«Schul-Ferien» für 22 Kinder: Warum sie dennoch jeden Tag ins Schulhaus Zuzwil gehen

Sechs Wochen nach der Einführung der Tagesstrukturen in Zuzwil zieht Leiterin Sabine Plank eine Zwischenbilanz. Das Angebot wird von den Eltern geschätzt und die Kinder kommen gerne hin. Das motiviert das Team.

Andrea Häusler
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Tagesstrukturen-Leiterin Sabine Plank sagt: «Es ist erstaunlich, wie weit und selbstständig die Jüngsten bereits sind.»

Tagesstrukturen-Leiterin Sabine Plank sagt: «Es ist erstaunlich, wie weit und selbstständig die Jüngsten bereits sind.»

Bild: Andrea Häusler

Es ist kurz nach zwölf Uhr, die Pausenplätze, die Velo- und Kickboardständer des Kindergarten- und Primarschulhauses Wiesengrund sind leer: Mittagszeit. Während es für die einen nach Hause an den Familientisch ging, wartete auf die anderen das Tagesmenu im Mehrzweckraum der neuen Sporthalle. Heute sind es gut 20 Kinder, die den Mittag in der Schule verbringen, Kindergärtler und Primarschüler im Alter zwischen vier und zwölf Jahren.

Der Essraum erscheint nüchtern und die jungen Gäste wirken etwas verloren an den langen Tischen. Die puritanische Ausstattung begründet Sabine Plank, Leiterin der Zuzwiler Tagesstrukturen, mit der Mehrfachnutzung des Raums für Sitzungen und auch fürs Militär. Sie und die Schule würden ihn gern farbenfroh einrichten, aber ihnen sind die Hände gebunden. Und die doch recht luftige Sitzordnung? Die habe mit den Coronamassnahmen zu tun, sagt Plank, die den Abständen zwischen den Stühlen aber auch Positives abgewinnen kann:

«So ist es ruhiger hier.»

Fast 70 Prozent mehr Kinder

Der «Mittagstisch» ist nicht neu, seit dessen Integration in die Tagesstrukturen aber wesentlich stärker frequentiert. «Früher wurden an den vier Tagen rund 45 Essen ausgegeben, jetzt sind es etwa 70», sagt Sabine Plank und ergänzt: «Die Zahl der Kinder ist dabei von 30 auf über 50 gestiegen.»

Mit dem dreijährigen Pilotprojekt «TAGIZ» wurde nach den Sommerferien mit durchschnittlich 15 Kindern pro Tag gestartet. Das Angebot gewährleistet eine Betreuung zwischen sieben Uhr morgens und 18 Uhr abends (zwischenzeitlich mit ordentlichem Schulbetrieb), wobei verschiedene Module gebucht werden können. «Wir waren bereit», sagt Plank rückblickend. «Nichts war vergessen gegangen oder unfertig geblieben.» Allerdings sei die Vorbereitungszeit intensiv gewesen.

Ein Dessert und ein Wunschmenu

An den Mittagstischen sind meisten Salatteller leer gegessen, während vor dem Küchenbereich bereits Teigwaren mit Lachssauce und Gemüse über die Theke gehen. Das Menu bestimmen die drei Köchinnen, die sich in Teilzeit am Herd abwechseln. Am Geburtstag allerdings dürfen die Kinder ihr Lieblingsessen «bestellen», sagt Sabine Plank.

Brigitte Dudli, «Chauffeuse» für die Züberwanger Kinder nach Zuzwil und zurück, und Derra Krucker, Leiterin Mittagstisch (von links).

Brigitte Dudli, «Chauffeuse» für die Züberwanger Kinder nach Zuzwil und zurück, und Derra Krucker, Leiterin Mittagstisch (von links).

Bild: Andrea Häusler

Ein weiteres kulinarisches Wunschkonzert ist nach den Herbstferien geplant. Mit dem Ziel, das Bemühen der Eltern um eine ausgewogene, gesunde Ernährung ihrer Kinder zu unterstützen, darf jedes Kind ein Wunschmenu aus verschiedenen Zutaten zusammenstellen – allerdings unter Vorgaben, damit alle wichtigen Ernährungsbausteine enthalten sind.

Spiel, Erholung und Hausaufgaben

Die ersten Kinder haben inzwischen den Hauptgang beendet, lehnen sich zurück oder suchen das Gespräch auf Distanz. Andere sitzen noch vor halb vollen Tellern. Sabine Plank nutzt die Zeit, den Aufenthaltsbereich im Untergeschoss des Schulhauses zu zeigen: ein gut strukturierter Raum mit kuschliger Sitzecke, Bücherregalen, Töggelikasten, allerhand Spielzeug, aber auch Tischen und Stühlen zum Hausaufgaben machen.

Der Raum trage schon ihre Handschrift, sagt Sabine Plank, dankbar für die Autonomie, die sie bei der Einrichtung genossen habe. Hier halten sich die Kinder vor und nach dem Unterricht auf.

Für die Mittagstischgesellschaft geht’s heute alternativ ins Freie. Noch werden die letzten Bananenstücke verdrückt, Becher und Teller abgeräumt. Dann schwillt der Schallpegel an und der Raum leert sich.

«Die Kinder kommen gern», sagt Plank, «und die Feedbacks der Eltern ermuntern uns. Was wir bieten, wird geschätzt.» Sie meint damit auch die Flexibilität, wenn es um kurzfristige Wünsche geht, und die Bereitschaft zu unbürokratischen Lösungen.

«Ich bin selber Mutter und kann mich mit elterlichen Herausforderungen gut identifizieren.»

Grösste Nachfrage nach Nachmittagsmodulen

Die Kinder besuchen die Tagesstrukturen mehrheitlich zwischen einem und drei Tagen pro Woche. «Am häufigsten gebucht werden erwartungsgemäss die Nachmittagsmodule vor und nach dem Unterricht. Überrascht hat uns die Nachfrage nach Betreuungszeit vor dem Unterricht am Morgen.»

Jetzt stehen die Herbstferien an. 22 Kinder werden in dieser Zeit durch die Schule Zuzwil (zu Kita-Tarifen) betreut: «Vier bis acht pro Tag an drei Wochentagen», präzisiert Plank mit Blick auf die Anmeldungen. Auf dem Programm stünden Ausflüge, aber auch Spiel- und Basteltage.

Das siebenköpfige TAGIZ-­Team arbeitet in Teilzeit, teils in einer Festanstellung, teils im Stundenlohn. Auch Sabine Plank leitet die Tagesstrukturen mit einem 50-Prozent-Pensum. Reicht das? «Knapp», sagt sie und lacht. Der Personalbedarf sei von Anbeginn weg die grösste Unbekannte gewesen. «Doch wir haben ja nun Zeit, Erfahrungen zu sammeln.»

Der Raum trage schon ihre Handschrift, sagt Sabine Plank, dankbar für die Autonomie, die sie bei der Einrichtung genossen habe. Hier halten sich die Kinder vor und nach dem Unterricht auf.