Nachwuchssuche ist schwieriger geworden

Würde Roland Wagner den Beruf des Lastwagenchauffeurs noch einmal wählen? Er zögert einen Augenblick, versichert dann jedoch nach wie vor gern unterwegs zu sein: «Man ist sein eigener Chef, kann den Tag frei gestalten, hat Kundenkontakte.» Und, abends sei man zu Hause. Wagner weiss: «Die Jungen fasziniert der Fernfahrerberuf. Geht es aber um die Gründung einer Familie, kommen sie zurück.»

Junge Menschen für den Beruf des Strassentransportfachmanns zu begeistern, Fahrer zu gewinnen, sei schwieriger geworden, sagt Fredy Würzer. Die schulischen Anforderungen seien gestiegen und man spüre die geburtenschwachen Jahrgänge. Entlastung erhofft er sich von der EBA-Lehre und der neunmonatigen Ausbildung «Junior Driver», mit der Quereinsteiger mit abgeschlossener Berufsausbildung angesprochen werden.

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