SCHULDIG: Als Nächstes hinter Gitter

Ein knapp 30-jähriger Schweizer wurde gestern vom Kreisgericht Wil zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein halbes Jahr muss er absitzen. Der gelernte Automechaniker hat seine Ex-Partnerin in Budapest vergewaltigt. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Simon Dudle
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Simon Dudle

simon.dudle@wilerzeitung.ch

Würde das Gericht einzig nach Klischees urteilen, hätte es sich den gestrigen Verhandlungstag sparen können, wäre aber zu einem anderen Urteil gekommen. Angeklagt war ein in Frauenfeld geborener und bis vor kurzem in Bronschhofen lebender Mann mit Glatze, Bart und Tatoos, der schon zuvor wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war. Fünf Vorstrafen sind im Strafregister eingetragen. Zum Gerichtstermin erschien er, wie schon bei anderen Vorladungen, zu spät, «weil halt immer etwas dazwischen kommt». Berufstätig ist er nicht, dafür auf die IV und das Sozialamt angewiesen. Drogen sind ihm nicht fremd. Im letzten Wort sagte er: «Jetzt muss ich mein Leben in den Griff bekommen.»

Er wurde zu einer 18-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Ein halbes Jahr muss er absitzen, wobei auch Halbgefangenschaft möglich ist. Zudem muss er seiner ehemaligen Partnerin Wiedergutmachung in der Höhe von 8000 Franken bezahlen, es fällt eine Busse von 500 Franken an und er muss 195 Tagessätze Strafe bezahlen. Dies freilich nicht wegen seines Erscheinungsbildes oder des unpünktlichen Erscheinens im Gerichtsaal. In erster Linie ging es um eine Vergewaltigung, die der gelernte Automechaniker im April 2015 in einem Budapester Hotel beging. Dort hatte er sich mit seiner damaligen Partnerin, einer Prostituierten, getroffen. Diese befriedigte ihn zuerst oral, wollte aber danach nicht weitermachen. Über den weiteren Verlauf der Nacht gehen die Schilderungen auseinander. Laut Anklageschrift zerrte der Mann das Opfer vom Wohn- ins Schlafzimmer, warf es aufs Bett und zog die Frau an den Haaren. Dann kam es zum Geschlechtsakt, obwohl sie mehrfach gesagt hatte, dies nicht zu wollen. Einig waren sich die beiden, dass es am nächsten Morgen zu einvernehmlichem Sex gekommen war.

In mehreren Punkten freigesprochen

In diese 18-monatige Strafe ist auch ein weiteres Vergehen eingerechnet. Der in Bronschhofen Aufgewachsene hatte einer späteren Freundin gesagt, deren Auto entsorgt zu haben. In Tat und Wahrheit hatte er es für 1500 Franken verkauft. Deshalb wurde er der Veruntreuung schuldig gesprochen. Zusammenfassend sagte der Richter: «Wir haben das Vertrauen nicht, dass Sie es begriffen haben.»

Allerdings wurde der Angeklagte in gewissen Punkten auch freigesprochen. Das Opfer hatte angegeben, gegen den eigenen Willen vom Täter von Budapest nach Bronschhofen gefahren worden zu sein. Dieser sagte hingegen, seine damalige Partnerin sei ab Wien am Steuer gesessen, weshalb von einer erzwungenen Fahrt nicht die Rede sein könne.

Nicht erhärtet hat sich folgender Vorwurf der Staatsanwaltschaft: In Bronschhofen angekommen, habe der ehemals Selbstständigerwerbende seiner damaligen Partnerin sowie dem gemeinsamen Sohn den Pass weggenommen, damit diese nicht nach Ungarn zurückkehren konnten. Als die Frau die Polizei aufsuchen wollte, sei er ihr mit dem Auto gefolgt und habe sie mit Geld zurück in dieses gelockt. Der nächste Gang zur Polizei am Folgetag sei für die Frau erfolgreicher gewesen und der Fall flog auf. Diesbezüglich wurde der Schweizer aber freigesprochen.

Der Staatsanwalt hatte total drei Jahre Gefängnisstrafe gefordert, der Verteidiger in den wesentlichen Punkten Freispruch. «Ich habe Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussage des Opfers. Der Sex ist einvernehmlich gewesen. Als Prostituierte hätte sie sich zudem zu wehren gewusst», sagte der Verteidiger «Ich bin kein Sexualtäter», ergänzte der Angeklagte.

Zu schnell auf der Strasse, gar nicht bei Terminen

Auch vom Verteidiger unbestritten waren zwei weitere Taten, die zu den Tagessatz-Strafen führten. Obwohl der Täter die Termine kannte, war er bei einer angeordneten Pfändung genauso wenig vor Ort wie auch bei zwei Vorladungen auf dem Betreibungsamt. Zudem fuhr er mit 79 statt den erlaubten 50 Stundenkilometern durch Pfyn.