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«Die Halterin ist das Problem»:
Schon wieder Hundeattacke in Wil

Im Gebiet Sömmeri nahe des Wiler Aussichtsturms wurde erneut ein Hund verletzt. Eine Halterin von zwei Schäferhunden wurde nun schon zum vierten Mal angezeigt. Sie ist bereits wegen Tierquälerei verurteilt.
Simon Dudle
Hier ist es passiert: Boris Zaalberg mit Labrador Chuck beim Spazieren in der Sömmeri. (Bild: Simon Dudle)

Hier ist es passiert: Boris Zaalberg mit Labrador Chuck beim Spazieren in der Sömmeri. (Bild: Simon Dudle)

Beim 32-jährigen Boris Zaalberg sitzt der Schock auch über eine Woche nach dem Zwischenfall noch immer tief. Am Donnerstagmorgen der vergangenen Woche war er zwischen 7 und 7.30 Uhr mit seinem Labrador-Mischling Chuck unterhalb des Wiler Aussichtsturms im Gebiet Sömmeri unterwegs. Als er sah, dass ihm eine Frau mit Schäferhund entgegenkam, nahm er Chuck an die Leine. Er liess ihn auch nicht los, als sich der Schäferhund von der Frau losriss und auf seinen Hund zustürmte. «Ich versuchte, Chuck zurückzuziehen. Hätte ich es nicht getan, wäre wohl Schlimmeres passiert», sagt Zaalberg.

Trotzdem wurde Chuck gebissen und zog sich Verletzungen an Oberschenkel und Bauch zu – und dies vier Tage nach seinem ersten Geburtstag. Noch am gleichen Tag erstattete Zaalberg bei der Polizei Anzeige gegen die Hundehalterin. Der Zwischenfall wird von der Polizei denn auch bestätigt: «Es triff zu, dass ein Schäferhund einer Frau einen angeleinten Labrador biss. Durch dessen Besitzer wurde bei der Polizeistation Wil eine Anzeige wegen Widerhandlungen gegen das Tierschutzgesetz erstattet», sagt Hanspeter Krüsi von der Kantonspolizei St. Gallen.

Maulkorb-Pflicht löst Verfahren aus

Bei der Polizei ist die Hundehalterin aus Rossrüti kein unbeschriebenes Blatt. Es ist innerhalb von nicht einmal eineinhalb Jahren bereits die vierte Anzeige gegen sie. In zwei der drei vorgängigen Fälle hat die Staatsanwaltschaft kein Verfahren eröffnet. Im einem aber schon. Die Hundehalterin ist nun rechtskräftig verurteilt – wegen Tierquälerei, Übertretung des Tierschutzgesetzes und Übertretung des kantonalen Hundegesetzes. Detaillierte Informationen gibt die Staatsanwaltschaft nicht preis. «Die Verurteilung erfolgte, weil die Straftatbestände sowohl in objektiver als auch in subjektiver Hinsicht erfüllt waren», sagt Regula Stöckli, stellvertretende Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft St. Gallen.

Laut Recherchen dieser Zeitung steht in der Urteilsbegründung, dass die Frau ihre Verantwortung in keiner Weise wahrnehme. Die Hundehalterin wurde zu einer Geldstrafe von 4200 Franken verurteilt. Da das Urteil bedingt ausgesprochen wurde, musste sie vorerst nicht bezahlen. Gut möglich, dass sich dies nach dem neuerlichen Zwischenfall ändert. Zu zahlen hatte sie hingegen eine Busse von 420 Franken.

Ein weiteres pikantes Detail: Die Stadt Wil verhängte am 22. November des vergangenen Jahres eine Maulkorb-Pflicht für die beiden Schäferhunde. Dies bestätigt Polizeisprecher Krüsi: «Die beiden Hunde müssen ausserhalb der Wohnung an der Leine geführt werden. Zudem müssen sie auch einen Maulkorb tragen.» Die Stadt Wil nennt keine weiteren Details zu dieser Massnahme. Man befinde sich in dieser Thematik in einem rechtlichen Verfahren und dürfe deshalb keine Auskunft erteilen, sagte Philipp Gemperle, Sprecher der Stadt Wil.

«Halterin ist das Problem, nicht der Hund»

Für Boris Zaalberg ist mit diesem Vorfall das Fass zum Überlaufen gebracht worden. Chuck, der zuvor ein sozialer Hund gewesen sei, habe sich schlagartig verändert und nun Angst vor grösseren Hunden. Begegne er einem solchen, verstecke er sich hinter dem Herrchen. Der 32-Jährige überlegt sich nun, auch auf zivilrechtlichen Weg aktiv zu werden und die Hundehalterin auf Genugtuung einzuklagen, um so auch die Tierarzt-Kosten auf sie abwälzen zu können. «Die Halterin ist das Problem, nicht der Hund. Am besten wäre es, man würde die Hunde irgendwo hingeben, wo sie ein besseres Leben haben. Man darf die Augen nicht verschliessen und einfach zuwarten», sagt Zaalberg.

Mit diesen Worten richtet er auch einen Vorwurf in Richtung Stadt, der in der Hunde-Diskussion der vergangenen Monate immer wieder vorgehalten worden war, sie unternehme zu wenig. Laut Recherchen dieser Zeitung kam es in der Sömmeri seit Ende 2015 zu mehr als vier Hundeattacken. Den Vorwurf der Inaktivität lässt Gemperle nicht gelten. «Nur schon der Umstand, dass die Stadt in dieses rechtliche Verfahren involviert ist, zeigt, dass wir nicht untätig sind.»

Und was sagt die Hundehalterin? Nichts. Auf telefonische Anfrage der «Wiler Zeitung» beendete sie das Gespräch bereits nach der Begrüssung und legte auf. Sie sage dazu nichts mehr.

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