Schulen sollen ins Stadtzentrum

WIL. Das Wiler Parlament lehnt ein neues, modulares Primarschulhaus im Quartier Städeli auf dem Hofberg ab. Unter dem Aspekt einer besseren sozialen Durchmischung in der Stadt brauche es Schulraum im Zentrum statt in den Quartieren.

Silvan Meile
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Die Liegenschaft Turm könnte in Zukunft als Schule genutzt werden. (Bild: sme.)

Die Liegenschaft Turm könnte in Zukunft als Schule genutzt werden. (Bild: sme.)

Wil. In Wil steigt die Zahl an Primarschülern, mit einzelnen kleinen Schwankungen gegen unten, kontinuierlich an. An der Sitzung des Wiler Stadtparlaments vom Donnerstagabend bestritt niemand den dringenden Bedarf an zusätzlichem Schulraum auf dem Stadtgebiet. Solchen aber am Hofberg zu bauen, stiess auf Widerstand. Eine Schule im Städeli sei keine geeignete Lösung, sie werde dem Ziel der sozialen Durchmischung nicht gerecht, sagte beispielsweise Erich Grob (CVP) in der Eintretensdebatte. Die Mehrheit des Parlaments sprach sich in der Folge für eine Rückweisung des stadträtlichen Antrags aus. Damit folgte das Stadtparlament der Meinung der Vorberatenden Kommission, welche sich im Vorfeld einstimmig für eine Rückweisung und dem damit verbundenen Auftrag zur Unterbreitung einer Vorlage, die den Bedarf an Schulraum mit einer möglichst zentrumsnahen Lösung abdeckt, aussprach. Mit dem zurückgewiesenen stadträtlichen Antrag sollte für ein modulares Primarschulhaus im Quartier Städeli ein Baukredit von rund 2,6 Millionen Franken erteilt und ein Beitrag von rund 2,8 Millionen Franken vom Finanz- ins Verwaltungsvermögen übertragen werden.

Auch kritische Stimmen

Mit der Rückweisung der Vorlage sprach sich das Wiler Stadtparlament für Zentrumsschulen anstelle von Quartierschulen aus. Diesen Grundsatzentscheid bemängelte Erika Häusermann (GLP). Was man im städtebaulichen Bereich nicht geschafft habe, werde nun auf dem Rücken der Kinder ausgetragen. Schulen im Zentrum verlängern den Schulweg der Kinder. Häusermann befürchtet, dass dadurch Eltern ihre Kinder vermehrt mit dem Auto zur Schule fahren, was negative Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt habe. Ähnlich sah dies Sebastian Koller (Grüne Prowil). Ausserdem sei die Verlagerung der Schulen ins Zentrum nur eine «Symptombekämpfung». Die Ursache für die fehlende soziale Durchmischung liege nicht bei den Schulen, so Koller

Anträge mit ähnlichem Ziel

Das Projekt eines modularen Primarschulhauses löste eine grundsätzliche Diskussion über soziale Durchmischung auf dem Stadtgebiet aus, wobei auch die Oberstufenfrage mit eingebracht und die Liegenschaft Turm, heute noch vom Sicherheitsverbund genutzt, als Schulstandort ins Spiel gebrachte wurde. Markus Hilber (FDP) sprach sich im Namen seiner Fraktion dafür aus, dass eine Lösung unter Einbezug des heute verfügbaren und künftig nötigen Schulraums inklusive der Oberstufe und dem Gemeindegebiet von Bronschhofen angestrebt werden sollte. Dafür stellte die FDP einen eigenen Antrag. Die SP-Fraktion forderte eine Rückweisung mit dem Auftrag, «eine Vorlage zu unterbreiten, welche dem Anliegen der sozialen Durchmischung gerecht wird». Die SVP stellte ihrerseits einen Nichteintretens-Antrag. Obwohl keiner der eingebrachten Anträge bei einer Gegenüberstellung mit dem Rückweisungsantrag der Vorberatenden Kommission eine Mehrheit fand, werden sie, wohl zwangsläufig, inhaltlich im neu auszuarbeitenden stadträtlichen Antrag berücksichtigt werden. Auch ein Nichteintreten der SVP hätte keine wirkliche Veränderung der Tatsache bedeutet, dass ein neuer Bericht und Antrag ausgearbeitet werden muss, der in einer Gesamtschau und unter der Berücksichtigung der sozialen Durchmischung die Schulraumsituation der Stadt Wil durchleuchtet und eine neue Lösung für zusätzlichen Schulraum unterbreitet.