Schwarze Hüte und rote Zahlen

FLAWIL. Mit «The Blues Brothers» startet Nice Time Productions heute in der Olma-Halle 9.1. in St. Gallen die teuerste Tournée der Vereinsgeschichte. Eventmanager Martin Tscharner spricht von einem 2,1-Mio.-Budget. Und von vielen freien Plätzen.

Andrea Häusler
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Martin Tscharner in seinem Büro in Flawil: Die «Blues Brothers»-Show, die heute ihre Tournée in St. Gallen startet, ist in allen Räumen präsent. (Bild: Andrea Häusler)

Martin Tscharner in seinem Büro in Flawil: Die «Blues Brothers»-Show, die heute ihre Tournée in St. Gallen startet, ist in allen Räumen präsent. (Bild: Andrea Häusler)

Zielweg 6 in Flawil. Ein charmanter, unspektakulärer Altbau. Hier ist Nice Time Productions zu Hause, aber auch der Kopf des in Wil domizilierten Vereins, Martin Tscharner. Büros im Erdgeschoss, Wohnräume im ersten Stock, eine weit über 10 000 Filme umfassende DVD-Sammlung samt Heimkinoanlage im Untergeschoss: Die Grenze zwischen Tscharners Privat- und Geschäftsleben ist fliessend. Seit bald 18 Jahren organisiert der 41-Jährige Konzertanlässe und Bühnenshows – anfänglich mit mehr oder weniger bekannten Schweizer Künstlern, seit einigen Jahren mit internationalen Showgrössen. Die meisten der eingekauften Produktionen sind Broadway-Bühnenshows: «Mother Africa», «Flames of the Dance», «Rhythm of the Dance», und jetzt, – nach 2013 – zum zweitenmal: «The Blues Brothers – die Originalproduktion vom Londoner West End».

Zwei Drittel der Tickets verkauft

Mit Projektkosten von rund 2,1 Mio. Franken haben sich Tscharner und seine Truppe bei der neuerlichen Verpflichtung von Judith Belushi und Dan Aykroyd's «The Blues Brothers» finanziell weit aus dem Fenster gelehnt. 15mal soll das Kultspektakel mit den beiden Anzug tragenden, schwarz behüteten Männern mit Sonnenbrille bis zum 25. Januar in der Deutschschweiz aufgeführt werden. Die Flyer und Plakate sind in sämtlichen Büroräumen gegenwärtig: auf Pulten, an Wänden, in Schachteln. Es seien zu viele geliefert worden, räumt Tscharner ein. Dem grössten Tournéeprojekt seiner Laufbahn blickt er nur verhalten optimistisch entgegen. 15 000 Tickets seien bisher verkauft worden, sagt er, 23 000 Plätze stünden zur Verfügung. Ein ernüchterndes Ergebnis, nachdem die fünf «Blues-Brothers-Testshows» von 2013 mit geringstem Werbeaufwand ausverkauft werden konnten. Martin Tscharner relativiert, spricht von damals kleineren Hallen, verhehlt aber nicht, dass man mit fünf Aufführungen im Kongresshaus Zürich ein Wagnis eingegangen sei. Und, dass der Ticketverkauf in Biel und Interlaken unter den Erwartungen geblieben sei. «Wir werden ein Defizit einfahren», stellt Martin Tscharner nüchtern fest. Denn von den Ticketpreisen, die je nach Kategorie und Spielort zwischen 70 und 115 Franken (VIP-Pass 175 Franken) liegen, gehen allein knapp 40 Prozent für Steuern und Abgaben weg.

Den Fehlbetrag werde auch das Beatles-Musical «All you need ist love» mit der Original-Band aus Las Vegas, das im April mit Nice Time Productions auf Schweizer Tournée geht, nicht ausgleichen können, sagt Tscharner. «Wir sind ein Verein und arbeiten als solcher zwar professionell, aber nicht gewinnorientiert. Wir erhalten auch keine Subventionen, leben von den Ticketeinnahmen und von Rückstellungen.» Letztere konnten, dank des Erfolgs des Bee Gees-Musicals «Massachusetts» und der Produktion «Rhythm of the Dance», die vor Jahresfrist zwanzigmal ein volles Haus beschert hatte, auch gebildet werden.

An «Greece» gescheitert

Vieles hat Martin Tscharner bereits geschafft, den Broadway in verschiedenen Produktionen in die Schweiz gebracht, Schauspieler, Sänger und Musiker kennengelernt, Menschen aus Wirtschaft und Politik getroffen, Kontakte geknüpft. Nice Time Productions ist seine Leidenschaft, sein Hobby auch. Es sei ein besonderes Erlebnis, mit dem ganzen Equipement, den Begleitteams und den Künstlern in gemieteten Nightlinern durch die Schweiz zu touren, schwärmt er und legt ein Fotobuch mit Flyern «seiner» Bühnenprojekte und zahllosen Unterschriften auf den Tisch. Gibt es Produktionen, die er gern in die Schweiz geholt hätte, aber erfolglos geblieben sind? «Greece», sagt Martin Tscharner. «Oder das Musical <König der Löwen>, welches jedoch als stationäre Produktion aus infrastrukturellen Gründen gar nie Thema sein konnte.»

Hinsichtlich der Zukunft lässt sich Tscharner, der sein Geld als Investor verdient, ungern in die Karten blicken. Die Herausforderung bestehe darin, sagt er, Kultur zu schaffen, den Menschen Qualität zu bieten mit Bühnenprogrammen, die von der Logistik und der Finanzierung her Anforderungen stellten. «Stets mit dem Schwerpunkt auf <Broadway-Shows>.»