Schulabwart: Lasst ihn seinen Job tun

Die gute Seele geht verloren Ausgabe vom 26. November 2015

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Den Worten von Silvia Ammann ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Sie hat, über Parteigrenzen hinweg, einfach recht. Wer ein gut funktionierendes System ändern will, muss starke Gründe dafür haben. Sparen? Doch wohl nicht auf Kosten der Bildung, auf Kosten der Kinder, welche sich nicht wehren können. Das wäre wohl der schlechteste aller schlechten Ansätze.

Wissen die Verantwortlichen der Stadt Wil eigentlich, was sie mit ihrem Vorschlag anrichten? Ich glaube nicht. Der Abwart hilft in allen Belangen der Schule, immer den Blick auf das Wohl der Kinder gerichtet. Er ist auch Beichtvater, Schuhzubinder und Verbindungsstelle zwischen Schülern, Lehrpersonen und Eltern. Lasst ihn in Ruhe seinen anspruchsvollen Job tun, im Interesse der Bildung unserer Kinder.

Albert H. Bingemann-Frank Hubstrasse 39, 9500 Wil

Vom Abwart zum Hauswart und zurück?

Vierzig Jahre war ich als Lehrerin im Schuldienst tätig und habe vielfältige Erfahrungen mit der Stellung und dem Aufgabenbereich der Hauswarte gemacht. Ich habe Zeiten erlebt, als der Abwart, wie er damals hiess, nur für die Reinigung des Schulhauses und die Umgebung zuständig war, Glühbirnen ersetzte, die Kinder zur Ordnung mahnte, aber sonst im Schulhaus nichts zu sagen hatte. In einzelnen Schulhäusern hatte er nicht einmal Zutritt zum Lehrerzimmer.

Dann konnte ich miterleben, wie sich die Rolle des Hauswartes veränderte. Die meisten Hauswarte haben heute neben einer abgeschlossenen Lehre ein eidgenössisches Hauswartsdiplom. Die Aufgaben sind vielfältiger geworden. Der Hauswart ist zwar immer noch verantwortlich für Ordnung und Sauberkeit im und ums Schulhaus, er ist aber auch Mitglied des Lehrerteams. Der Hauswart nimmt an Teamsitzungen teil. Er weiss, was läuft in der Schule, und kann seine Sicht einbringen. Im Schulhaus ist er eine wichtige Ansprechperson für Lehrpersonen, Kinder, Eltern oder den Quartierverein. Er braucht zwischenmenschliches Geschick und muss vor allem anwesend sein. Ich zweifle, ob es so bleiben wird. Wenn neu ein Hauswart für einen ganzen Rayon zuständig ist, kann er nicht gleichzeitig überall sein. Es wird Zeiten geben, wo das Schulhaus ohne Hauswart auskommen muss. Zudem kann ich mir nicht vorstellen, wie ein Hauswart, der bei mehreren Schulhausteams arbeitet, weiterhin so intensiv in jedem Team dabei sein kann.

Ich bin überzeugt, dass der Wechsel zum Departement Bau ein Fehler war. Hauswarte in Schulen haben einen anderen Arbeitsauftrag als Hauswarte in anderen öffentlichen Gebäuden. Die Beziehungsarbeit ist an Schulen ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Nimmt der Hauswart auch an Sonderwochen und Anlässen teil, lernen ihn Kinder, Lehrer und Eltern nicht nur als Reinigungsfachmann kennen. Seine Arbeit wird vermehrt geschätzt und unterstützt. All dies wäre nur noch eingeschränkt möglich, wenn ein Hauswart nicht mehr an einer Schule, sondern an mehreren Schulen gleichzeitig tätig wäre.

Renata Ruggli,

Weierhofgasse 11, 9500 Wil