Schuld war ein fehlender Anhänger: Wie sich ein paar Lenggenwiler zum Bucher-Traktoren-Club zusammenschlossen

So alt wie ihre Landmaschinen sind sie nicht. Die Mitglieder des Bucherclubs Lenggenwil halten ihre Vorliebe für Traktoren und Anhänger der Marke «Bucher» seit 25 Jahren aufrecht und erholen sich dabei vom Alltag.

Zita Meienhofer
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Die «Bucherclübler» sind bereit für ihren Ausflug: Pirmin Germann, Sepp Hälg, Raphael Mader, Norbert Fürer, Erwin Germann und Thomas Traber (von links).

Die «Bucherclübler» sind bereit für ihren Ausflug: Pirmin Germann, Sepp Hälg, Raphael Mader, Norbert Fürer, Erwin Germann und Thomas Traber (von links).

Bild: Zita Meienhofer

Sie haben Freude an Traktoren und Landmaschinen der Marke «Bucher», sie lieben das Leben auf dem Land, sie sind – meist Bauernsöhne – und sie waren knapp 20 Jahre alt. Das war vor 25 Jahren. Etwa zehn junge Männer aus Lenggenwil gründeten den Bucherclub. Zwar wurde jährlich eine Versammlung – sogar mit Traktandenliste – abgehalten, gab es einen Präsidenten, einen Aktuar und einen Kassier, jedoch ein Verein wurde nie gegründet. «Noch heute sind wir eine lose Gruppierung», sagt Primin Germann, der sogenannte Präsident. Fast etwas reumütig blickt er in die Anfangsjahre zurück: «Da waren wir jung, stresslos, ohne Mobil-Telefone und ohne Termindruck unterwegs.» Sie hätten viel erlebt in den gemeinsamen Jahren – meist viel Spontanes.

Gründung auf der Terrasse der Olma-Moststube

Der Gründung dieses Clubs ging eine lustige Geschichte voran. Eines der Gründungsmitglieder bekam kurz zuvor von einer älteren Nachbarin einen Motormäher der Marke «Bucher K3». Dem Hobbybauern fehlte allerdings noch ein passender Anhänger. Dieses Anliegen brachte er an einem Olma-Sonntag im Jahr 1994 seinen Kollegen vor. Auf der Terrasse der Moststube sitzend ergab ein Wort das andere. Irgendwann, das Problem war zwar immer noch vorhanden, jedoch schien es klar zu sein: «Wir gründen einen Bucherclub». Die Idee dieses Clubs: Pflege bäuerlicher Traditionen und landwirtschaftlicher Geräte sowie das gemütliche Beisammensein. Es vergingen nur wenige Wochen, bis der Hobbybauer dann zu seinem Anhänger kam. Nach und nach schaffte jeder ein Fahrzeug der Marke «Bucher» an. Pirmin Germann weiss: «Der Erwerb der Fahrzeuge kam meist in lustiger Runde mit Pensionären zu Stande, die dankbar waren, für ihren Oldtimer einen würdigen Abnehmer gefunden zu haben.»

Der erworbene Anhänger wurde während der Wintermonate restauriert, damit er im Frühling für die kommende Ernte zur Verfügung stand. Denn die Mitglieder des Bucherclubs legten auch Hand an, wenn unbewirtschaftete Parzellen im Dorf oder in der Umgebung gemäht werden mussten. Die «Zirkuswiese» in Wil, die 30 Aren umfasst, bewirtschafteten sie während Jahren. Das Heu oder Emd wurde dann auf dem voll beladenen «Bucher»-Anhänger via Obere Bahnhofstrasse nach Hause geführt. Nicht nur deshalb vielen sie auf, auch wegen ihrer Ankleide. In Filzhose und Edelweisshemd mit einem «Glarnertüechli» und Marschschuhen der Schweizer Armee gekleidet, waren sie am Heuen oder sonst unterwegs. Sie kauften auch Meterholz und verarbeiteten es zu Brennholz. Und, wenn es nichts zu tun gab, frönten sie der schönen Seite des Lebens: dem Beisammensein.

Jährlich geht der Bucherclub auf Reisen

Zum Jahresprogramm des Clubs gehörte – und gehört heute noch – ein dreitägiger Ausflug. Bei einem Clubmitglied liegt die Federführung der Organisation, organisiert werden muss allerdings nur das Ziel: immer ein anderer Ort in der Schweiz. Wichtig ist, dass an diesem Ort abends etwas los ist, von Vorteil ein Dorffest. Alles andere, sogar die Schlafstätte, wird spontan gesucht. So kam es, dass sie auch schon bei Landwirten im Heu schliefen oder spontan bei Leuten, die sie an einem Fest kennen lernten, übernachten konnten. Als Transportmittel für die Reise diente während Jahren ein «Bucher»-Traktor samt Anhänger, der mit Strohballen beladen war, auf denen die Clubmitglieder Platz nahmen.

Heute sind sie mit einem Kleinbus unterwegs. Durch ihre Art fallen sie auf, kommen sie schnell ins Gespräch mit den Menschen. «Es haben sich schon so viele lustige Begebenheiten ereignet», schwärmt Pirmin Germann.

Clubleben entschleunigt die Mitglieder

In den 25 Jahren hat sich einiges geändert. Es sind nicht nur Clubmitglieder gegangen und andere hinzugekommen, die «Bucherclübler» haben auch geheiratet, wurden Väter, sind mehrheitlich selbstständig erwerbend. «Der Club funktioniert immer noch», so Primin Germann, «weil wir uns den Gegebenheiten angepasst haben.» Er ist auch der Ansicht, dass das regelmässige Beisammensein im Bucherclub entschleunigend wirke, da der Alltag und die Hektik für einige Zeit auf die Seite gestellt werden können.