Schritt für Schritt an die Spitze

Die Leichtathleten des KTV Bütschwil haben in der Vergangenheit national und international immer wieder für positive Schlagzeilen gesorgt. Selina Büchel führt als Teamleaderin eine neue Talentgruppe an. .

Urs Huwyler
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BÜTSCHWIL. Sportanlage Breite. 19 Uhr. Aus der Distanz betrachtet treffen sich jugendliche Mitglieder eines Leichtathletik-Dorfvereins zum Training. Es wird geplaudert und der Chef informiert. Der Eindruck täuscht. Schon beim lockeren Einlaufen wird kein Breitensportler-Tempo angeschlagen. Der von Urs und Marlis Göldi gecoachten Gruppe gehören auch Selina Büchel oder Chiara Scherrer an. Die 800-Meter-Spezialistin (Jahrgang 1991) sorgte am Team-Europacup in Dublin für das Schweizer Spitzenresultat (3.), die fünf Jahre jüngere Kollegin verbesserte in Schweinfurt die Bestleistung über 2000 Meter mit Hürden und Wassergraben (U18).

Qualität und Intensität

Die Nachwuchsförderung floriert demnach seit über 40 Jahren. Früher hiessen die Schnellsten Eigenmann oder Schönenberger, heute Büchel, Menzi oder Scherrer. «Wir gehen unseren Weg. Er scheint nicht ganz falsch zu sein», darf Urs Göldi zufrieden feststellen, bevor er die «Neun von der Breite» im Lauftraining fordert. Nicht die Quantität, sondern die Qualität und Intensität steht im Zentrum. Eine Schiene, auf welcher der Bütschwiler Express seit Jahren rollt. Selina Büchel wurde in kleinen Schritten an die Spitze geführt und nicht für kurzfristige Erfolge mit medialer Präsenz und steigendem Druck verheizt. «Sie soll auch in einigen Jahren noch Freude an der Leichtathletik haben», betont Urs Göldi als Technischer Leiter des KTV.

Auf ähnlichem Niveau

Der Wechsel von der Doppelbelastung Ausbildung/Sport zum Halbprofitum scheint geglückt. Die Selektion für die EM 2014 in Zürich rückt ebenso näher wie die 800-Meter-Schallmauer. Irgendwann dürfte die Raumplanungszeichnerin die 800 Meter unter zwei Minuten laufen. Wer das schafft, gehört bei den grossen Meetings dazu. Derzeit steht die persönliche Bestzeit der mehrfachen Schweizer Meisterin bei 2.01.64 (Rekord von Sandra Gasser seit 1987: 1.58.90). «Ihr Potenzial», sind die Göldis überzeugt, «ist noch nicht ausgereizt.» Selina Büchel rennt in der regionalen Talentschmiede allerdings nicht allein auf weiter Flur. Die «Scherrer Sisters» Delia und Chiara – Vater Werner hält die Vereinsrekorde von 3000 Meter bis 25 Kilometer und im Marathon – oder die Kurzstrecken-Allrounderin Marlis Wickli gehören ebenfalls zum Team 2013. «Prognosen über die weitere Entwicklung», sagt Urs Göldi, «sind schwierig zu stellen.» Raffael Nussbaumer oder die Brüder Damian und Silvan Göldi weisen nach Einschätzung des Vaters/Trainers ein ähnliches Niveau auf wie Selina Büchel. Am Wochenende startet die Mosnangerin wie Diego Menzi, Andreas Bitschnau, Séline Helfenberger und Co in Nottwil. Vom 11. bis 14. Juli folgt für Selina Büchel mit der U23-EM im finnischen Tampere der eigentliche Saisonhöhepunkt. Nach dem 6. Rang vor zwei Jahren in Ostrava (Tsch) und der Finalteilnahme an der Indoor-EM (Elite) in Göteborg ist die Zielsetzung klar: Die Finalqualifikation sollte es werden. Anschliessend geht es mit der Schweizer Meisterschaft weiter.

Weitere Talente folgen

Aus der zweiten und dritten Reihe rücken weitere Talente (Jeffrey Good, Daniel Bachmann, Laura Giger, Andrea Jud) nach. Die ersten Einheiten hat inzwischen auch Langlauf-Sprinter Christoph Eigenmann (weilt derzeit in einem Trainingslager) hinter sich. Andere laufstarke Toggenburger tauchen ebenfalls immer wieder mal im Training auf.

Inzwischen ist zur Erholung ein Dauerlauf angesagt. Bei bester Stimmung joggt die Gruppe davon. Aus der Distanz betrachtet passt das Tempo. Selina Büchel und Marlis Wickli sehen dies anders. Sie tippen auf einen 7-Minuten-Schnitt. Und starten mit einem geschätzten 6er-Rhythmus – ebenfalls lachend – zur Aufholjagd. Leistungssport kann auch Spass bereiten.