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Schulflucht in die Theaterwelt

Ideen verwirklichen, ein Drehbuch schreiben und die Rollen verteilen: All diese Aufgaben übernehmen Schülerinnen und Schüler im Rahmen der Ostschweizer Schultheatertage. Ein Augenschein im Schulhaus Thurzelg in Oberbüren.
Annina Quast
Noch wird im Oberstufenzentrum Thurzelg in Oberbüren eifrig geprobt. Das Theaterstück zum vorgegebenen Thema «Raum» stammt aus der Felder des 14-jährigen Schülers Jonas Züger. (Bild: Annina Quast)

Noch wird im Oberstufenzentrum Thurzelg in Oberbüren eifrig geprobt. Das Theaterstück zum vorgegebenen Thema «Raum» stammt aus der Felder des 14-jährigen Schülers Jonas Züger. (Bild: Annina Quast)

«Probiert etwas deutlicher und lauter zu sprechen. Verwendet mehr Energie, seid echter in eurer Rolle», diese Tipps gibt Theaterpädagogin Andrea Richle den Sekundarschülerinnen und Schüler der 3. Stufe. Soeben hat die Klasse drei Szenen zu dem Thema Raum geprobt.

Die Ideen zum Inhalt stammen dabei aber keinesfalls von der professionellen Theaterpädagogin oder von dem theaterbegeisterten Klassenlehrer Gallus Kempter, sondern von den Schülerinnen und Schülern selbst. Die Klasse aus dem Schulhaus Thurzelg in Oberbüren spielt gemeinsam mit 19 anderen ostschweizer Klassen an der fünften Runde der Schultheatertage Ostschweiz mit. Für die Aufführung Mitte März wird bereits fleissig geprobt.

Auswertung, aber keine Bewertung

Die Theatertage Ostschweiz sind ein Kooperationsprojekt von Theater Bilitz, Theater St. Gallen und der Pädagogischen Hochschule St. Gallen. Dieses Jahr stehen sie unter dem Thema Raum. 20 Schulklassen zwischen der dritten Primarstufe und der dritten Oberstufe werden Mitte März in St. Gallen, Weinfelden und Mels echte Theaterluft schnuppern und ihr selbst erarbeitetes Stück auf der Bühne aufführen – aber nur einem ausgewählten Publikum. Denn die Devise des Projektes lautet: «Wer spielt, schaut zu. Wer zuschaut, spielt.» Die Stücke werden also ausschliesslich vor teilnehmenden Klassen vorgeführt. Anschliessend wird jedes Stück bei einem Apéro ausgewertet und diskutiert – aber nicht bewertet.

Denkfächer haben zugenommen

«Das Projekt soll das Schultheater wieder mehr in die Gesellschaft einbringen. Die Denkfächer haben im Lehrplan stark zugenommen, jedoch ist auch das Ausleben der Kreativität sehr wichtig für die Entwicklung der Schüler», sagt Andrea Richle. In Zusammenarbeit mit dem Klassenlehrer begleitet sie die Klasse aus Oberbüren während der Proben in insgesamt zehn Lektionen.

«Als Theaterpädagogin arbeite ich ausschliesslich mit Laienschauspielern. Dies können Kinder oder auch Erwachsene sein.» Zu einer der grössten Herausforderungen zählt Andrea Richle in ihrem Beruf den vorhandenen Ideenreichtum: Während Kinder oft vor Ideen nur so überschäumen und es dann ihre Aufgabe sei, diese Energie zu bündeln, sehe es bei Erwachsenen diametral anders aus: Hier bestehe ihre Aufgabe vor allem darin, zu Fantasie und Kreativität zu motivieren. «Je älter der Mensch wird, desto mehr verschliesst er sich», weiss sie aus Erfahrung.

Lehrstellensuche ist abgeschlossen

Gallus Kempter ist nun bereits zum zweiten Mal direkt an den Ostschweizer Schultheatertagen beteiligt und schwärmt: «Es ist ein tolles Projekt und man lernt die Schülerinnen und Schüler als Lehrperson nochmals von einer ganz anderen Seite kennen.» Obwohl es einiges an Aufwand bedeutet, mit 17 Jugendlichen ein Theaterstück einzuüben, nimmt Kempter sich diese Zeit gerne: «Alle meine Schülerinnen und Schüler haben bereits eine Lehrstelle, keine und keiner muss mehr eine Prüfung für eine weiterführende Schule absolvieren. Unter diesen Voraussetzungen muss und darf Zeit für eine Abwechslung im Schulalltag zur Verfügung gestellt werden.»

Auch der 14-jährige Schüler Jonas Züger, dessen Idee für das Drehbuch ausgewählt wurde, schätzt die Abwechslung zum regulären Unterricht: «Ausserdem macht es Spass, mit der Klasse ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen.» Nicht nur die Ideen seien von den Schülern selbst, auch die Rollenverteilung wurde von der Klasse selbstständig durchgeführt. «Es ist spannend, in den Charakter einer anderen Person schlüpfen zu dürfen», sagt die 15-jährige Noemi, die im Theaterstück souverän als Tussi überzeugt.

Jubiläumsveranstaltung in der Lokremise

Aus der Region nehmen neben der Oberstufe Thurzelg das OZ Schützengarten, eine Klasse der Schule Botsberg und das OZ Degenau teil. Am Donnerstag, 28. März findet um 19 Uhr in der Lokremise St. Gallen eine öffentliche Jubiläumsveranstaltung statt, an der eine Auswahl von drei Stücken präsentiert wird.

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