Schulrat tritt gemeinsam zurück

Der Schulrat Jonschwil-Schwarzenbach hat gestern seinen Rücktritt in globo per Ende Jahr bekanntgegeben. Die Rede ist von einer «inakzeptablen Umgangskultur ohne jeglichen Anstand». Gemeindepräsident Stefan Frei wurde nicht informiert.

Mario Fuchs
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Jonschwil/Schwarzenbach. «Aufgrund der letzten Schulbürgerversammlung und den diversen Vorkommnissen, hauptsächlich während des vergangen halben Jahres, hat der Schulrat anlässlich ausserordentlicher Sitzungen tiefgreifend über die Zukunft der Schulbehörde beraten», schreibt die Behörde in einer gemeinsam unterzeichneten Medienmitteilung von gestern Nachmittag. In sachlicher Abwägung der Ereignisse habe nun jedes der sieben Mitglieder, auch der Schulratspräsident, das Rücktrittsgesuch eingereicht. Präsident Markus Häne war gestern nicht für eine persönliche Stellungnahme erreichbar.

Regierung muss zustimmen

Tritt gleichzeitig die Mehrheit einer Behörde zurück, muss dies die Kantonsregierung gutheissen. Daher werde die Schulbehörde in den nächsten Tagen die Rücktrittsgesuche der Regierung des Kantons St. Gallen überweisen. Aus Rücksicht gegenüber der Schule und Verantwortung gegenüber Angestellten und der Lehrerschaft erfolge die gemeinsame Demission auf Ende Jahr 2011, schreiben die Schulräte im Communiqué.

Stefan Frei weiss von nichts

Als die Wiler Zeitung den Jonschwiler Gemeindepräsidenten Stefan Frei mit dem Rücktritt des Gesamtschulrates konfrontierte, reagiert dieser völlig überrascht. «Von einem Rücktritt weiss ich nichts», erklärt Frei und will sich in der Folge denn auch nicht weiter dazu äussern. Dies verdeutlicht, dass der Haussegen in den Jonschwiler Amtsstuben wohl schiefer kaum hängen könnte.

Der Schulrat führt vor allem die Ereignisse der letzten Schulbürgerversammlung an, insbesondere das Projekt Erweiterung und Sanierung der Primarschule Schwarzenbach. Als autonome Gemeinde habe die Schulbehörde mit überregional anerkannten Fachleuten in minuziöser Kleinarbeit drei Varianten beleuchtet und für die Grundsatzabstimmung vorbereitet. «Gruppierungen haben mit Unterstützung des Gemeinderats die Vorlage im Vorfeld massiv bekämpft. An der Vorgemeinde wurde öffentlich durch den Gemeinderat unsere Arbeit als falsch und nichtig erklärt», kritisiert der Schulrat die Politische Gemeinde und spricht von einer «Beurteilung von nicht fachlich ausgewiesenen Personen mit äusserst schwerwiegender Tragweite».

«Autonomie stark beschnitten»

Mit dem Entscheid der Schulbürgerversammlung, dass das Projekt zurückgestellt und gemeinsam mit dem Gemeinderat überarbeitet werden soll, werde die Schulbehörde gezwungen, sich der Meinung des Gemeinderates zu unterstellen. Dadurch werde die Schulgemeinde in ihrer Autonomie «stark beschnitten». Die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat sei «selbstverständlich äusserst wichtig. Wie soll aber eine solche funktionieren, wenn durch den Gemeindepräsidenten öffentlich die Arbeit des Schulrates als unbrauchbar abqualifiziert wird?», fragen die Demissionierenden in ihrem Schreiben.

Gesundes Mass überschritten

Ebenfalls irritiert zeigen sich die Schulräte vom «auf Überrumpelung der Behörde angelegten Antrag eines Bürgers» gegen das Einschulungskonzept «Brückenbogen». Wüsste man in fairer Orientierung über solche Anträge im Vorfeld Bescheid, könnte adäquat Auskunft erteilt werden. Zudem seien Umgangskultur und Kommunikationsformen von Gruppierungen und Einzelpersonen nicht mehr akzeptabel und ohne jeglichen Anstand. «Sie sind denunzierend, beleidigend und ohne geringste Wertschätzung gegenüber dem Engagement der Behörde.» Das sei längst nicht mehr das Mass gesunder Kritik, sondern die offene Freude einzelner, in der Öffentlichkeit stehende Persönlichkeiten lächerlich zu machen, wählen die Schulräte klare Worte.

«Mit Füssen getreten»

Man habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht. Doch die «gravierenden Vorkommnisse und die sukzessive sowie systematische Desavouierung der Schulbehörde haben unsere Glaubwürdigkeit und das Ansehen in Frage gestellt, wenn nicht gar mit Füssen getreten.» Es gehöre dazu, dass man «nicht gleicher Meinung sein darf oder sogar muss». Dabei müssten Behörden aber die rechtliche und gesetzliche Gleichstellung akzeptieren und nicht in die Geschäfte einer anderen eingreifen. Diese Grundlage der Akzeptanz der autonomen Schulgemeinde sei verletzt. Anstelle von Wertschätzung seien fehlendes Vertrauen und ständige Kontrolle getreten. «Leider kommt unsere Behörde zum tragischen Schluss, dass unter diesen Voraussetzungen der gemeindegesetzliche Auftrag nicht mehr ausführbar ist».

In der Gemeinde müsse über vieles nachgedacht werden. Die Menschen müssten sich auf jene Werte konzentrieren, die von Schule, Gemeinde und Schülern überall im Dorf auf Plakaten gestanden hätten. «Als Erwachsene sind wir unserer Schuljugend diese Vorbildfunktion schuldig.»