SCHULERÖFFNUNG: «Gemeinsam Lernen» in verwaistem Schulhaus

Das leer stehende Dickener Schulhaus wird neu belebt. Nach einjährigem Unterbruch wird hier ab dem 15. August wieder unterrichtet. Zwischen dem 29. Mai und dem 2. Juni besteht die Möglichkeit, Schule und Konzept in Schnupperlektionen kennen zu lernen.

Andrea Häusler
Drucken
Kerstin Schubert stellte am Donnerstag an einem öffentlichen Informationsabend das Schulkonzept vor. (Bild: Andrea Häusler)

Kerstin Schubert stellte am Donnerstag an einem öffentlichen Informationsabend das Schulkonzept vor. (Bild: Andrea Häusler)

Neu ist weder die Trägerschaft der Privatschule, der Verein Gemeinsames Lernen, noch das Unterrichtsmodell und der Schulstandort. Bereits im Jahr 2014 hatten Kerstin und Karlheinz Schubert, Initianten der Projektgruppe und Leitende der Pegasusschule für vorgymnasiale Förderung in Mörschwil, im Schulhaus Dicken einen Schulbetrieb für Lernende der Elementar- und Basisstufe eröffnet. Nach zwei Jahren war dann allerdings bereits wieder Schluss. «Wir hatten uns damals verschätzt», sagt Kerstin Schubert rückblickend. Der Einbezug zu vieler Personen im Dorf, unterschiedlichste Vorstellungen und Ansprüche, hätten zu einer Verwässerung des Konzepts und schliesslich zum Rückzug geführt. Heute, ein Jahr später, schätzt Kerstin Schubert die Voraussetzungen anders ein. Die ersten Betriebsjahre hätten nach aussen ausgestrahlt und auch Interessierte von ausserhalb der Gemeinde angesprochen. Gleichzeitig habe sie der Enthusiasmus der Projektgruppe, der auch die ehemalige Dickener und Magdenauer Kindergärtnerin Anja Aemisegger aus Degersheim angehört, angesteckt und optimistisch gestimmt. Tatsächlich liegen aktuell genügend ­Anmeldungen vor, um den Start aufs neue Schuljahr sicherzustellen. Die Untergrenze, die der Kanton für die Führung einer Privatschule vorgibt, liegt laut Kerstin Schubert bei sechs Lernenden.

Vernetztes Lernen in individuellem Tempo

Geführt wird eine Elementar- und Basisstufe für Kinder ab dem Kindergarten bis zum Übertritt in die Mittelstufe. In einer altersdurchmischten Gruppe soll den Schülerinnen und Schülern in fächerübergreifendem Projektunterricht ermöglicht werden, Zusammenhänge zu erkennen und Verknüpfungen zu bilden. Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben oder Rechnen werden nicht als alleiniges Fach, sondern innerhalb grosser Themen begriffen. «Mit der Einstellung, dass eine Schulgemeinschaft nur funktionieren kann, wenn alle – die Lernenden, die Eltern und die Lehrpersonen – an einem Strang ziehen, soll eine Atmosphäre entstehen, in der Kinder ihre Talente entfalten und in ihrem eigenen Tempo vorangehen können», heisst es im Konzeptbeschrieb.

Kein Kind aus finanziellen Gründen abgewiesen

Die Elementar- und Basisstufe Gemeinsam Lernen ist eine kantonal anerkannte und bewilligte Privatschule, die nach den Zielen des St. Galler Lehrplans lehrt. Entsprechend ist es den Kindern jederzeit möglich, vom «Gemeinsam Lernen» in die öffentliche Schule zu wechseln oder umgekehrt. Die Finanzierung wird durch Spenden, Gönner und die einkommensabhängigen Elternbeiträge sichergestellt. Rund 600 bis 700 Franken pro Monat seien von Elternseite zu leisten, beantwortete Kerstin Schubert am Informationsabend vom Donnerstag die konkrete Frage nach den Kosten. Wobei noch nie – auch nicht an der seit 2004 bestehenden Pegasusschule in Mörschwil – ein Kind aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten der Familie abgewiesen worden sei. Eltern hätten die Möglichkeit, sich mit Arbeitsleistungen wie Kochen, Reinigen etc. einzubringen.

Andrea Häusler

andrea.haeusler@wilerzeitung.ch

Hinweis

In der Woche zwischen Auffahrt und Pfingsten können Kinder probeweise für einzelne Tage oder die ganze Woche (jeweils von 8.00–11.30 Uhr) die Basisstufe Gemeinsam Lernen besuchen.