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Schriftsteller Rafik Schami zu Gast in Flawil: Er wollte einfach nur Geschichten erzählen, doch die Zensur hinderte ihn daran

Dem Kulturverein Touch war es gelungen, den syrisch-deutschen Schriftsteller Rafik Schami für eine Lesung zu verpflichten. Am Freitagabend war der Schriftsteller und promovierte Chemiker im Rössli-Saal zu Gast.
Michael Hug
Ein begnadeter Erzähler, dem das Publikum noch stundenlang hätte zuhören können: Rafik Schami. (Bild: Michael Hug)

Ein begnadeter Erzähler, dem das Publikum noch stundenlang hätte zuhören können: Rafik Schami. (Bild: Michael Hug)

Das war auch bei ihm nicht anders, damals in Damaskus: «Wähle einen anständigen Beruf, das andere kannst du als Hobby machen!» befahl der Vater. Das «andere», das war bei Rafik Schami das Erzählen: «Ich wollte doch nur Geschichten erzählen.» Und zwar so, dass die, die zuhören, in die Geschichten hineingezogen werden, als erzählte er die Realität. «Als ich noch ein Junge war, gab es in Syrien die Geschichtenerzählerinnen», erinnert sich der heute 73-Jährige, «das war die einzige Unterhaltung, die es gab in den Dörfern.» Fasziniert von den Geschichten, vielmehr von der Art des Erzählens, wollte er das auch: Erzählen. Geschichten erfinden, aufschreiben, den Menschen weitergeben. Für ihn war schon als Kind klar: Er wollte Schriftsteller werden.

Bedeutender Schriftsteller

Heute ist Rafik Schami Schriftsteller, ein bedeutender, mit Preisen überhäufter Schriftsteller im deutsprachigen Raum. Gelesen hat der 1971 emigrierte Syrer, der mit richtigem Namen Suheil Fadél heisst, am Freitagabend nichts. «Ich halte meine Lesungen immer in freier Rede», so der Gast, «und das schon seit ich die erste Lesung machte.» Diese organisierte er vor 37 Jahren selber und bekam dafür kein Honorar. Die Fans unter den Zuhörenden im vollen Saal wussten das und kamen genau deswegen: Um einem begnadeten Erzähler zuzuhören. Seine Bücher haben sie ohnehin schon längst gelesen. Diejenigen, die vielleicht noch Fans werden, wussten es nicht, doch nach einer halben Stunde hatten sie vergessen, dass eigentlich eine Lesung angesagt war.

Einem anständigen Beruf zugewandt

«Das ist stets ein grosser Frust gewesen damals», erzählt Schami, «man schreibt einen Text, muss ihn der Zensur vorlegen und die streicht mit schwarzer Farbe 70 Prozent wieder durch.» Es gab vieles, über das nicht geschrieben werden durfte: Staat, Politik, Religion, Erotik: «Was macht es für einen Sinn, zu schreiben und die halbe Arbeit wieder streichen zu lassen? Macht ein halbes Gedicht Sinn?» Er habe sich dann schweren Herzens doch einem «anständigen» Beruf zugewandt, studierte Chemie und schrieb in der Freizeit Kurzgeschichten und Gedichte. Doch dann kam der Moment, wo ihm gewahr wurde, was mit seinem Leben geschehen würde, wenn er den Beruf auch ausüben würde: «Wer in Syrien Chemie studierte, landete unweigerlich in der Waffenindustrie des Staates.» Doch da gab es keinen Ausweg. Wer in staatlichen Forschungsprogrammen arbeitete, war Geheimnisträger, für den gab es kein freies Leben mehr.

Ein Leben im Exil

Rafik Schami ist kein typischer Bürgerkriegsflüchtling der vergangenen fünf Bürgerkriegsjahre. Seine Migration nach Deutschland geschah schon 1971. «Ich entschloss mich für ein Leben im Exil», erinnerte er sich. «Ich wollte doch einfach nur Geschichten erzählen.» Das Publikum im Rössli-Saal horchte gespannt seinen Erinnerungen: 1971 Ankunft in Heidelberg, Studium der Chemie, Aushilfsjobs in Kaufhäusern, Restaurants und Baustellen, 1979 die Promotion, gleichzeitig immer wieder Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, ebenso gleichzeitig intensive Arbeit mit der deutschen Sprache.

«Ich wollte ja nach wie vor Schriftsteller werden, und zwar in deutscher Sprache. Da musste ich richtig gut literarisches Deutsch lernen, das war für mich klar.» Lapidar meinte er: «Ich war allein, keine Familie, da ging das schon.»

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