Schule bleibt eine Herausforderung

Regierungsrat Stefan Kölliker stellt den Wiler Schulen ein gutes Zeugnis aus. Der Bildungsdirektor macht jedoch keinen Hehl daraus, dass Wil in Schulfragen weiterhin vor grossen Herausforderungen steht. Das Kathi kann er sich als Progymnasium vorstellen, wenn von Wil Interesse besteht.

Hans Suter/Simon Dudle
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Herbert Huser (links) will neu in die Regierung einziehen. Regierungsrat Stefan Kölliker ist seit acht Jahren Vorsteher des Bildungsdepartements. (Bild: Simon Dudle)

Herbert Huser (links) will neu in die Regierung einziehen. Regierungsrat Stefan Kölliker ist seit acht Jahren Vorsteher des Bildungsdepartements. (Bild: Simon Dudle)

REGION. Wird die Wiler Mädchensekundarschule St. Katharina angesprochen, hält sich der kantonale Bildungsdirektor Stefan Kölliker zurück. Denn das Kathi, wie die traditionsreiche Schule im Volksmund genannt wird, ist eine Privatschule. Wenngleich mit umfassendem öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag durch die Stadt Wil und einer Betriebsbewilligung des Kantons.

Durchmischung erreichen

Der in Bronschhofen wohnhafte Bildungsdirektor ist sich bewusst, dass die Wiler Schulen schwierige Aufgaben zu bewältigen haben. Als Beispiel nennt er den hohen Ausländeranteil. «Es ist wichtig, dass eine soziale Durchmischung stattfindet», sagt Kölliker. Er stellt jedoch fest: «Ab einem gewissen Anteil an Ausländern ziehen die Einheimischen weg oder schicken ihre Kinder in eine Privatschule.» Das verschärfe die Problematik weiter. «Das ist eine Herausforderung, auch für die Wiler Schulen», sagt Kölliker. Zugleich beruhigt er: «Wil muss nicht alles neu erfinden. Es gibt andernorts viele gute Beispiele, von denen man gegenseitig lernen kann.» Der Rheintaler Architekt und SVP-Kantonsrat Herbert sagt: «Vieles ist eine Frage des Willens. und des Erfahrungsaustausches.» Oft werde unter den Gemeinden und den Regionen zu wenig miteinander gesprochen. Im Rheintal seien gute Erfahrungen gemacht worden mit Mandatsträgertreffen.

Progymnasium in Wil denkbar

Aktuell wird im Kanton St. Gallen als Begabtenförderung und gleiche Chancen für fähige und motivierte Kinder ausserhalb der Stadt St. Gallen die Wiedereinführung von Progymnasien diskutiert. Statt erst aus der Oberstufe könnten Schülerinnen und Schüler mit entsprechenden Leistungen bereits nach Abschluss der Mittelstufe mit der Maturitätsbildung beginnen. Welche Städte ein Progymnasium erhalten könnten, sei noch völlig offen. Auf die Frage, ob das Kathi in Wil den Status als Progymnasium erlangen könnte, antwortet Stefan Kölliker: «Theoretisch ist das denkbar.» Er betont allerdings, es gebe bislang keine entsprechenden Pläne.

Maturitätsquote leicht anheben

Die Progymnasien sind ein Vorschlag, um die tiefe Maturitätsquote im Kanton leicht anzuheben. St. Gallen befindet sich schweizweit auf einem der hintersten Plätze. Im Jahr 2014 besuchten gerade mal 14,2 Prozent aller St. Galler Jugendlichen eine Kantonsschule. Im Wahlkreis Wil lag der Durchschnitt mit 15,8 Prozent nicht entscheidend höher. Im mehrjährigen Vergleich 2001–2014 liegt Wil mit 13,3 Prozent fast ganz genau im kantonalen Durchschnitt von 13,4 Prozent. Kölliker sieht einen gewissen Handlungsbedarf, bezeichnet es aber als «schwieriges Unterfangen», diese Quote anzuheben. «Sind die Eltern nicht an eine weiterführende Schule gegangen, geht oftmals auch das Kind nicht», sagt Kölliker.

«Wil wird profitieren»

Ein grosses Thema, mit dem sich der Regierungsrat und der -kandidat immer wieder befassen, ist das Spital Wil. Dessen bauliche Zukunft ist unklar, es wird über Sanierung und Neubau diskutiert. Aus der Sicht von Herbert Huser geht es darum, dass die Option Neubau wie auch andere Alternativen geprüft werden. «Der Kanton darf diese Prüfung nicht verpassen.»

Der Stadt Wil stellen beide Politiker grundsätzlich ein positives Zeugnis aus und bezeichnen diese als «Motor für den ganzen Kanton». Die Kommunikation mit der Wiler Stadtbehörde habe sich in den vergangenen Jahren verbessert, sagt Kölliker Den geplanten Entwicklungsschwerpunkt Wil West bezeichnen beide als einmalige Chance und er zeige beispielhaft eine funktionierende kantonsübergreifende Planung auf. Für Kölliker ist wichtig, dass weitere Arbeitsplätze geschaffen werden. Denn eines der Probleme der Äbtestadt sei, dass viele Leute Tag für Tag zur Arbeit pendelten, somit viel Zeit auswärts verbringen würden und sich darum nicht am städtischen Leben beteiligten. Huser warnt: «Wer aus beruflichen Gründen wegzieht, kehrt nur selten wieder zurück. Daher ist es wichtig, dass wir im Kanton attraktive Arbeitsplätze zur Verfügung haben.»

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